Coronavirus

Coronavirus - Arzt: „Deutschland ist nicht gut vorbereitet“

Hausarzt Udo Pappert aus Holzwickede kritisiert: Deutschland ist nicht vorbereitet auf das Coronavirus.

Hausarzt Udo Pappert aus Holzwickede kritisiert: Deutschland ist nicht vorbereitet auf das Coronavirus.

Foto: Screenshot / Facebook

Hagen.  Hausarzt Udo Pappert wundert sich, dass es bereits zu Lieferengpässen bei Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken kommt.

Udo Pappert ist seit 26 Jahren niedergelassener Arzt in Holzwickede im Kreis Unna. Auf seiner Internetseite wünscht der Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin seinen Patienten „ein paar schöne und gesunde Frühlingsmonate“ – in unruhigen Coranavirus-Zeiten wichtiger denn je.

Um die Gesundheit seines Praxisteams und seiner eigenen macht sich der 58 Jahre alte Arzt akute Sorgen, denn er musste soeben einen Lieferengpass bei „normalem Verbrauchsmaterial für Arztpraxen wie Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken“ erleben. Seine Verwunderung darüber hat er in einem Video festgehalten, das sich bei Facebook in diesen Tagen wie das berühmte Lauffeuer verbreitet. Er sagt: „Entgegen der Aussagen verantwortlicher Gesundheitspolitiker ist Deutschland nicht gut vorbereitet auf das Coronavirus.“

1,28 Minuten langes Video

Udo Pappert ist keiner, der sich ständig öffentlich mit Kritik am Gesundheitssystem zu Wort meldet. Auf dem 1.28 Minuten langen Video ist der „niedergelassene Arzt aus dem Raum Dortmund“ (O-Ton) zwar mit ruhiger Stimme zu hören, man merkt ihm aber an, dass es in ihm brodelt. Seine Praxismitarbeiterinnen, so erzählt er unserer Zeitung, hätten am Mittwoch bei acht Großlieferanten Bestellungen versucht – „noch bevor der Gesundheitsminister erstmals das Wort ,Epidemie’ im Zusammenhang mit dem Coronavirus in den Mund genommen hat“.

Die Angesprochenen mussten passen – die Vorräte seien aufgebraucht. „Ich habe anschließend zweieinhalb Stunden vergeblich versucht, bei Bundes- und Kommunalbehörden kompetente Ansprechpartner zu finden, die mir sagen können, wie wir an Nachschub kommen“, schildert Pappert. Dann hat er sich vor die Kamera gesetzt und das entstandene Video per WhatsApp an 20 Freunde und Bekannte verschickt. Ohne sein Wissen sei es bei Facebook gelandet. „Damit ist eine Lawine losgetreten worden. Diese Öffentlichkeit wollte ich nicht.“

Es geht ihm nicht um Panikmache

Vielleicht erweist er der Öffentlichkeit mit jenem Video sogar einen Dienst. Vielleicht ist ja doch nicht alles Gold, was hierzulande bei den Vorbereitungen auf eine drohende Epidemie glänzt. „Es ist kein Hilferuf“, sagt Pappert, „es geht mir auch nicht um Panikmache.“ Er wundert sich eben nur über die Wir-sind-gut-vorbereitet-Reden. Im Januar sei das Coronavirus in China ausgebrochen. „Es gab hierzulande also Vorlaufzeit. Aber offenbar sind nicht entsprechende Vorbereitungen getroffen worden, so dass ausreichend Verbrauchsmaterial für Praxen zur Verfügung steht.“

Udo Pappert steht mit anderen Ärzten in Kontakt. Alle bestätigten, dass der Markt für Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken wie leer gefegt sei. Und dass die Preise für Verbrauchsmaterial exorbitant gestiegen seien. „Für 50 Atemschutzmasken“, so der Hausarzt aus Holzwickede, haben wir bislang 7 Euro bezahlt. Nach der Facebook-Veröffentlichung haben wir doch noch über drei Firmen Material bekommen. Zehn Masken kosteten 12 Euro – im Internet werden aber auch schon zehn Masken für 100 Euro angeboten.“

Praxisschließung als letzte Möglichkeit

Am Ende seines Videos wird Udo Papperts Gesicht noch ein Stück ernster. Es geht um mögliche Konsequenzen. „Sollte der Nachschub mit Schutzmaterial irgendwann versiegt sein“, sagt er unserer Zeitung, „müsste ich zum Schutz meiner Mitarbeiterinnen und zu meinem Schutz die Praxis schließen.“

Dass Praxen wegen eines Mangels an Schutzmaterialien schließen, hält Anke Richter-Scheer, 1. Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, für „ausgeschlossen und auch nicht für vertretbar“. In eine Praxis, so sagt sie, kämen täglich Menschen mit möglichen ansteckenden Infektionen, „so dass jede Praxis eigentlich entsprechende Hygienematerialien vorrätig hat“. Zudem sollte man Schutzmaterialien nur bei hochgradigem Verdacht tragen und nicht bei jedem Infekt, der jetzt in der Praxis zu behandeln sei.

Aktuell liegen Anke Richter-Scheer, Hausärztin in Bad Oeynhausen, noch keine Informationen zu Lieferengpässen vor. Aber: „Wenn natürlich weit über das Normale hinaus Bestellungen laufen, will ich nicht ausschließen, dass es hier und da knapp werden könnte.“

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