Studenten

Hochschulen erwarten Rückgang der Studierendenzahlen

An den meisten Hochschulen geht die Zahl der Erstsemester zurück, doch die Fernuni wächst weiter. Erwachsenenbildung boomt.

An den meisten Hochschulen geht die Zahl der Erstsemester zurück, doch die Fernuni wächst weiter. Erwachsenenbildung boomt.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Hagen.  Die Demografie wirkt sich auf die Studentenzahlen in Südwestfalen aus. Der Wachstumstrend ist gestoppt. Nur die Fernuni kann noch zulegen.

Über Jahrzehnte gab es nur eine Richtung: aufwärts. Die Zahl der Studenten in Deutschland stieg von Höchststand zu Höchststand. Auch 2018 noch. Aber da gab es bereits einen Dämpfer: Die Zahl der Studienanfänger ging zurück. Zahlen fürs anstehende Wintersemester 2019/20 liegen noch nicht vor. Aber wir erleben eine Trendwende. Aus demografischen Gründen: Die jungen Leute werden weniger. Darauf müssen sich die Hochschulen einstellen. Wir haben in Südwestfalen nachgefragt, wie sie das tun wollen. Das ist nicht nur für die Arbeitsplätze an den Unis und Fachhochschulen wichtig, sondern für die gesamte Region: Ohne akademische Ausbildungsmöglichkeiten würden noch mehr junge Leute abwandern. Und die Forschung kommt der Wirtschaft oft direkt zugute.

Fachhochschule Südwestfalen

Die FH mit ihren fünf Standorten (Meschede, Soest, Hagen, Iserlohn, Lüdenscheid) spürt die Trendwende bereits seit zwei Jahren: Die Zahl der Erstsemester geht zurück. „Dieses Jahr haben wir zwar mehr Bewerbungen als 2018, aber das heißt nichts“, sagt Birgit Geile-Hänßel, zuständig für die Hochschulkommunikation. Viele Interessenten bewerben sich eben an mehreren Hochschulen.

Unterm Strich wird die Zahl der Studierenden abnehmen. „Wir hängen an der demografischen Entwicklung“, sagt Geile-Hänßel. Und weil Fachhochschulen stärker regional geprägt seien, mache es sich eben bemerkbar, wenn die Bevölkerungszahlen wie im Märkischen Kreis zurückgingen. Zu Hochzeiten hatte die FH knapp 14.000 Studenten, zuletzt waren es 13.000, erwartet wird ein weiterer leichter Rückgang. Allerdings: „Angefangen haben wir im Jahr 2002 mit knapp 5000.“

Und nun? War der Ausbau der vergangenen Jahre voreilig? Geile-Hänßel widerspricht: „Wir haben jahrelang eine Überlast gefahren. Jetzt kommen wir in die Gefilde, für die wir ausgestattet sind.“ Dennoch müsse sich eine lebendige Hochschule darum bemühen, attraktiv zu bleiben. „Wir schauen, welche Bedürfnisse es gibt und bieten neue Fächer an – wie Wirtschaftspsychologie oder Data-Science in Meschede. Zudem denken wir verstärkt in Richtung lebenslanges Lernen und Qualifizierung.“

Fernuniversität Hagen

Dass Abiturienten schon lange nicht mehr die alleinige Zielgruppe der Hochschulen sind, zeigt der Erfolg der Fernuni: Hier gibt es keine Anzeichen für einen Rückgang. Zum Wintersemester 2019/20 dürfte der Höchststand von 75.277 aus dem vergangenen Jahr übertroffen werden. (Die Gesamtzahl lag 2013/14 zwar schon einmal bei knapp 80.000, sank dann aber nach Änderung des flexiblen Einstiegs und des Gebührenmodells um rund 10.000.)

Rektorin Ada Pellert interpretiert das Wachstum so: „Die steigenden Studierendenzahlen dokumentieren den steigenden Bedarf nach lebensbegleitendem Lernen. Das Durchschnittsalter unserer Studierenden zeigt, dass auch Ältere die Vorteile unserer Studienmöglichkeiten erkennen. Wir bauen unser Angebot bedarfsgerecht aus. Ein Beispiel ist unser Studium, das zur ersten juristischen Prüfung führt. Mit einem neuen wirtschaftswissenschaftlichen Studium können sich Ingenieurinnen und Ingenieure, Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler spezialisieren. Auch in der Weiterbildung tut sich bei uns einiges.“

Universität Siegen

Die Uni Siegen ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, allein zwischen 2011/12 und 2018/19 von 15.702 auf 19.376. Erwartet wird nun ein „moderater Rückgang“ auf etwa 15.000 bis 17.000 Studenten – deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 1972 bis 2012. Und das ist, so Rektor Holger Burckhart, bemerkenswert, weil es gerade in Südwestfalen eine Vielzahl anerkannter und anspruchsvoller beruflicher Karrierewege ohne Uni-Abschluss gebe. Devise für Siegen sei weiter, „unter Wahrung einer hohen wissenschaftlichen Qualität möglichst vielen Menschen den Zugang zur Universität zu ermöglichen. Durch exzellente Forschung, einen steten Ausbau des Studienangebots sowie die Besetzung von Nischen, in denen wir uns besonders profilieren können, bleibt die Universität Siegen auch in Zukunft attraktiv für Studierende und WissenschaftlerInnen.“

Beim neuen Studienangebot verweist Burckhart auf Psychologie und auf die Humanmedizin in Zusammenarbeit mit Bonn. Gewachsen ist auch die Zahl internationaler Studenten, zuletzt auf 2237 im Sommersemester. Die Uni will den internationalen Austausch ausbauen, ebenso wie das lebenslange Lernen – „in enger Kooperation mit der Region“.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben