Ski-Saison vor dem Start

So bereiten sich Winterberg und Willingen auf Ski-Saison vor

Das Skiliftkarussell Winterberg hat für die Skisaison 2019/20 in einen neuen Lift am Bremberg mit kuppelbaren Sesseln investiert. Im Hintergrund: Der Kahle Asten.

Das Skiliftkarussell Winterberg hat für die Skisaison 2019/20 in einen neuen Lift am Bremberg mit kuppelbaren Sesseln investiert. Im Hintergrund: Der Kahle Asten.

Foto: Rita Maurer

Winterberg.  Die Wintersport-Arena Sauerland rüstet weiter auf: 15 Millionen Euro sind in neue Technik investiert worden, die das Ski-Vergnügen erhöhen soll.

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Die Skigebiete Winterberg und Willingen investieren wegen des Klimawandels weiter in ihre Infrastruktur. Winterberg plant eine Expansion zu einem der größten Wintersportgebiete diesseits der Alpen. Vor der in diesen Tagen mit dem ersten Schnee beginnenden Saison sind 15 Millionen Euro in die Skiregion gesteckt worden. Hauptinvestitionen sind ein neuer Sechser-Sessellift zwischen Bremberg und Kahler Asten sowie eine Skibrücke über die Bundesstraße 480 in Winterberg. Mit der Inbetriebnahme wird die vorerst letzte Lücke im Skilift-Karussell Winterberg geschlossen.

Winterberg und Willingen: Jeweils über eine Million Übernachtungen pro Jahr

„Die Skibrücke und der neue Lift sind wichtig, weil die Skifahrer nun direkt am Kahlen Asten ins Skigebiet einsteigen können. Zur Vernetzung der Skigebiete ist das ein wichtiger Schritt“, sagt Michael Beckmann, 1. Vorsitzender der Wintersport-Arena Sauerland/Siegerland-Wittgenstein. Er denkt längst weiter: Denn dies könnte eine vorbereitende Maßnahme für die Erweiterung des Systems in Richtung benachbarte Skigebiete sein. „Der Plan ist, das noch auszubauen und die Skigebiete in den Höhendörfern Alt- und Neuastenberg mit anzubinden. Das ist mehr als ein bloßer Gedanke, die Gespräche mit Behörden sind angelaufen, um Planungsrecht zu schaffen“, sagt Beckmann.

Im vergangenen Jahr steigerten sowohl Willingen (rund 1 Million Übernachtungen) als auch Winterberg (rund 1,2 Millionen) ihre Übernachtungszahlen noch einmal. Rund 1200 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse generieren die Skigebiete Winterbergs in jeder Saison.

Investitionen sind wissenschaftlich abgesichert

Seit 2005 sind mehr als 100 Millionen Euro in die Skigebiete investiert worden. In Zeiten von steigenden Durchschnittstemperaturen und höherem ökologischen Bewusstsein der Menschen stößt dies auch auf Kritik. „Die Skigebiete haben ein vom Klimawandel vorgegebenes Verfallsdatum. Die Anzahl der Schneetage und sogar der Frosttage nimmt ab. Auch mit bester Infrastruktur lässt sich dem nicht entgegenwirken“, sagt Dirk Jansen, Geschäftsführer im NRW-Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND): „Statt Millionen in die bestehende Infrastruktur zu stecken, wäre es sinnvoller, andere touristische Angebote im Winter zu entwickeln.“ Beckmann hält dagegen: „Die Investition ist wissenschaftlich abgesichert. Dies ist ja auch eine relevante Frage für die Banken. Wir gehen daher davon aus, dass sich die Investitionen gesamtwirtschaftlich tragen.“

Noch wird im Sauerland nicht Ski gefahren. Der Schnee reichte noch nicht aus. Ein Blick auf die Vorhersage für nächste Woche: Temperaturen um null Grad, leichter Schneefall. Dann geht es wieder los, dann strömen die Massen nach Willingen und Winterberg. In was genau investiert wurde? Steht hier.

Der Lückenschluss

Das größte Projekt ist der Bau des neuen Sechser-Sessellifts Brembergkopf 2, der den Nordhang am Kahlen Asten mit dem Bremberg verbindet und somit die letzte Lücke im Liftverbund schließt. An gleicher Stelle wird auch ein Skitunnel über die B480 gebaut, so dass die Skifahrer künftig über die Straße hinweg zur Talstation fahren können. Sie müssen nicht mehr leidig die Skier abschnallen und über die Straße stapfen.

„Es geht uns nicht mehr um weiteres Wachstum bei den Besucherzahlen. Es geht uns um eine Steigerung der Qualität des Aufenthalts“, sagt Michael Beckmann, 1. Vorsitzender der Wintersport-Arena Sauerland/Siegerland-Wittgenstein.

Der Kunstschnee

Um effizienter und ökologischer Schnee zu produzieren, greifen die Standorte auf ein neu installiertes GPS-System zurück. Die Pistenwalzen, mit denen morgens und abends die Pisten hergerichtet werden, sind mit der neuen Technik ausgerüstet. Woher sie wissen, wo der Boden beginnt? Drohnen haben das Gelände im Sommer abgeflogen und vermessen. Im Rechner ist ein Modell der Landschaft gespeichert. Sendet nun die Pistenwalze ihre Position an den Satelliten, kann bis auf zwei Zentimeter genau berechnet werden, wieviel Abstand sie zum Erdboden hat. Rund 30 Zentimeter sollte die Schneedecke dick sein, sonst hält sie dem Skibetrieb nicht stand. Ein Display zeigt dem Fahrer in Rot, Blau oder Grün an, ob’s genug ist. Zehn Prozent Arbeitszeit, Energie und Wasser sollen so eingespart werden können. Zudem erhöhe sich die Pistenqualität merklich. Die Liftbetreiber im Karussell investierten für die Neuerung rund 30 000 Euro – pro Pistenwalze.

Der Verkehr

Wenn Skifahrer aus der der Nachbarschaft, aus dem Ruhrgebiet und aus den Niederlanden an winterlichen Wochenenden oder in den Weihnachtsferien anreisen, dann kollabiert schonmal der Straßenverkehr. „Der Verkehr in der Stadt ist an manchen Tagen natürlich ein Problem“, räumt Beckmann ein.

Das frisch eröffnete Teilstück der Autobahn 46 soll die Gäste schneller nach Winterberg bringen. In und um Winterberg bleibt es kompliziert. Gäste werden gebeten, bei Stau nicht ihrem Navigationsgerät zu folgen. Testweise setzen Stadt und Liftbetreiber in dieser Saison drei riesige mobile Displays ein, wie man sie von der Autobahn kennt, wenn der Verkehr von zwei auf eine Spur gelenkt wird. Sie werden am Kreisverkehr am Ortseingang, in der Nähe des Rathauses und nahe eines Großraumparkplatzes im Ort aufgestellt, um den Parksuchverkehr zu verringern.

Umweltfreundlicher als mit dem Pkw ist Winterberg mit der Bahn zu erreichen. Es wird einen Sonderzug geben, der aus den Niederlanden über Oberhausen (Abfahrt: 7 Uhr) ins Skigebiet (Ankunft: 10 Uhr) fährt. Für die Strecke von der Kernstadt nach Neuastenberg, Altastenberg und Langewiese wird wieder ein Skibus eingesetzt.

Die Kassen

Damit Besucher nicht zu lange auf den Kauf der Tickets warten müssen und schneller auf die Piste gelangen, wurde auch in den Ausbau der Kassensysteme investiert. So erneuert das Skidorf Neuastenberg Teile des Ticketsystems. Um Wartezeiten zu reduzieren, hat das Skigebiet Willingen zwei neue Ticketkassen eingerichtet.

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