Sauerlandlinie

A45-Talbrücke Eisern bei Siegen gesprengt – viele Zuschauer

Rumms, da fällt sie: Die A45-Talbrücke Eisern bei Siegen ist am Sonntag gesprengt worden. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Spektakel aus sicherer Entfernung.

Rumms, da fällt sie: Die A45-Talbrücke Eisern bei Siegen ist am Sonntag gesprengt worden. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Spektakel aus sicherer Entfernung.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Hagen/Siegen.  Die Talbrücke Eisern der A45 bei Siegen ist am Sonntag gesprengt worden. Ein Schritt zur Erneuerung der A45 – doch die dauert länger als geplant.

  • Am Sonntag ist mit der Talbrücke Eisern eine große Talbrücke der A45 in Fahrtrichtung Dortmund gesprengt worden
  • Damit die Brücke im Ganzen zur Seite kippte, wurden an allen fünf Pfeilern zeitgleich Sprengladungen gezündet
  • Nach der Sprengung soll der Verkehr gegen 13 Uhr wieder rollen

Es ist nicht so, als wäre das nicht auch für die Experten ein spannender Tag. Der Tag, an dem die Talbrücke Eisern in Siegen in die Luft fliegt. Oder besser: Mit einer gezielten Sprengung seitlich zu Fall gebracht wird. Am heutigen Sonntag war es soweit. „Ein solches Bauwerk zu sprengen, ist nicht alltäglich“, sagt Karl-Josef Fischer, Leiter der Koordinierungsstelle A 45 beim Landesbetrieb Straßen-NRW.

Nicht alltäglich zum einen, weil es sich mit 327 Metern Länge und 50 Metern Höhe um die mutmaßlich größte Talbrücke handelt, die je in NRW gesprengt wurde. „Ob schon einmal eine größere gesprengt wurde, kann ich nicht sagen. Ich glaube aber nicht“, sagt Fischer.

Zum anderen, weil der Teil, der zu Staub und Asche werden soll, doch recht nah an dem Teil steht, der bitteschön noch stehen bleiben möge. Auf ihm muss der Verkehr zukünftig weiterlaufen. Zehn Zentimeter trennten die beiden eigenständigen Brückenteile an der schmalsten Stelle. Durch den Abbau verschiedener Elemente waren es vor er Sprengung immerhin zwei Meter.

A45 für Brücken-Sprengung bei Siegen seit Mitternacht gesperrt

Trotzdem: explosive Maßarbeit. 12.300 Tonnen wurden durch 61,5 Kilogramm Sprengstoff zu Boden gebracht. Die A 45 ist dazu seit Mitternacht am Sonntag gesperrt. Mittags war alles vorbei. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Spektakel aus sicherer Entfernung.

Der Knall und Fall in Eisern ist das nächste Kapitel in einem Mammutprojekt, das die Autobahn 45 darstellt. Bis 2032 soll die Lebensader Südwestfalens, soll die Königin der Autobahnen, die erhaben über die bewaldeten Täler des Sauer- und Siegerlands hinweg führt, mit neuen Brücken versehen werden und gleichzeitig auf den 122 Kilometern zwischen Dortmund und Siegen sechsspurig ausgebaut werden. 38 Brücken mit einer Länge von über 100 Metern sind das – und 127 kleinere. Das Besondere: Sie müssen neu gebaut werden, während der Verkehr weiter rollt.

Bauzeiten verlängern sich, Kosten steigen

Das macht es kompliziert. Und teuer. Teurer als gedacht, wie die aktuelle Bestandsaufnahme der bereits begonnen Arbeiten auf der A 45 zeigt.

  • Bei der Talbrücke Eisern waren bei Auftragsvergabe 27 Millionen Euro eingeplant, weil sich das Bauende aber um mindestens ein Jahr nach hinten verschiebt, steigen die Kosten auf 44 Millionen Euro.
  • Die Brücke soll zusammen mit den dicht hintereinander folgenden Brücken Rälsbach und Rinsdorf fertig werden. Auch hier wird’s 17 Millionen Euro teurer.
  • . Sie sollte eigentlich mal 2018 fertig werden. Nun wird es Mitte 2021 werden. Im Bundesverkehrswegeplan 2015 waren 60 Millionen Euro als Kosten angesetzt worden. Bei Auftragserteilung waren 120 Millionen Euro geplant. Mittlerweile sind 179 Millionen Euro genehmigt.

Unvorhergesehene Probleme lösten die Verzögerungen an den Brücken aus.

  • An den Talbrücken Brunsbecke und Kattenohl, an denen derzeit nicht gearbeitet werden kann, macht der Baugrund Sorgen, so war es auch bei der Talbrücke Rälsbach.
  • Am Standort Sterbecke und Landeskroner Weiher müssen noch Einigungen mit anliegenden Grundstückeigentümern getroffen werden, was die Sache verzögert.

A45: Bauarbeiten dauern wohl noch bis 2035

Auch die Corona-Pandemie habe eine kleine Rolle gespielt: Durch die Reisebeschränkungen im Frühjahr hätten viele osteuropäische Arbeiter den Weg auf die Baustellen nicht antreten können. Zudem sei Bauen teurer geworden. „Die Kostensteigerungen im Baugewerbe in den vergangenen acht bis zehn Jahren sind signifikant. Die Branche arbeitet am Rande der Auslastung“, sagt Fischer. Und manchmal war die Zuversicht auch einfach zu groß. „Bei der Lennetalbrücke war die Planung zu optimistisch“, sagt der Experte.

Was das nun heißt? Dass das Mammutprojekt noch etwas größer wird. Zeitlich und finanziell. Was 2032 fertig sein sollte, dürfte noch länger dauern. „Wir werden wohl erst 2035 fertig werden“, sagt Fischer. Und die 2,5 Milliarden Euro werden dafür ebenfalls nicht ausreichen.

>> HINTERGRUND: 122 Kilometer A 45 in NRW

  • 122 Kilometer ist die Autobahn 45 in Nordrhein-Westfalen lang. Im Norden mündet sie in die Autobahn 2, im Süden führt sie an Siegen vorbei nach Hessen. Auf dieser Strecke sind 38 Brücken mit einer Länge von über 100 Metern zu erneuern – und 127 kleinere.
  • Nahe des Westhofener Kreuzes beträgt das Verkehrsaufkommen rund 100.000 Fahrzeuge am Tag, in weniger frequentierten Teilen weiter im Sauer- und Siegerland sind es immer noch 60.000 bis 80.000 Fahrzeuge.
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