Bildung

Hochschulen der Region bemühen sich um Flüchtlinge

Flüchtlinge sitzen im Deutschkurs an einer Universität in Vechta.

Foto: picture alliance / dpa

Flüchtlinge sitzen im Deutschkurs an einer Universität in Vechta.

Südwestfalen.   Hochschulen der Region bemühen sich um Flüchtlinge. Es gibt große Hindernisse beim Einstieg in ein reguläres Studium. Hilfsangebote werden vielfach von Studenten getragen.

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Bildung ist der Schlüssel zur Integration, heißt es. Und weil die Hochburgen der Bildung nun einmal die Hochschulen sind, liegt die Frage nahe, was sie zur Integration der Flüchtlinge beitragen. Die Antwort: Sie wollen schon etwas tun, wissen aber nicht so genau, was sie dürfen und können. Es bewegt sich derzeit viel, wenn auch in unterschiedlichem Tempo.

Die Lage

Wie viele Flüchtlinge eine Hochschulzugangsberechtigung mitbringen, weiß niemand. Einer Umfrage des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zufolge haben 13 Prozent eine Hochschule und 17,5 Prozent ein Gymnasium besucht. Aber wo sind die Zeugnisse? Wie lange dauert es, bis die Sprachkenntnisse reichen? Wann ist der Aufenthaltsstatus geklärt? Das sind die Probleme des regulären Wegs. Die Hochschulrektorenkonferenz verspricht, rechtliche Spielräume großzügig auszuschöpfen und fordert mehr finanzielle Unterstützung für Sprachförderung.

Die Vorreiter

Einige Hochschulen preschen vorweg. Saarbrücken und Magdeburg bieten ein reguläres Studium für Flüchtlinge an. Die Kiron University, ein von Studenten gegründetes Crowdfunding-Projekt, offeriert ein Online-Studium auf Englisch. Dokumente müssen die Flüchtlinge erst nach zwei Jahren vorlegen. Dann können sie an Partneruniversitäten wechseln und einen regulären Abschluss machen.

Wuppertal

Die Bergische Universität bietet 30 Flüchtlingen die Möglichkeit, als Gasthörer an Lehrveranstaltungen teilzunehmen. „In Touch“ folgt einem Bremer Vorbild und ist von wissenschaftlichen Mitarbeitern initiiert. „Wir haben 58 Bewerber eingeladen“, berichtet Organisatorin Laura Mathiaszyk, „21 sind im Programm, neun weitere brauchen noch bessere Sprachkenntnisse.“ Alle bekommen einen studentischen „Buddy“ zur Seite gestellt, der ihnen im Alltag hilft. Die Teilnehmer stammen unter anderem aus Syrien, Afghanistan und dem Iran, interessieren sich für Bauingenieurwesen, Biologie, Chemie, Politik, Wirtschaft und Psychologie. „Eine Hand voll Frauen sind auch darunter“, freut sich die Doktorandin, die das Projekt als Einstiegshilfe begreift: „Ziel bleibt ein reguläres Studium.“

FH Südwestfalen

Gasthörer-Plätze bietet auch die Fachhochschule in Hagen, Iserlohn, Meschede und Soest an. Bis 15. November werden Anträge auch ohne Nachweis der Hochschulreife angenommen. Prorektorin Prof. Christine Kohring sieht das als „wichtiges Signal, zu helfen und offen für ein Miteinander zu sein“. Mit allzu vielen Kandidaten wird aber vorerst nicht gerechnet.

Siegen

Die Uni Siegen hat Flüchtlinge von der üblichen Gasthörer-Gebühr befreit. Das Angebot richtet sich aber weniger an die Bewohner der Notunterkünfte vor der Tür (Sporthalle und Haardter-Berg-Schule). Für die dort vorübergehend untergebrachten Flüchtlinge engagieren sich Studenten und Verwaltung seit Monaten. Die Uni hat 200 000 Euro zur Verfügung gestellt, um Stellen für studentische Hilfskräfte zu finanzieren, die Projekte wie den Kleiderladen, Deutschkurse oder den Dolmetscherdienst betreiben. Zudem werden ehrenamtliche Tätigkeiten als Studienleistungen anerkannt. „Durch das Engagement lernen Studierende mehr als aus jedem Lehrbuch“, sagt Rektor Holger Burckhart.

BiTS Iserlohn

An der privaten Hochschule BiTS arbeitet seit August die studentische Initiative b.welcome. Im November wollen sie mit Kindern aus einer Notunterkunft St.-Martins-Laternen basteln, Kochkurse und Tanzprojekte sind geplant.

Fernuni Hagen

Die größte deutsche Universität hat das Problem, dass alle Studienangebote in deutscher Sprache sind. „Im Moment prüfen wir, wie wir unsere Angebote leichter zugänglich machen können, ohne andere Gruppen zu benachteiligen“, erklärt Susanne Bossemeyer, Sprecherin der Fernuni Hagen. Die Regionalzentren würden ihr Beratungsangebot ausweiten, und mit der Stadt Hagen sei man über gemeinsame Aktivitäten im Gespräch. Eine Veranstaltungsreihe solle die wissenschaftliche Sicht auf Flüchtlingsfragen der Bevölkerung nahebringen.

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