Coronavirus

Solidarität in der Coronakrise: So helfen Bürger den Alten

Damit ältere Menschen nicht einkaufen gehen müssen, werden sie von Freiwilligen unterstützt.

Damit ältere Menschen nicht einkaufen gehen müssen, werden sie von Freiwilligen unterstützt.

Foto: Jan Woitas / dpa

Hagen/Menden.  Hagen und Menden gehen voran: Jetzt bilden sich Initiativen, die alten Menschen in der Coronakrise helfen wollen. So funktionieren sie.

Welche Kraft in einer Stadtgesellschaft stecken kann, das hat sich in Menden im Sauerland erst vor wenigen Wochen angesichts eines schrecklichen Unfalls gezeigt. Hunderte von Helfer hatten sich binnen kürzester Zeit gefunden, um nach der kleinen Lia zu suchen, die vermisst und leider letztlich tot gefunden wurde. „Da hat ganz Menden zusammengehalten, und das müssen wir auch jetzt in der Coronakrise wieder organisieren“, sagt der Mendener Unternehmer Olaf Jäger.

Er hat die Initiative ergriffen und will nun mit einer Reihe von Mitstreitern eine Hilfsaktion für die organisieren, die jetzt Hilfe benötigen. „Wir alle wissen, dass auch in unserem Umfeld ältere Menschen leben, die jetzt Hilfe brauchen, weil sie sich schützen müssen und nicht raus gehen können“, sagt Jäger. Aber oft sei die Hemmschwelle groß von beiden Seiten, dass man Hilfe anfrage oder anbiete. „Diese Hemmschwelle wollen wir mit unserer Aktion beseitigen, denn vielleicht weiß man zwar von dem älteren Nachbarn in seinem Haus, aber der Kontakt ist bislang doch nicht so eng gewesen.“

5000 Flyer werden in Menden verteilt

Gewählt hat man dazu eine klassische Flugblatt-Aktion. „Denn viele alte Menschen sind dann doch nicht so oft im Internet und den dortigen sozialen Netzwerken unterwegs.“ 5000 Flyer sind inzwischen gedruckt worden, zahlreiche Geschäfte in ganz Menden haben sich bereit erklärt diese auszulegen (Hier kann man sie auch herunterladen). Und ganz viele Helfer werden sie dort hinbringen. Wer immer jetzt seine Hilfe zur Verfügung stellen will und für alte oder hilfsbedürftige Menschen Einkäufe erledigen will, für sie zur Post gehen will oder auch sonst wie helfen möchte, kann nun solche Flyer in den Geschäften holen, seine Kontaktdaten dort vermerken und etwa in den Briefkasten werfen oder unter der Tür bei so einem älteren Nachbarn schieben. Und der oder die kann sich dann bei dem Helfer melden.

In Hagen startet „Lokal in Hagen – Gemeinsam gegen das Coronavirus“

Auch in Hagen wird derzeit intensiv daran gearbeitet, eine Hilfsaktion in den einzelnen Stadtteilen der 194.000-Einwohner-Großstadt zu organisieren. Chantal Gross ist dabei, eine Sozialpädagogin, die lange im Ausland tätig war und auch dort Krisen miterlebt hat, etwa die Schweinegrippe oder die Wirtschaftskrise in Griechenland, inklusive der dortigen Wirren und Unzulänglichkeit. „Ich will, dass wir es hier nun besser machen“, sagt sie.

Sie hat registriert, dass es viel Bereitschaft in der Hagener Bevölkerung gibt, zu helfen. Aber gerade in sozialen Netzwerken sei es schwer abzuschätzen, wie ernsthaft dieser Wille wirklich sei. „Das Ziel wäre, alle Stadtbezirke nach Vereinen und sonstigen Trägern zu ordnen und so einen Pool aus freiwilligen Helferinnen und Helfern zu erhalten, auf die man im Notfall zugreifen kann.“

Wie in Menden, setzt man auch hier auf klassische Flugblätter, die in der Nachbarschaft verteilt werden sollen, um auch alle Senioren zu erreichen. Für ein Stadtteil ist das schon umgesetzt, doch der Gedanke soll sich auf das ganze Stadtgebiet ausweiten. Mit dem Hagener Oberbürgermeister Erik O. Schulz soll geklärt werden, ob die Stadt eine zentrale Bürger-Hotline einrichten kann. „Nicht für Fachfragen rund um Corona, sondern um den Leuten eine Anlaufstelle zu bieten, die Hilfe benötigen oder Hilfe geben wollen“, sagt Chantal Gross.

Standards beachten

Bis dahin ist sie selbst als Ansprechpartnerin per E-Mail unter chantal-gross@kulturellepaten.de erreichbar. „Ich biete an, dass wir unser Konzept aus dem Stadtteil Boloh anderen anbieten. Denn es müssen gewisse professionelle Standards eingehalten werden, wie etwa das Festhalten der Kontaktpersonen, um bei einer Infektion die Kette zurück verfolgen zu können. Es geht auch um Datenschutzerklärungen sowie „Vollmachten. All diese Dokumente stelle ich gern und kostenfrei zur freien Verfügung.“

Mit zu Initiative gehört auch der Zahnarzt Lars-Peter Hegenberg, der auch FDP-Chef in der Stadt ist. Er hat bereits bei Facebook seine Handynummer veröffentlicht: Wer etwa Hilfe beim Einkaufen oder auch nur beim Hunde-Gassi-Gehen brauche, kann ich ihn einfach anrufen. Bei dem Aufruf ist auch das FDP-Logo zu sehen, aber als parteipolitisch Aktion möchte Hegenberg das Ganze nicht verstanden wissen: „Ich will die Kräfte bündeln, weil wir jetzt optimale Schlagkraft brauchen, fernab von politischen Interessen.“

Liebe Leserinnen und Leser, gibt es auch bei Ihnen in der Stadt Initiativen, um in der Coronakrise Menschen im direkten Umfeld zu helfen? Dann schreiben Sie uns zeitgeschehen@westfalenpost.de

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben