Warnstreik

Verdi-Warnstreik: Viele Awo-Kitas bleiben heute geschlossen

Schon 2015 streikten Erzieherinnen, wie hier in Duisburg.

Schon 2015 streikten Erzieherinnen, wie hier in Duisburg.

Foto: Holger Hollemann

Düsseldorf.   Im Tarifstreit mit der Awo ruft Verdi zu einem ganztägigen Warnstreik auf. Die Gewerkschaft rechnet mit 1000 Teilnehmern und geschlossenen Kitas.

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In Kindergärten, Seniorenzentren und anderen Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in NRW hat Verdi zu einem ganztägigen Warnstreik an diesem Dienstag aufgerufen. Die Gewerkschaft geht landesweit von etwa 1000 Teilnehmern aus. „Mit Kita-Schließungen muss man im ganzen Land rechnen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Wolfgang Cremer am Montag in Düsseldorf.

Davon sind auch Kindertagesstätten im Ruhrgebiet, am Niederrhein und in Südwestfalen betroffen. Ein Überblick.

Im Ruhrgebiet bleiben viele Kitas geschlossen

In Bochum und Herne werden laut Verdi-Gewerkschaftssekretärin Agnes Westerheide 25 der insgesamt 29 Awo-Kitas schließen. In den übrigen vier gebe es eine Notbetreuung. Auch Mitarbeiter in den von der Awo betriebenen Einrichtungen des Offenen Ganztags in der Region würden sich beteiligen. Ob deshalb ein Ganztag schließen müsse, sei aber offen. Die Eltern seien informiert, erklärte die Gewerkschaft.

In Velbert werden drei von sechs Kitas bestreikt: die Kita Morgen-Land, Villa Regenbogen und Casa Fantasia – allerdings sind in allen Einrichtungen Notgruppen eingerichtet.

Trotz Streiks werden in Gelsenkirchen alle Betreuungsangebote weiterlaufen. „Es wird Dienstag kein Kind vor verschlossenen Türen stehen. Die Betreuung an allen Einrichtungen ist gewährleistet“, verspricht Awo-Geschäftsführerin Gudrun Wischnewski. In der Stadt werden 1057 Kinder von der Awo an Schulen außerhalb der Unterrichtszeiten betreut.

Anders sieht es dagegen in Witten aus. Dort sind acht Kitas vom Streik betroffen: sechs bleiben komplett geschlossen, in zwei Einrichtungen gibt es Notgruppen.

Die Einrichtungen der Awo in Heiligenhaus bleiben trotz des Verdi-Streiks geöffnet. „Wir haben im Team entschieden, dass wir nicht am Streik teilnehmen, damit die Eltern keine Not haben“, sagt Elisabeth Milich, Leiterin der Kita am Siepen. Die Kita in der Heide wird ebenfalls nicht betroffen sein.

Keine Auswirkungen in Kleve befürchtet

Im Kreis Kleve rechnet der Awo-Kreisverband nicht mit spürbaren Auswirkungen des Warnstreiks. „Bislang liegen mir keine Meldungen über streikende Mitarbeiter in Kitas und unseren weiteren Einrichtungen vor“, sagte Marion Kurth, Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbands Kleve.

Im Ennepe-Ruhr-Kreis beteiligen sich rund 180 Awo-Mitarbeiter an den Streiks. Neben zahlreichen Kitas im Kreis bleibt die Behindertenwerkstatt Elektrotechnik in Sprockhövel geschlossen.

Beteiligung im Kreis Wittgenstein verschieden

Im Kreis Wittgenstein ist die Beteiligung unterschiedlich: Während im Raum Erndtebrück und dem Oberen Lahntal Kindertagesstätten geschlossen bleiben, wird keine der zehn Awo-Kitas in Bad Berleburg ganz schließen.

In Wetter wird die Awo-Kita am Brasberg in Wengern bestreikt, die Kita am Schmandbruch beteiligt sich nicht am Streik. Auch hier wurden Notgruppen eingerichtet.

Insgesamt 13 Kitas werden im Siegerland geschlossen bleiben. Dort gibt es insgesamt 60 Einrichtungen in Trägerschaft der Awo. Alle betroffenen Eltern wurden im Vorfeld der Schließung unterrichtet. Außerdem greifen Notfallvereinbarungen mit anderen Kita-Einrichtungen.

Awo betreibt rund 3000 Einrichtungen

Die Awo NRW beschäftigt nach eigenen Angaben landesweit 65.000 Menschen in rund 3000 Einrichtungen, darunter 729 Kitas, 132 Seniorenzentren und 490 Offene Ganztagsbetreuungen. Mit dem eintägigen Warnstreik will die Gewerkschaft im schwelenden Tarifstreit den Forderungen Nachdruck verleihen.

Streikteilnehmer sollen zu einer Verdi-Kundgebung nach Düsseldorf fahren. Hier ist an dem Tag die zweite Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern geplant.

Verdi fordert zehn Prozent mehr Lohn

In dem Tarifstreit will Verdi eine Angleichung der Löhne an das Lohnniveau im öffentlichen Dienst erreichen und fordert daher zehn Prozent mehr Lohn. Die Laufzeit soll 13 Monate betragen.

Die Arbeitgeber haben in der ersten Runde insgesamt sieben Prozent bei einer Laufzeit von 30 Monaten angeboten. In einem Brief an die Mitarbeiter bezeichnete die Geschäftsführung den angekündigten Warnstreik als „nicht verhältnismäßig“.

Zum Warnstreik aufgerufen sind die Verdi-Mitglieder in allen Awo-Einrichtungen. Neben Kitas und der Betreuung in Offenen Ganztagsschulen soll auch in Altenpflege-Einrichtungen, Sozialstationen, Beratungsstellen, ambulanten Pflegediensten, Verwaltungen und technischen Diensten gestreikt werden. Im Bereich der Pflege soll es bei Bedarf Notdienstregelungen geben. (dpa/red)

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