Caravan-Salon

Caravan-Salon: Warum Camper immer luxuriöser werden

Auto im Wagen: Das Reisemobil Vario Perfect IV kann alles einpacken, was den Inhabern lieb und teuer ist.

Auto im Wagen: Das Reisemobil Vario Perfect IV kann alles einpacken, was den Inhabern lieb und teuer ist.

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

Düsseldorf.  In Düsseldorf kann man von Samstag an 2100 Wohnwagen und -mobile besichtigen. Sie würden luxuriöser, sagen Hersteller. Aber schlicht rollt auch.

Frank Mix hat einen ausgesprochen weit gefassten Begriff von Autos, er umfasst auch noch ein Fahrzeug von zwölf Metern Länge und 18 Tonnen Gewicht. Die Kundschaft sei „autoaffin“, sagt er beispielsweise, oder, dass „das Auto mit Tempomat praktisch selbst fährt“. Wohlgemerkt: Geschäftsführer Mix beschreibt das Wohnmobil „Variomobil Perfect IV“, das auf dem Caravan-Salon vor ihm steht.

Ein, nun ja, Auto mit einer Garage in sich, für ein weiteres, kleines Auto. Das Variomobil, wie es hier steht, kostet 870.000 Euro, aber man kann noch Sonderwünsche einspeisen, selbstverständlich gerne. Auf einem normalen Campingplatz parkt man damit wohl eher nicht. Dürfte aber kein Problem sein in diesen Kreisen, sich dafür ein Grundstück zu kaufen.

Caravan-Salon erwartet mehr als 200.000 Besucher in neun Tagen

Am Freitag ist der Fachbesucher-Tag auf dem Caravan-Salon in der Messe Düsseldorf, am heutigen Samstag öffnet er sich für das allgemeine Publikum und erwartet mehr als 200.000 Menschen an neun Tagen. Diese Messe für Wohnwagen und Reisemobile wächst seit Jahren und verkündet am Freitag wieder gigantische Zahlen: 600 Aussteller, 2100 Fahrzeuge, 13 Hallen, 214.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Überhaupt ist die ganze Branche im Aufwind: 71.000 Zulassungen 2018 waren ein Rekord, 61.000 sind bis Ende Juli 2019 schon wieder hinzugekommen. Bei zwei Ausstellern sieht man Prosecco auf und unter dem Tisch. Zufall, natürlich.

Eine Halle weiter gilt der „Tabbert Cellini“ als Luxusklasse – er liegt bei nur 97.000 Euro, ist aber auch kein Reisemobil, sondern ein Wohnwagen. „Ein kleines Schlösschen auf Rädern“, so preist Stefan Diehl ihn an: „Die Fahrzeuge sind insgesamt luxuriöser geworden, das ist ja der Grund, warum unsere Branche so boomt.“ Mikrocomputer, Smart Home, einparken per Handy-App. Und das Sofa hat eine „pneumatische Sitzhärteregelung“. Was ist nur aus dem guten alten Zelten geworden?

Auch familienfreundliche Modelle mit Etagenbett und Kinderabteil

Zubehör und Ausbauteile finden sich in den 13 Hallen natürlich auch, Campingplätze und Urlaubsziele stellen sich vor, und angesichts des Booms haben sie auch eine „Starter-Welt“ eingerichtet: Fachleute beraten hier markenneutral, was man tun muss, will man dazugehören zum fahrenden Volk. Und unter der Decke hängt Reklame: „Wohnfühlen.“ Weiter. Da hinten dann ein kleineres Fahrzeug mit Ausbauküche, dort eine rollende Hundehütte namens „4pfoten Mobile“.

Beim Marktführer „Hobby“ hängt „Gebaut fürs Leben“, und tatsächlich ist er vielleicht ein kleines bisschen näher dran an normalen Leuten als das Variomobil: Beim Wohnwagen „Hobby de Luxe 545 KMF“ käme man mit 21.600 Euro ins Geschäft. Mit extra großem Kühlschrank, Etagenbett und Kinderabteil errät sich die Zielgruppe schnell: Junge Familien mit kleineren Kindern. „Familien-Grundrisse laufen super“, sagt die Hobby-Sprecherin Cilia Eckrich. Und wenn die Kinder zu groß werden für das Etagenbett? „Viele reißen das Innere raus und machen sich etwas neues, wenn sie handwerklich ein bisschen begabt sind.“

Branche experimentiert mit Elektroantrieben und leichteren Materialien

Aber auch die neue Zeit steckt in den Mobilen. Bei Dethleffs ein serienreifes e-Hybrid-Modell: Die elektrische Reichweite beträgt nur 50 Kilometer, deshalb gibt es noch einen Benzinmotor, der aber nicht als Antrieb dient, sondern die Batterie auflädt für weitere 500 Kilometer. Klingt kompliziert, hat aber Vorteile, versichert Helge Vester: „Sie fahren leise auf den Campingplatz und ohne Angst vor Fahrverboten in die Stadt.“ Oder bei Vöhringer: Da haben sie ein großes Fahrzeug auf leicht getrimmt. Mit neuen Materialien, aber auch dem alten Trick, ein- und denselben Platz mit mehreren Funktionen zu belegen. Der Laderaum für Fahrräder mit Tür nach draußen ist nachts der Schlafraum der Kinder – mit der Tür nach innen.

Und dann sind da noch die „Teardrop“-Fahrzeuge. Sie sind nun wirklich preiswert, werden aber natürlich nur wegen ihrer Form „Tränen“ genannt. Wer nur ein Bett, ein wenig Stauraum und eine Kleinstküche braucht, kann sich etwa beim lettischen Hersteller Kulba umschauen. Das Wohnwägelchen für 8900 Euro biete „zwei erwachsenen Personen Platz zum Schlafen oder zum Sitzen“. Das Sitzen nur bei aufgestellter Matratze, versteht sich. Gutes altes Zelten!

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

„58. Caravan-Salon“ bis Sonntag, den 8. September, täglich von 10 bis 18 Uhr in der Messe Düsseldorf. Das Motto dieses Jahr: „In der Welt zu Hause.“ Tageskarten kosten online 15 Euro, an der Kasse 18 Euro. Ermäßigt für Kinder, Schüler, Studenten und Azubis.

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