Landwirtschaft

Wieso Schäfer kreativ sein müssen, um im Geschäft zu bleiben

Schäfer in Letmathe

Ein Besuch bei Schäfer-Ehepaar Büttner-Golz in Iserlohn-Letmathe. Ein Video von Katrin Figge.

Ein Besuch bei Schäfer-Ehepaar Büttner-Golz in Iserlohn-Letmathe. Ein Video von Katrin Figge.

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Iserlohn.   An ihrer Arbeit haben Christine Büttner und Thomas Golz noch viel Spaß, aber die finanziellen Bedingungen machen es Wanderschäfern heute schwer.

Oh, was sind sie niedlich, diese kleinen Lämmer mit den langen, dünnen Beinen, wie sie noch etwas unbeholfen springen, wie sie die Nähe ihrer Kindskollegen suchen. Und die müssen in Kürze sterben für unseren Osterbraten? Nein, müssen sie nicht. „Die Lämmer, die wir schlachten, sind ein halbes bis ein dreiviertel Jahr alt“, sagt Thomas Golz. Und Christine Büttner ergänzt: „Die Kleinen, die Sie sehen, sind gerade vier Wochen alt.“ Sie dürfen also noch fünf bis acht Monate mit den beiden Wanderschäfern durch die Region zwischen Hagen und Soest ziehen.

Ein gefährdetes Gewerbe

Aber wie lange ziehen die Schäfer selbst noch über Land? Ist ihr Beruf gefährdet? Bei oberflächlicher Betrachtung der Statistik sieht es nicht so aus: Zwischen November 2016 und November 2017 ist in NRW sowohl die Zahl der Schafe (von 133 500 auf 138 900) gestiegen, als auch die Zahl der Schafhalter (von 1120 auf 1160). Aber die Zahlen täuschen, meint Thomas Golz: „Es gibt immer weniger Vollerwerbsbetriebe und immer mehr Hobbyschäfer, denen die Tiere nur ihr Grundstück sauberhalten.“

Die Finanzen

„Die Kollegen in Baden-Württemberg haben den Stundenlohn eines Schäfers berechnet“, sagt Golz: „4,75 Euro.“ Deutlich unter dem Mindestlohn. Rochus Rupp, Berater beim Schafzuchtverband NRW in Lippstadt, wiegelt ab: „Schafhaltung ist keine finanzielle Katastrophe, sonst würde es ja keiner machen.“ Er gibt aber zu: „Der Fleischverkauf alleine reicht nicht aus, um den Beruf wirtschaftlich zu betreiben.“ „Man muss kreativ sein“, sagt Golz. Seit drei Jahren betreibt er mit seiner Kollegin und Ehefrau deshalb einen Hofladen und zusammen mit fünf anderen Schäfereien einen Online-Shop.

Die Landschaftspflege

Einen Teil ihres Einkommens beziehen die Schäfer aus dem Natur- und Landschaftsschutz. „Wir pflegen Naturschutzgebiete und erhalten die Kulturlandschaft“, betont Golz, nennt die Stichworte Erosions- und Grundwasserschutz und meint: „Das ist eine Leistung für die Gesellschaft.“ Dafür wird auch bezahlt, direkt von den Kommunen pro Hektar oder über die Landwirtschaftskammer. Nur deckt das nicht die Zusatzkosten, erklärt Christine Büttner: „Die Lämmer nehmen wegen des schlechteren Futters langsamer zu, und wir haben weite Wege.“

Demo für Prämie

Zum Ausgleich ihrer Leistungen für die Gesellschaft fordern die Berufsschäfer eine Weidetierprämie von 38 Euro pro Mutterschaft und Ziege. Am Dienstag, 13. März, wollen sie deshalb vor dem Landwirtschaftsministerium in Berlin demonstrieren.

Die Berufswahl

Warum tun sich Christine Büttner und Thomas Golz bei all’ den Problemen den Job überhaupt an? „Für mich hat sich die Frage nie gestellt“, sagt Büttner. In ihrer Familie wird die Schäferei seit zwölf Generationen betrieben. „Und das Vorurteil, Frauen könnten das nicht, hat mich nur noch mehr motiviert.“ Golz war eigentlich Metzger, hielt Schafe als Hobby und ist nach der BSE-Krise umgestiegen. Später haben die beiden, der Liebe wegen, ihre Herden zusammengelegt. 450 Mutterschafte und 50 Ziegen haben sie, gut 300 Tiere stehen jetzt in Letmathe auf einer Weide, die der Bauer wegen zu vielen Steine nicht maschinell mähen kann, die trächtigen Tiere sind derzeit im Stall.

Leben mit der Natur

„Schäfer zu sein, ist mehr eine Lebenseinstellung als ein Beruf“. sagt Büttner. Sie liebt das Leben mit der Natur, die Arbeit Hunden, Schafen und Ziegen, die Zeit im Freien und unterwegs. Mitte /Ende April werden die Schäfer mit ihrer Herde in Soest sein. Genaue Termine hängt vom Wetter ab, langfristig planen können sie nicht. 10 bis 15 Kilometer schafft die Herde am Tag. „In den Städten finden die meisten Menschen das toll, wenn wir durchziehen“, sagt Büttner, „auf dem Land fühlen sich mehr Leute gestört.“

Der Wolf

Und jetzt kommt zu all den Problemen noch der Wolf. Sorgen? „Schon“, sagt Golz. „In Altena soll bereits einer gesehen worden sein. Aber wir wissen, dass der Wolf dazugehört. Wir müssen lernen, mit ihm zu leben.“ Die beiden haben Hüteschutzhunde angeschafft. Aber auch das verursacht wieder Kosten. „Für die kleinen Schafhalter wird das schwierig“, meint Golz.

Schäfer in Letmathe

Ein Besuch bei Schäfer-Ehepaar Büttner-Golz in Iserlohn-Letmathe. Ein Video von Katrin Figge.
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