Gesundheit

Schülerin an Tuberkulose erkrankt - zwei Schulen im Visier

Symbolbild. Eine Schülerin im Märkischen Kreis ist an offener Tuberkulose erkrankt.

Symbolbild. Eine Schülerin im Märkischen Kreis ist an offener Tuberkulose erkrankt.

Foto: Silas Stein / dpa

Lüdenscheid/Halver.  Nach dem Ausbruch offener Tuberkulose bei einer Schülerin suchen die Behörden in zwei Schulen im Märkischen Kreis nach möglichen Infizierten.

Mehrere Dutzend Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte an zwei Schulen im Märkischen Kreis stehen nach einem Fall offener Tuberkulose jetzt unter Beobachtung der dortigen Gesundheitsbehörde. Die Behörde reagiert damit auf die Erkrankung einer 18-Jährigen, die jüngst mit Krankheitsbeschwerden bei einem Arzt vorstellig geworden ist. Eine Blutuntersuchung gab dann Gewissheit, dass bei der jungen Frau Tuberkulose ausgebrochen ist.

„Offene Tuberkulose ist ansteckend, aber nicht hoch infektiös“, erklärte eine Sprecherin des Märkischen Kreises am Dienstag auf Nachfrage. Experten des Gesundheitsamts ermitteln jetzt, wer in Kontakt mit der jungen Frau stand. Im Fokus sind dabei vor allem das Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg in Halver und die Schule an der Höh in Lüdenscheid.

Der Unterricht an den Schulen geht weiter

Inwieweit der Kreis der Personen, die vor allem in den vergangenen acht Wochen in Kontakt mit der Erkrankten standen noch zu erweitern ist, müsse noch ermittelt werden, sagte Kreissprecherin Ursula Erkens. Insgesamt wurden seit Beginn dieses Jahres neun Fälle offener Tuberkulose im Kreis gemeldet; „Die Krankheit ist meldepflichtig“, sagte Erkens.

Der Unterricht an den Schulen gehe wie gewohnt weiter. Am Montag seien Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts in den Schulen gewesen und hätten über die Krankheit und die anstehenden Untersuchungen informiert, sagte Erkens: „Laut unserem Amtsarzt seien die Informationen sehr ruhig und gefasst aufgenommen worden“, teilte Erkens mit. Fragen seien vor allem zum Krankheitsverlauf und zu den anstehenden Terminen für die medizinischen Untersuchungen gestellt worden.

Krankheitszeichen von Tuberkulose sind „diffus“

Sorgen müssten sich Betroffene derzeit nicht machen, beruhigt der Kreis. „In den meisten Fällen kommt das Immunsystem gut mit einer Infektion klar. Die Krankheit muss bei gut funktionierendem Immunsystem nicht ausbrechen, schon gar nicht sofort“, erklärte Erkens. Krankheitszeichen seien allerdings „diffus“, sagte Erkens: „Offene Tuberkulose ist eine Krankheit, die sich dahin schleppt und sich zum Beispiel an Schlappheit, Fieber oder lange anhaltendem Huster zeigen kann“.

Man könnte deshalb in Ruhe die anstehenden Laboruntersuchungen abwarten. Für Infizierte gebe es „sehr gute Heilungschancen“, erklärte Erkens: Die Therapie, mit deren Hilfe ein Krankheitsausbruch mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert werden kann, dauere allerdings mehrere Monate und müsse „sehr genau eingehalten werden“, erklärte Erkens.

Ansteckung erst bei engerem und längerem Kontakt

Im Detail versucht man im Gesundheitsamt nun alle Personen zu ermitteln, die seit März in näherem Kontakt zu der Erkrankten standen; den Zeitraum habe man für die Ermittlungen aus verschiedenen Faktoren errechnet, hieß es beim Kreis. „Im Vorbeigehen steckt man sich bei Tuberkulose nicht an“, sagte Sprecherin Ursula Erkens; das Risiko bestehe erst, wenn man mit einer infizierten Person „mehrere Stunden in einem geschlossenen Raum zusammen ist“.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) entwickeln etwa fünf bis zehn Prozent der infizierten Erwachsenen im Laufe ihres Lebens eine Tuberkulose, die ärztlich behandelt werden muss. „Bei Infizierten mit einer eingeschränkten Immunabwehr liegt das Erkrankungs­risiko jedoch deutlich höher“, teilte das RKI mit. „Die Erkrankung an Tuberkulose manifestiert sich bei etwa 80 Prozent der Erkrankten als Lungentuberkulose, sie kann aber prinzipiell jedes Organ befallen. Dementsprechend vielgestaltig kann sich diese Erkrankung präsentieren“, berichtet das RKI.

Zahl der Tuberkulose-Fälle im Märkischen Kreis ist stabil

Nach Angaben der Weltgesund­heits­organisation WHO erkranken jährlich fast neun Millionen Menschen an einer Tuberkulose und etwa 1,4 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen dieser Krankheit, oftmals aufgrund einer unzureichenden Behandlung. Auf Europa entfallen laut RKI schätzungsweise fünf Prozent aller weltweit auftretenden Tuberkulose-Neu­erkrankungen. Durchschnittlich werden in Westeuropa im Jahr 15 Erkrankungen je 100.000 Einwohner gemeldet. In Deutschland wurden im Jahr 2010 insgesamt 4330 Neuerkrankungen gemeldet, das war laut Statistik ein Anteil von 5,3 Erkrankten pro 100.000 Einwohnern.

Die Zahl der Erkrankungen im Märkischen Kreis sei in den vergangenen Jahren relativ gleichbleibend gewesen, sagte Erkens: 2016 seien 17 Erkrankungen gemeldet worden, 2017 waren es 20 und 2018 wurde offene Tuberkulose bei 18 Menschen im Kreis festgestellt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben