Schwarzfahrer

VRR prüft Tickets bald in mehr als jeder zweiten S-Bahn

Symbolbild. Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember gibt es auf einigen S-Bahnlinien viel Neues im VRR - zum Beispiel regelmäßige Fahrkartenkontrollen.

Symbolbild. Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember gibt es auf einigen S-Bahnlinien viel Neues im VRR - zum Beispiel regelmäßige Fahrkartenkontrollen.

Foto: STEPHAN EICKERSHOFF

Gelsenkirchen.  „Den Fahrschein bitte“: Wer mit der S-Bahn fährt, hört diesen Satz selten. Doch das soll sich ändern. Der VRR erhöht den Druck auf Schwarzfahrer.

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Für S-Bahn-Pendler an Rhein und Ruhr ändert sich zum Fahrplanwechsel in diesem Jahr besonders viel. Auf insgesamt fünf S-Bahnlinien muss man sich ab 15. Dezember auf Neues einstellen, bei Fahrplan und Streckenführung. Und man sollte künftig vor Fahrtantritt umso genauer sicher stellen, dass man eine Fahrkarte hat.

„Von Betriebsbeginn bis abends soll es in jeder zweiten S-Bahn Fahrkarten-Kontrollen geben“, sagt eine Sprecherin der Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. Ab 18 Uhr bis Betriebsschluss gibt es Ticket-Kontrollen künftig „in jeder S-Bahn“.

Auf fünf S-Bahnlinien ändert sich viel

Das gilt für die S-Bahnlinien S1 (Solingen-Dortmund), S2 (Dortmund-Recklinghausen/Essen), S3 (Oberhausen-Essen-Hattingen), S4 (Unna-Dortmund-Lütgendortmund) und S9 (Recklinghausen/Haltern – Wuppertal). Für diese Linien bringt der Fahrplanwechsel auch einen Wechsel des Betreibers mit.

Ausnahme beim Betreiberwechsel sind nur die Linien S1 und S4, bei denen der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) im September wegen fehlender Lokführer dem ursprünglich vorgesehenen Betreiber Keolis/Eurobahn kündigte und mit der Bahn-Tochter DB Regio NRW eine „Notvergabe“ über zwei Jahre schloss.

S-Bahn: Künftig Service-Kräfte in Zweier-Teams an Bord

In den Ausschreibungen der neuen S-Bahn-Verträge hatte der VRR den Bahnunternehmen auch eine höhere „Betreuungsquote“ vorgeschrieben, sprich: Mehr Personal an Bord der Züge.

So sollen künftig morgens bis zum frühen Abend in jedem zweiten Zug Servicekräfte jeweils zu zweit an Bord sein. Ihre Aufgaben sind Kundeninformation, Sicherheit, Service und „Fahrgeldsicherung“, sagt der VRR.

Fahrkartenkontrolle in der S-Bahn ist bis dato „Zufall“

Bis dato gibt es im VRR nur Abends und Nachts Sicherheits-Personal an Bord von S-Bahnen. Und dass in der S-Bahn die Fahrkarten kontrolliert werden, geschieht tagsüber allenfalls sporadisch. Der VRR behauptet, tagsüber liege die Betreuungsquote dort bei „bis zu 70 Prozent“. Beim Fahrgastverband ProBahn hat man einen anderen Eindruck: In eine Ticket-Kontrolle zu geraten , sei in der S-Bahn bis dato eher „Zufall“.

„Die Deutsche Bahn hat in diesem Punkt in den S-Bahnen in der Vergangenheit „bei Fahrkartenkontrollen zu viel gespart“, sagt Lothar Ebbers, Sprecher der Fahrgastvereinigung Pro Bahn NRW. Anders in Regionalzügen: Dort liege die „Betreuungsquote“ durch Bahn-Personal laut VRR aktuell zwischen 25 und 100 Prozent, auch tagsüber.

VRR drängt auf mehr Einnahmen

„Der Unterschied von S-Bahn zum Regionalexpress wird immer kleiner“, sagt Ebbers mit Blick auf die Vorgabe, dort Service-Personal einzusetzen. Ursache dafür ist auch: Der VRR bekommt auf den fünf genannten S-Bahn-Linien künftig die Einnahme-Hoheit, erklärt Ebbers. Daher habe der VRR ein gestiegenes Interesse daran, die Einnahmen durch den Fahrkartenverkauf zu steigern.

„Fahrkartenkontrollen tragen nachweislich zur Einnahmesicherung bei“, sagt Volker Wente, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in NRW. Die Initiative sei „begrüßenswert und richtig“, sagt Wente. Doch sollten Personalkosten und Ertrag „betriebswirtschaftlich gut abgewogen werden“, fordert er.

Kampf gegen Schwarzfahrer ist teuer

Laut VDV gehen den Verkehrsunternehmen bundesweit pro Jahr etwa 250 Millionen Euro durch Schwarzfahrer verloren. Die Schwarzfahrerquote im Nahverkehr wird auf drei bis 3,5 Prozent geschätzt. Sie sei „seit Jahren im Nahverkehr konstant“, sagt Wente.

Wirtschaftlich seien Kontrollen allerdings „nicht so effektiv wie man glaubt“, heißt es beim VDV. So würden die Verkehrsunternehmen bundesweit jährlich mindestens 100 Millionen Euro für Maßnahmen und Kontrollen gegen Schwarzfahrer ausgeben.

Fahrkartenkontrollen ganz im Sinne des „ehrlichen Fahrgasts“

Bei der DB setzt man seit dem Jahr 2016 auf ein neues Konzept bei Fahrkartenkontrollen: „Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit dem vermehrten Einsatz von Teams, die in Fünf-Personen-Stärke auf vielen S-Bahn, Regionalbahn- und Regionalexpress-Linien Fahrkarten prüfen“, sagt ein Bahn-Sprecher. Zu konkreten Zahlen äußert sich die DB jedoch nicht.

Mehr Service-Personal an Bord von S-Bahnen entspreche im übrigen „den Wünschen vieler Fahrgäste“, glaubt man beim VDV. Es hebe das Sicherheitsempfinden – und die Zufriedenheit, sagt ein Verbandssprecher: „Der ehrliche Fahrgast will auch mal gerne jemanden sehen, der die Fahrkarten kontrolliert“.

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