Unglück

Tornado von Roetgen: Nach dem Sturm- kommt der Wasserschaden

Neben all den Wohnhäusern hat der Wirbelsturm  auch zwei Hallen schwer beschädigt.

Neben all den Wohnhäusern hat der Wirbelsturm auch zwei Hallen schwer beschädigt.

Foto: Fabian Strauch

Roetgen.   Nach dem Tornado im Eifel-Städtchen Roetgen regnet es unaufhörlich in die angeschlagenen Häuser hinein. Zehn sind zunächst unbewohnbar.

Marina Albrecht hat schwarz gesehen, und das buchstäblich. „Ich hab’ ihn kommen sehen. Ein Wirbel, der sich dreht. Schwarz und grau“, erinnert sie sich an den Moment, kurz bevor der Wirbelsturm auf Roetgen los ging. Sie wusste nicht, was tun, „ich bin sofort in den Keller“, da war der Sturm auch schon vorbei.

Als sie sich in ihrem Einfamilienhaus wieder nach oben traut, ist im Erdgeschoss zunächst alles gut. „Ich dachte, wir sind verschont worden, aber oben ist alles kaputt“, sagt Marina Albrecht: „Da sind die Scheiben reingekommen.“

„Das Wunder in der Katastrophe“

Am Mittwochabend ist ein Tornado auf die Kleinstadt Roetgen getroffen, eingangs der Eifel, 20 Kilometer südlich von Aachen, Belgien ist zum Greifen nah. In der „Hauptstraße am Kuhberg“ und der „Rotten Gasse“, die davon abgeht, hat er an 40 Häusern gerüttelt, vor allem Einfamilienhäusern, hat viele schwer beschädigt, zwei komplett abgedeckt und etliche zum Teil, hat zehn zumindest zeitweise unbewohnbar gemacht und fünf Menschen leicht verletzt. Und das alles in zehn Sekunden.

Tornado in Roetgen: Aufräumarbeiten im vollem Gange

Ein Tornado hat in Roetgen in der Eifel eine regelrechte Spur der Verwüstung hinterlassen. Nach dem Sturm beginnen jetzt die Aufräumarbeiten.
Tornado in Roetgen: Aufräumarbeiten im vollem Gange

„Das Wunder in der Katastrophe“ sagen die Leute dazu, dass niemand schwerer verletzt wurde oder getötet. Doch am Tag danach ist der Wirbelsturm sozusagen schon der Schnee von gestern: Denn nun regnet es in stundenlangen Strömen, und das in Häuser, deren Dächer nicht mehr dicht sind. „Jetzt kriegen wir ein nasses Haus“, sagt eine Anwohnerin: „Es tropft sogar schon unten.“

Haus gesperrt – im Vorgarten liegt ein tragender Balken

Lastwagen fuhrwerken durch die engen Straßen, sie bringen Container für all den Müll und setzen sie in die Vorgärten. Etliche Handwerkerbullis parken links und rechts, Dachdecker aus der ganzen Region sind oben, decken Dächer provisorisch ab mit Planen. Da, die Stadtwerke! Versicherungsvertreter, Schadensregulierer, Statiker. Was kann stehen bleiben? Was muss weg?

„Wir brauchen einen Statiker“, sagt Silvia Bourceau. Sie sucht Schutz vor dem unaufhörlichen, schweren Regen in der Garage ihres schwer getroffenen und jetzt mit Flatterband abgesperrten Elternhauses. Im Vorgarten liegen ein tragender Balken vom Dach und große Mengen gelber Dämmstoff – nein, hier darf ganz sicher niemand mehr hinein. „Unsere Mieterin war nicht da, Gott sei Dank!“, sagt Silvia Bourceau.

Wirbelsturm schleudert Frau in den Flur

Fassaden hat der Wirbelsturm heruntergerissen und alte Bäume umgeknickt. Glasscheiben hat er eingedrückt und Zäune losgerissen. Pflanzkübel hat er zerschmettert und Gartenhäuschen verweht und einen Carport auf ein Auto geworfen. Eine Frau hat er aus ihrem Wohnzimmer in den Flur geschleudert.

„Dann hab’ ich das Glas abgestreift, dann stand man auf der Straße und guckte.“ Weil sie Schmerzen in der Hand hatte, fuhren Sanitäter sie ins Krankenhaus, sie durfte aber schnell wieder gehen: „Dann hat man die ganze Nacht gearbeitet.“ Eine andere Nachbarin sagt: „Man lässt das gar nicht an sich ran. Die Männer haben ihre Kettensägen.“

Niemand war auf die Notschlafplätze angewiesen

Wie immer in der großen Not, ist die Hilfsbereitschaft sehr, sehr groß. Niemand musste in der Nacht in die Turnhalle ziehen, die die Gemeinde als Notschlafplatz anbot, alle kamen irgendwo unter. „Das ist eine gewachsene, sehr gute Nachbarschaft, das kommt uns jetzt zugute“, sagt Silvia Bourceau. Wer kann, kocht Kaffee, schmiert Brötchen, falls jemand was braucht.

Da drüben vor dem Haus fegt eine durchnässte Frau Bruchholz zusammen; ihre Bekannten, die hier eigentlich wohnen, sitzen drin, „mit so einem Versicherungsmenschen ... Man muss doch helfen, oder?“ Jemand schaut durch die offen stehende Haustür von Albrechts. Sabrina! „Brauchst du was Warmes?“, fragt Sabrina, „kann ich irgendwas tun?“ Nein, danke, lieb, ihre Freundin Marina braucht gerade nichts. Trockenes Wetter braucht sie. Aber es regnet.

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