Mitgefühl leben

Robin Gut will Helden des Alltags auszeichnen

Freddy Fischer übergibt im Essener Stadtteil Rüttenscheid die „Robin Gut“-Auszeichnung an Heike Schröder. Eine Geste des Dankes, weil Heike Schröder einem Obdachlosen ein Frühstück gekauft hat - was sie übrigens oft tut.

Foto: Dana Schmies

Freddy Fischer übergibt im Essener Stadtteil Rüttenscheid die „Robin Gut“-Auszeichnung an Heike Schröder. Eine Geste des Dankes, weil Heike Schröder einem Obdachlosen ein Frühstück gekauft hat - was sie übrigens oft tut. Foto: Dana Schmies

An Rhein und Ruhr.   Freddy Fischer und Reinhard Wiesemann haben „Robin Gut“ erfunden. Mit dieser Initiative wollen sie Menschen danken, die Mitgefühl zeigen.

„Ich habe Hunger“ steht in krakeligen Druckbuchstaben auf dem Schild, das der Mann in der Hand hält. Er hockt neben einem Ladeneingang auf der Haupteinkaufsstraße im Essener Stadtteil Rüttenscheid. Viele gehen vorbei, die meisten gucken noch nicht einmal. Und doch gibt es immer wieder Menschen, die sich kümmern, die nicht nur ein paar Cent in den aufgestellten Pappbecher werfen, sondern sich aufgerufen fühlen, etwas zu tun. Sich einzubringen. Zu helfen, zumindest für den Moment.

Heike Schröder ist so ein Mensch. Sie hat den jungen Mann angesprochen, ihn nach seinen Wünschen gefragt und hat sich in die Schlange in der Bäckerei gestellt. So was macht sie öfter. „Weil ich finde, dass in einem reichen Land wie unserem niemand Hunger haben muss. Deswegen kaufe ich ihm etwas zu essen. Ist doch eigentlich nichts Besonderes“, sagt sie und reicht ihm eine Tüte mit zwei üppig belegten Brötchen und dazu eine Flasche Mineralwasser.

Hilfsbereitschaft belohnen

Doch. Das ist etwas Besonderes, findet Freddy Fischer. Der Moerser ist Unternehmer und hat seit zehn Jahren eine Stiftung, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt. Doch das neueste Projekt hat die Zielgruppe: alle. Alle, die sich im Alltag für andere einsetzen. Die hilfsbereit sind. Die Mitgefühl zeigen. Es sind die kleinen Gesten des Miteinanders, die hier zählen.

Und deswegen überreicht Freddy Fischer nun Frau Schröder ein kleines Papierröllchen mit einem grünen Zettel und einem Fünf-Euro-Schein als Dankeschön. Das Zettelchen erläutert die Aktion, die fünf Euro sind als Anerkennung zu verstehen.

„Robin Gut“ heißt die Aktion, klanglich locker angelehnt an Robin Hood, der den Reichen nahm, um den Armen zu geben. Hier nimmt aber keiner, hier geht es ausschließlich ums Geben. Entstanden ist die Idee dazu bei einem Stifterworkshop, weiterentwickelt hat Fischer sie zusammen mit Reinhard Wiesemann, Gründer des Essener Unperfekthauses und ebenfalls seit Jahren gesellschaftlich und sozial engagiert.

Heike Schröder, Inhaberin einer Marketingagentur, hat schon aus der Zeitung von dem Projekt gehört, sie kennt sogar Freddy Fischer, reiner Zufall, dass man sich hier trifft. „Ob ich die Idee mit dem Geld gut finde, weiß ich noch nicht so richtig. Eigentlich möchte ich ja nicht von meiner guten Tat profitieren“ sagt sie.

Geld als Anerkennung für etwas, das sie eigentlich für selbstverständlich hält? Aber sie muss es ja nicht behalten, sie kann es weitergeben, an jemand anderen, dessen Einsatz sie anerkennenswert findet oder an einen Bedürftigen. Was sie auch tut: Sie schenkt es sofort dem jungen Bettler. Der freut sich natürlich.

Das Projekt ist derzeit noch in der Erprobungsphase. Die beiden Ideengeber haben sich schon selbst auf den Weg gemacht, um Menschen für Alltagsgesten zu belohnen. Einen Mann, der sich ehrenamtlich und ganz nebenbei um einen öffentlichen Bücherschrank kümmert, haben sie schon mit dem „Robin Gut“-Geschenk ausgezeichnet, aber auch eine junge Frau, die einer älteren Dame beim Aufheben ihrer heruntergefallenen Sachen half. Um so etwas geht es.

Manchmal muss man länger auf Gesten der Hilfsbereitschaft warten, so wie an diesem Vormittag in Essen. „Aber es schärft den Blick für die kleinen Dinge des Lebens und für die Menschen. Man achtet mehr aufeinander,“ sagt Fischer. Und das ist es, was zählt. So etwas mache unsere Gesellschaft aus, glaubt er. Es geht, kurz gesagt, um Wertschätzung. So einfach. Und so wenig selbstverständlich. Deshalb haben Fischer und Wiesemann „Robin Gut“ kreiert. Doch sie wollen natürlich nicht alleine bleiben. Das „Robin Gut“-Dankeschön soll in die Welt hinausgetragen werden, jeder kann sich die kleine Urkunde von der Homepage herunterladen. Auch Essener Stadtteilpolizisten haben die Initiatoren schon als Botschafter gewonnen und mit „Robin Gut“-Sets ausgestattet, wenn ihnen bei ihren Touren durchs Quartier Alltagshelden auffallen.

Selber Botschafterin werden

Heike Schröder hat sich die Idee der Aktion und den Sinn der Geldbelohnung erläutern lassen. Ihre Skepsis ist gewichen. „Hat mich überzeugt“, sagt sie. „Ich mach mit.“ Künftig will sie immer ein paar Dankeschön-Urkunden dabei haben, die fünf Euro stiftet sie dann selbst dazu. Freddy Fischer ist begeistert. „Wenn sich das so weitertragen würde, hätten wir ganz viel erreicht.“

Ein guter Tag für „Robin Gut“.

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