Silvester-Feuerwerk

Umwelthilfe will Feuerwerksverbot in noch mehr Städten

Die Deutsche Umwelthilfe hat nun in bundesweit 98 Städten und Gemeinden ein Verbot privater Silvesterböllerei beantragt - als Maßnahme zur Luftreinhaltung. Es gehe vor allem um belastete Innenstadtbereiche.

Die Deutsche Umwelthilfe hat nun in bundesweit 98 Städten und Gemeinden ein Verbot privater Silvesterböllerei beantragt - als Maßnahme zur Luftreinhaltung. Es gehe vor allem um belastete Innenstadtbereiche.

Foto: Jens Uwe Wachter Storm / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Deutsche Umwelthilfe hat ihren Kampf gegen Silvesterfeuerwerk ausgeweitet: In NRW zieht die Organisation nun gegen 25 Städte zu Felde.

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Im Kampf gegen Luftverschmutzung durch Silvester-Feuerwerk weitet die Deutsche Umwelthilfe ihren Kampf aus. Im Juli hatte die DUH bereits in 31 Städten und Gemeinden ein Feuerwerks-Verbot gefordert. Nun kommen weitere 67 Städte und Gemeinden hinzu. Auch in NRW.

In bundesweit insgesamt 98 Städten fordert die Umwelthilfe nun ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke, teilte die Umwelthilfe mit. In NRW zieht der Verein gegen 25 Städte und Gemeinden zu Felde:

  • Aachen
  • Bielefeld
  • Bottrop
  • Datteln
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Düsseldorf
  • Essen
  • Gelsenkirchen
  • Gladbeck
  • Grevenbroich
  • Hagen
  • Titz-Jackerath
  • Jüchen
  • Köln
  • Krefeld
  • Mönchengladbach
  • Münster
  • Niederzier
  • Oberhausen
  • Solingen
  • Warstein
  • Wesel
  • Witten
  • Wuppertal

Nach den Diesel-Pkw hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun die private Silvester-Böllerei ins Visier ihrer juristischen Klagen genommen: Anders als von kommunalen Spitzenverbänden dargestellt, habe ein Rechtsgutachten der DUH ergeben, dass derartige Verbote möglich seien, berichtete die Organisation bereits im Juli.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) hat sich damals gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger zu dem Vorstoß geäußert: „Ich persönlich bin selbst zwar keine große Freundin von Feuerwerken, halte ein vollständiges Verbot aber für übertrieben." Die Feinstaubbelastung durch Feuerwerke wirke „sowohl in der räumlichen als auch zeitlichen Ausdehnung meist sehr punktuell“. Zudem könnten die Kommunen schon heute entscheiden, wo und wann Feuerwerke zugelassen würden.

Silvesterfeuerwerk verbieten? Städte im Revier sind von Feinstaub betroffen

Die Anträge der Deutschen Umwelthilfe richten sich an die Kommunen, deren Innenstädte besonders mit Feinstaub belastet sind. Im Juli waren das in NRW noch 11 Städte, darunter Dortmund, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Hagen und Oberhausen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Feinstaubbelastung von höchstens 20 µg pro Kubikmeter empfohlen. Nach geltendem EU-Recht dürfen allerdings seit 2005 Konzentrationen von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) im Tagesmittel nur an höchstens 35 Tagen im Kalenderjahr überschritten werden.

Rund 5000 Tonnen Feinstaub in wenigen Stunden

Die Umwelthilfe argumentiert, dass bundesweit an Silvester innerhalb weniger Stunden die Feuerwerksböller rund 5000 Tonnen Feinstaub freisetzen. Die Menge entspreche etwa 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge.„Viele hunderttausend Menschen mit Atemwegserkrankungen, wie beispielsweise schwerem Asthma, flüchten zum Jahreswechsel aus ihren Wohnungen oder müssen sich dort regelrecht luftdicht verbarrikadieren“, so Resch.

Rechtsgutachten der Umwelthilfe: Feuerwerks-Verbot wäre erlaubt

Weil viele Kommunen bestreiten, gegen private Feuerwerke zu Silvester Verbote verhängen zu dürfen, hat die Umwelthilfe ein Rechtsgutachten vorgelegt: Dies beweise, dass die Städte vor Ort durchaus Handlungsmöglichkeiten gegen die traditionelle Böllerei haben.

Im Januar hatte die DUH angekündigt, ein Böllerverbot in deutschen Großstädten mit hoher Feinstaubbelastung durchsetzen und dazu notfalls auch vor Gericht ziehen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir Kraft der Argumente weiterkommen.“

Feuerwerksbranche und Veranstalter lehnen Verbot ab

Auch bei Feuerwerksherstellern kommt die Ankündigung der DUH nicht gut an. Der Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie, Klaus Gotzen, sagt: „Die DUH lenkt ihr Augenmerk auf die falschen Problemfelder.“ Feinstaub aus Feuerwerken sei weniger schädlich als der im Straßenverkehr anfallende. Außerdem übertreibe die Umweltorganisation das Ausmaß des Problems. Wenn es zu Verboten kommen sollte, sorgten sich die Feuerwerks-Hersteller natürlich um ihre Einnahmen, sagte Gotzen. „Wenn solche Forderungen kommen, muss man sich da sicherlich Sorgen machen“, sagte er der dpa.

In ihrem Kampf gegen privates Silvesterfeuerwerk sieht sich die Deutsche Umwelthilfe auch durch eine Online-Meinungsumfrage über das Meinungsforschungsportal YouGov bestätigt. Demnach hätten fast 60 Prozent der Befragten sich für ein Ende "der archaischen Böllerei zu Silvester" ausgesprochen. "Nur eine Minderheit von 40 Prozent der Bundesbürger spricht sich für ein Fortbestehen der Schwarzpulver-Böllerei aus".

Auch auf dem Petitions-Portal Change.org macht die Umwelthilfe Druck für ihre Forderung. 100.000 Unterschriften seien dort jüngst gesammelt worden, die die Forderung unterstützen, private Feuerwerke zu beschränken. Die Unterschriften seien jüngst dem Deutschen Städtetag übergeben worden, teilte die Umwelthilfe mit und fordert: "Starte deine eigene Petition gegen unkontrollierte Silvesterfeuerwerke in deiner Stadt". (red/dpa)

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