Spieletage

Welche Trends auf der Spielemesse 2016 zu finden sind

Max und Jonas spielen mit Mutter Nicole „Leo muss zum Frisör“.

Foto: Fabian Strauch

Max und Jonas spielen mit Mutter Nicole „Leo muss zum Frisör“. Foto: Fabian Strauch

Essen.   Auf der „Spiel“ wird mehr kooperiert, weniger geschummelt und mehr gerätselt. Und das Konzentrationsvermögen der Kinder nimmt fantastische Züge an.

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Bis zum Kreuz Breitscheid und bis Mülheim-Heißen stehen die Spieler, so viele wollen zur Messe Essen. Und entsprechend staut es sich auf den Korridoren der „Internationalen Spieletage“: Nerds mit Rollkoffern voll Beute, Asiaten, Amerikaner und mindestens ein Aserbaidschaner, Freundeskreise, Nachbarskinder, viele Kapuzenpullis, einzelne Lederhüte ... Sie alle wollen wissen, was hier gespielt wird.

Der letzte Schrei

Es gibt kein Entkommen vor den „Escape Rooms“, an jeder Ecke steht so eine Box. Wie der Trend des Jahres funktioniert, erklärt Tobias Reese (29) aus Gescher: „Wir waren Polizeikadetten, sollten einen Keller durchsuchen und wurden eingeschlossen. Dann kamen die Roboterratten.“ Natürlich ist das nur ein Szenario, dass ein Spieler vorliest. Die Gruppe muss dann gemeinsam Rätsel lösen, um sich zu „befreien“. Krankenpfleger Tobias: „Wir sind leider gestorben.“

Auch unter künstlichem Zeitdruck setzt sofort die Gruppendynamik ein, definieren sich Typen: Der Anführer, der stille Beobachter, die Engagierte mit den nervösen Übersprunghandlungen ... „Escape Rooms“ gibt es sonst als professionell organisierte Spielabende – die Adaption als Brettspiel, findet Sascha (25) aus Bottrop, „ist eine günstige Alternative“. 45 Euro kostet ein Spiel des Verlags Noris, das aus vier Episoden zu je einer Stunde besteht. Die Geschichten lassen sich allerdings nur einmal spielen. „Ich vergleiche es mit einem Kinobesuch“, sagt Tobias. Und das Kopfkino hat auch seine Möglichkeiten. „Zuhause“, sagt Sascha, „kann man sich ja eine Bestrafung ausdenken, die ein Scheitern realistischer macht.“

Preise sind nicht alles

„Puh, sind das viele Möglichkeiten.“ Seit über einer Stunde lässt sich Dirk Pruß mit seinem Sohn Frederic (12) und Freund Sebastian die Regeln von „Mombasa“ erklären. Gewinner des Deutschen Spielepreises, sehr komplex und hoch gelobt. „Ich versteh noch nicht alles“, sagt Sebastian Dinspel (11), „aber langsam komme ich rein.“ Und die Düsseldorfer wollen noch vier, fünf andere Spiele ausprobieren. Die Konzentrationsfähigkeit von Kindern nimmt auf der „Spiel“ fantastische Züge an.

Sebastian, Frederic und Vater Dirk sitzen also vor einer Karte Afrikas mit einer Unmenge Kärtchen und Plastikdiamanten. Sie sollen als Handelsgesellschaft möglichst viele davon zusammenraffen ... Spielt man so nicht koloniale Ausbeutung? Das sei ja nur das historische Setting, findet Dirk Pruß. „Es könnte überall spielen. Auch in Bad Hersfeld.“ Doch zum exotischen Klischee passt eben auch das Titelbild: Die Hand eines weißen Buchhalters, dahinter schemenhaft schwarze Gestalten, die Lasten schleppen.

Wenn Afrika, dann vielleicht lieber so wie bei „Leo muss zum Frisör“, das den Deutschen Kinderspielepreis bekommen hat. Max und Freund Jonas, sechs und sieben Jahre alt, aus Herne und aus Oer, müssen den Löwen Leo zum Affenfrisör lotsen. „Das Schöne ist, sie spielen gemeinsam, nicht gegeneinander“, sagt Nicole Kaminski. Kooperation als Spielprinzip – auch das ein Übertrend.

Aufgemotzte Klassiker

Ökonomisch macht es Sinn, das Rad neu zu erfinden – also Spieleklassiker zu variieren oder aufzumotzen: „Risiko Europa“ – ungewollt aktuell. „Das verrückte Labyrinth“ – jetzt auch fluoreszierend. Und „Monopoly Banking Ultra“ – mit bargeldlosem Zahlungsverkehr. Tania Rusky aus Hattingen und Sohn Tobias (12) ziehen ihre Chipkarten über den Zählautomaten. „Für die Kinder hat es den Reiz, eine Art EC-Karte zu benutzen wie die Eltern. Außerdem schummeln die Kleinen sonst mal gerne.“ Aber findet Tobias das Ende der Schummelei gut? „Nein.“

Wenigstens bei „Das Schwarze Auge“ hat sich nichts geändert. Das Erzählrollenspiel funktioniert jetzt auch mit Karten, aber weiterhin schlüpft man in Charaktere wie „Layariel Wipfelglanz“ oder „Arbosch, Sohn des Angrax“. Von Beruf Zwergenschmied, was sonst? Für die Kampfszenen gibt’s die passenden Würfel bei Chessex: Mit 20, 14 oder auch nur drei Seiten. Wie sieht der denn aus? „Wie ein Zäpfchen“, sagt Jan und hält einen abgerundeten Zylinder empor, an drei Längsseiten abgeplattet. Braucht man nicht, verkauft sich selten, aber ein wunderbares Spielzeug.

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