Bergsteiger-Show

Reinhold Messner stellt seine „Weltberge“ auf Zollverein vor

Bergsteigerlegende Reinhold Messner.

Bergsteigerlegende Reinhold Messner.

Foto: Olaf Krüger

Bergsteigerlegende Reinhold Messner kommt nach Essen. Ein Interview über Halden, Expeditionsleiden und Greta. Und Star Wars findet er peinlich.

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Bildgewaltig setzt Reinhold Messner in seinem neuen Vortrag die beeindruckendsten Berge der Welt in Szene – am 17. November auf Zollverein. Mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat die Bergsteigerlegende für „Weltberge – die 4. Dimension“ zusammengearbeitet, um die Besteigungen fotorealistisch darstellen zu können.

Der Grundsatz des Buddhismus lautet: Das Leben ist Leiden. Darum will man ja ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt. Wie verhalten Sie sich dazu?

Der Buddhismus sagt: Die Gier macht uns leiden. Im Grunde ist das genau die Haltung, die wir Industrielandmenschen einnehmen müssten, wenn wir die Krise lösen wollten. Raus aus dem Konsum. Konsum ist sozusagen das Heiligtum unserer Wirtschaft, unserer Politik. Aber wir können uns diesen Konsum nicht mehr leisten. Wir müssten stolz sein, verzichten zu können.

Körperliche Leiden gehören zu Extremexpeditionen dazu…

Wer keine Leidensfähigkeit hat, kann das nicht machen. Es ist nicht ein Leiden wie im Krankenbett, es ist ein unterschwelliges Leiden, das mitschwingt in Müdigkeit und Kopfweh, gerade in großer Höhe. Oder wenn Sie ihre Hand in den Riss legen beim Felsklettern und dann zur Faust ballen und sie verklemmen, um sich hochzuziehen … da reißen sie sich die ganze Haut auf. Ich habe meine Antwort, warum man das macht, und ich glaube, das ist auch die Antwort: Wenn wir in Eigenregie in diese archaische Welt hineingehen, die groß ist, die gefährlich ist, die wir nicht in Maßstäben von Metern und Zeit messen können, sondern nur mit dem eigenen Körper, mit der Anstrengung, mit dem Leiden – dann sagt unser Selbsterhaltungstrieb nach einer bestimmten Zeit: Jetzt lass den Blödsinn endlich.

Kommen zu Ihren Vorträgen auch Leute, die nicht an den Klimawandel glauben?

Den Klimawandel behandele ich in meinen Vorträgen. Ich sage was ich erfahren habe, meine Vorträge haben keine moralische Dimension. Ich erzähle nur Tatsachen. Ich bin auch der Meinung: Die besten Geschichten, die die Menschheit je gelesen und gehört hat, das sind erlebte Geschichten und nicht erfundene. Mich wundert, was die Leute bei Star Wars sehen. Ich will das nicht sehen, das ist mir peinlich! Das ist … Fantasie, die völlig … natürlich lebt Hollywood davon, aber da ist mir die Odyssee tausendmal lieber. Das ist eine viel schönere Geschichte.

Wie macht sich Klimawandel ihrer Beobachtung nach bemerkbar?

Ich gehe seit 70 Jahren in die Berge. Was von 1960 bis sagen wir 2000 aus den großen Wänden in den Alpen heruntergebrochen ist, ist ein Bruchteil dessen, was jetzt pro Jahr herunterfällt. Da brechen Stücke, so groß wie eine Häuserzeile aus einer Wand in den Dolomiten und krachen vom Berg runter. Weil der Permafrost, der die Felsen zusammenhält, schmilzt. Es kann auch Wasser fließen und dann hält das angelehnte Stück nicht mehr mit der Hauptlast des Berges zusammen. Dazu haben sich die Jahreszeiten verschoben. Als ich ein Bub war, konnte man um diese Zeit in den Dolomiten keine große Wand machen, die waren vereist. Jetzt können sie klettern wie im Hochsommer.

Sie sind zu Vorträgen ja durchaus häufiger im Ruhrgebiet. Haben Sie mal einen der hiesigen künstlichen Berge bestiegen, eine Halde?

Nein, ich war aber ganz früh schon im Landschaftspark Nord, wo man herumklettern kann. Aber es ist ja durchaus interessant, auf einen vom Menschen gebildeten, gebauten Berg zu steigen und so zurückzugreifen in die Erdgeschichte und fortzugreifen in die Fantasie, wie es sein wird, wenn die Berge mal alle verbraucht sind, weil zu viele Leute da herumsteigen.

Hat Fridays for Future Sie angeregt, nachzudenken über ihren persönlichen CO2-Fußabdruck?

Das habe ich schon lange vorher getan. Ich muss auch mea culpa sagen: Ich fliege. Aber mit einer Politik, die das Leben selbst verbieten will, hatte ich schon immer meine Probleme. Und ich habe auch mit Greta meine Probleme. Ich finde, was sie jüngst getan hat, der ganzen Welt vorzuwerfen, dass wir die Schuld haben an ihrem Unglück, ist insofern unfair, als wir Menschen in der Summe erst seit 20 Jahren auf diese Problematik aufmerksam werden. Natürlich hat ein Wissenschaftler da und dort schon früher mal den Zeigefinger gehoben. Aber wir haben in all diesen großen Fragen erst relativ spät erkannt, was los ist. Ich habe Sorge, wenn es so weitergeht mit dieser Hysterie, kriegen wir entweder eine Ökodiktatur oder einen Bürgerkrieg.

>> Info: Vortrag auf Zollverein am 17. November

Am 17. November, 20 Uhr, ist Reinhold Messner auf Zollverein zu erleben mit seinem neuen Vortrag „Weltberge – die 4. Dimension“. Dabei zeigt er 13 Berge, an denen Geschichte geschrieben wurde, mit Hilfe von Computersimulationen aus bislang undenkbaren Perspektiven und berichtet von seinen Grenzerfahrungen wie von den besteigungshistorischen Begebenheiten.

Letzten Monat wurde Reinhold Messner 75 Jahre alt. Er ist einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt. Gemeinsam mit Peter Habeler bestieg er 1978 als erster den Gipfel des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff und stand als erster Mensch auf den Gipfeln aller vierzehn Achttausender. Ebenfalls als erster hat er einen Achttausender im Alleingang bestiegen, den Nanga Parbat, und zwei Jahre später den Everest. Seine unzähligen Buchveröffentlichungen wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt.

Tickets und Infos: www.weltblicke.de/weltberge-die-4-dimension.

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