Prozess

Untreue: Gericht gewährt Chef der Genossenschaft Bewährung

Einer der Angeklagten steht mit seinen Anwälten zu Prozessbeginn im Gerichtssaal.

Einer der Angeklagten steht mit seinen Anwälten zu Prozessbeginn im Gerichtssaal.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Essen  Der Wittener Professor, der seine Essener Wohnungsgenossenschaft betrogen hatte, muss nicht ins Gefängnis. Er bekam Bewährung.

Das Gefängnis bleibt dem Professor aus Witten erspart. Als Geschäftsführer hatte er seine Essener Wohnungsgenossenschaft um mehrere hunderttausend Euro betrogen. Wegen Untreue in 41 Fällen verurteilte ihn das Landgericht Essen deshalb am Mittwoch zu zwei Jahren Haft, die es allerdings zur Bewährung aussetzte. Als Auflage muss der 71-Jährige eine Geldbuße in Höhe von 75.000 Euro bezahlen.

Das für ihn günstige Ende hatte sich bereits am vergangenen Mittwoch abgezeichnet, als Richter Simon Assenmacher, Vorsitzender der XII. Strafkammer, das Ergebnis einer "Verständigung" zwischen den Prozessbeteiligten vorlas. Im Gegenzug zu einem Geständnis im Sinne der Anklage sollte der mehrfache Doktor ehrenhalber nicht ins Gefängnis müssen.

Private Rechnungen bezahlte die Genossenschaft

Das Geständnis kam denn auch, allerdings anfangs ein wenig verniedlichend. Laut Anklage hatte der Gründungsrektor einer privaten Hochschule in seiner Zeit als Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft das Unternehmen um rund 300.000 Euro erleichtert. Dafür reichte er seiner Buchhaltung Rechnungen ein, die er eigentlich hätte privat begleichen müssen. Da ging es zum Beispiel um eigene Bauvorhaben, etwa sein Haus in Witten.

Damit endet die Karriere des Hochschullehrers unrühmlich. Nichts mehr von den langen Lobreden bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand vor sechs Jahren. Auch wenn der Professor die Genossenschaft erfolgreich geführt hatte, fielen seinem Nachfolger die Unregelmäßigkeiten auf.

Zivilrechtlich weit höherer Schaden

Eingehend wurde intern ermittelt, welche Rechnungen er unberechtigt vom Unternehmen hatte begleichen lassen. Schließlich stand sogar ein Schaden von rund 800.000 Euro fest. Zu dessen Rückzahlung hat er sich inzwischen gerichtlich verpflichtet, einiges ist auch schon geflossen. Dass das Gericht jetzt einen kleineren finanziellen Schaden festgestellt hat, liegt an den kurzen strafrechtlichen Verjährungsfristen.

In seinem Geständnis vor dem Strafgericht hatte der Angeklagte zunächst kein Unrechtsbewusstsein gezeigt. Erst später erklärte er, er habe die veruntreuten Gelder als Ausgleich gesehen: "Ich dachte, ich mache so viel, eigentlich steht mir mehr zu."

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