Landwirtschaft

Rübenbauern protestieren im ganzen Rheinland

Im vergangenen Jahr haben die Rüben stark unter der Trockenheit gelitten.

Im vergangenen Jahr haben die Rüben stark unter der Trockenheit gelitten.

Foto: Reiner Worm

Am Niederrhein.   Landwirte klagen, das Beihilfen in anderen EU-Ländern den Wettbewerb verzerren. Verbandschef Conzen nennt die Lage „dramatisch“.

Rüben und Rheinland, diese Verbindung hat Tradition. Seit 150 Jahren werden die Zuckerpflanzen in der Region angebaut. Doch die rund 4000 Rübenbauern zwischen den Kreisen Kleve, Borken und Coesfeld im Norden sowie dem rheinland-pfälzischen Mayen im Süden durchleben schwere Zeiten. Die Preise sind im Keller, die vergangene Ernte war schlecht und der Wettbewerb auf dem europäischen Markt ist ungleich.

In gelben und grünen Westen haben Rübenbauern vergangene Woche im Raum Aachen protestiert. In den nächsten 14 Tagen folgen weitere Aktionen unter anderem im Heinsberger Land, im Raum Euskirchen und am Niederrhein - etwa in der Zuckerfabrik Appeldorn, in der Niederrheinhalle Wesel oder im Klever Südkreis. „Wir fordern Fairplay in der EU“, sagt Bernhard Conzen, Vorsitzender des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes, im Gespräch mit der Redaktion.

Pro Hektar bis zu 600 Euro Beihilfe

Was die Landwirte ärgert: Angesichts niedriger Marktpreise zahlen EU-Länder wie Polen oder Rumänien ihren Rübenbauern Beihilfen, die 400 oder bis zu 600 Euro pro Hektar ausmachen können. In Deutschland gibt es solche gekoppelten Zahlungen nicht. Auch bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln gibt es große Unterschiede.

12 von 19 Staaten erlauben per Notfallverordnung wieder die in der EU eigentlich aus Bienenschutzgründen verbotenen Neonicotinoide. In Deutschland ist das nicht der Fall. Da müssen die Landwirte, wie Conzen berichtet, stattdessen mindestens dreimal mit einem Insektizid übers Feld - „da sind wir dann auch schnell bei Zusatzkosten von etwa 100 Euro pro Hektar“.

Preise binnen zwei Jahren um 40% gefallen

Aus Sicht der rheinischen Bauern sind solche Wettbewerbsnachteile existenzgefährdend. Im Jahr zwei nach Auslaufen der Zuckermarkt-Regulierung in der EU ist die Lage laut Conzen, der auch Vorsitzender der Rübenbauern auf deutscher und europäischer Ebene ist, „dramatisch“.

Pro Tonne Rüben erhalten heimische Landwirte derzeit - inklusive Nebenzahlungen - rund 21 Euro, unterm Strich fast 40% weniger als noch vor zwei Jahren. Hinzukommt, dass Rüben sehr unter dem Trockensommer 2018 gelitten haben. Mit im Schnitt 63 Tonnen pro Hektar blieb die Ernte im Rheinland deutlich unter der allerdings auch sehr guten des Vorjahres. Die Ausbeute war örtlich allerdings sehr unterschiedlich. „In einigen Regionen hatten wir bis zu 80% Einbuße“, berichtet Verbandschef Conzen.

Keine Erholung der Preise in Sicht

Viele Landwirte seien nicht auf ihre Kosten gekommen. Saatgut ist teuer, Arbeitsaufwand und Maschinen kosten Geld, der Transport der geernteten Rüben zur Zuckerfabrik ist aufwendig: Pro Hektar und Saison gehen Landwirte in der Regel von Ausgaben in Höhe von 1500 Euro aus. „Viele Bauern haben in der vergangenen Saison drauf gezahlt. Ein zweites Minus-Jahr wollen sie nicht hinnehmen“, sagt Conzen.

Eine Erholung der Preise zeichnet sich nicht ab. Nach wie vor sind große Mengen Zucker auf dem Markt - und das nicht zuletzt deshalb, weil in den EU-Ländern mit gekoppelten Zahlungen weiter kräftig produziert wird. Hierzulande werden die neuen Verträge zwischen Zuckerindustrie und Landwirten in Mai und Juni verhandelt.

Strukturwandel in der Landwirtschaft

Verbandschef Conzen befürchtet, dass der Zuckerrübenanbau im Rheinland dann um bis zu 35% reduziert wird und sich Bauern auf schwächeren Standorten dann auch ganz aus dem Anbau zurückziehen. Aus Sicht von Conzen wäre das eine traurige Entwicklung: „Rüben haben lange gutes Geld gebracht und konnten so den Strukturwandel in der heimischen Landwirtschaft bremsen.“

>>> HINTERGRUND

Die gesunkenen Preise schlagen auch bis zu den Verbrauchern durch. Das Kilo Haushaltszucker war im Einzelhandel laut Conzen zuletzt teilweise für 45 oder 46 Cent angeboten worden. „Vor zwei Jahren waren das noch 85 Cent“, sagt der Verbandschef.

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