Explodierende Zahlen

VRR-Raum: Land zählt immer mehr Übergriffe auf Zugbegleiter

Der Anstieg der Zahlen bei den Übergriffen gegen Bahnmitarbeiter hat dramatische Züge angenommen.

Der Anstieg der Zahlen bei den Übergriffen gegen Bahnmitarbeiter hat dramatische Züge angenommen.

Foto: dpa (Archiv)

Essen/Hagen.  Ein enormer Zuwachs bei Beleidigungen, eine explodierende Zahl von Bedrohungen: Im VRR sehen sich Zugbegleiter immer mehr Übergriffen ausgesetzt.

Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) gibt es immer mehr Übergriffe auf Zugbegleiter. Vor allem bei Delikten wie Beleidigung, Beschimpfung und Bedrohung sind die Zahlen in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Das geht aus einer Antwort von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) auf eine kleine Anfrage der AfD-Landtagsabgeordneten Abgeordneten Nic Peter Vogel und Sven W. Tritschler hervor.

Demnach gibt es im Gegensatz zum Rheinland und zum Raum Westfalen-Lippe im VRR eine „Ereignisdatenbank“, in die Bahnmitarbeiter mögliche Straftaten, Ordnungswidrigkeiten und sonstige Verstöße eintragen. Deren Anstieg hat dramatische Züge: Gab es 2013 noch 692 Fälle von Beleidigung bzw. Beschimpfung, waren es 2018 schon 3287. Noch stärker ist der Zuwachs bei Bedrohungen, von 33 im Jahr 2013 auf 383 im Jahr 2018. Die Fälle von Körperverletzungen haben sich auf 33 im Jahr 2018 im Vergleich zu 2013 fast verdreifacht. Eine Information stellt die Landesregierung der Statistik noch voran: „Die beim VRR dokumentierten Ereignisse erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.“

„Stark überproportionale Entwicklung“

Wüst weist in seiner Antwort darauf hin, dass angesichts der steigenden Zahl der Meldungen über Übergriffe berücksichtigt werden müsste, dass im Vergleich zu den Vorjahren auch insgesamt mehr Zugbegleiter eingesetzt würden: „Dies erklärt jedoch nicht die stark überproportionale Entwicklung der Zahl der gemeldeten Beleidigungen und Bedrohungen.“

Die Datenbank erfasst allein die Menge der Übergriffe. Nach eigenen Angaben hat die Landesregierung keine Informationen über den auch von der AfD abgefragten Aufenthaltsstatus und die Staatsangehörigkeit der Täter. Zudem kann das Land nicht sagen, wie viele Zugbegleiter in den vergangenen fünf Jahren durch einen Übergriff zumindest zeitweise dienstunfähig waren, was die Abgeordneten ebenfalls wissen wollten.

„Landesweite Sicherheitsdatenbank im Aufbau“

Auf die steigenden Zahlen versucht das Land nun zu reagieren, wie es in der Antwort heißt: „Die Landesregierung unterstützt die Verkehrsunternehmen bei der Planung und Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen.“ Im Nahverkehr Westfalen-Lippe laufe ein Pilotprojekt mit speziellen Sicherheitsteams aus weiteren Zugbegleitern. Im VRR gebe es bereits „sogenannte Verfügungsteams“. Im Rheinland werde der Einsatz von Bodycams getestet. „Zudem befindet sich derzeit eine landesweite Sicherheitsdatenbank im Aufbau, die die regionale Datenbank des VRR ablösen soll.“

Ausgangspunkt der Kleinen Anfrage der AfD war eine Berichterstattung der Westfalenpost. Die hatte mit Verweis auf Informationen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft berichtet, dass Zahl der leichten und schweren Körperverletzungen gegen Bahn-Mitarbeiter von 2012 bis 2017 um mehr als 160 Prozent gestiegen sei: „Und Nordrhein-Westfalen nimmt in dieser Statistik einen traurigen Spitzenplatz ein.“ Die AfD vermutete bei der Erfassung der Fälle eine „hohe Dunkelziffer“. (red)

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