E-Mobilität

So wird die Taxi-Warteschlange zur kabellosen E-Ladestation

Warten am Taxistand. Die Zeit ließe sich künftig fürs Laden von E-Fahrzeugen nutzen.

Warten am Taxistand. Die Zeit ließe sich künftig fürs Laden von E-Fahrzeugen nutzen.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Wuppertal.  Die Uni Wuppertal ist an einem Forschungsprojekt fürs kabellose Laden beteiligt. Ein Taxi-Unternehmen aus Mülheim soll das System testen.

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Die Uni Wuppertal ist an einem Forschungsprojekt beteiligt, in dem eine Pilotanlage für das kabellose Laden von Elektro-Taxis entsteht. Prof. Benedikt Schmülling vom Lehrstuhl für Elektromobilität und Energiespeichersysteme begleitet die Entwicklung.

Wie soll Ihr System funktionieren?

Benedikt Schmülling Das Projektkonsortium entwickelt ein Ladesystem, das unterirdisch in die Taxi-Warteschlange integriert ist, also eine Spule im Boden, die zu einer Spule am Unterboden des Fahrzeugs Leistung überträgt.

Mittels welcher Technik?

Mittels elektromagnetischer Induktion. Das kennen Sie von Ihrer elektrischen Zahnbürste: keine offenen Kontakte, nur Magnetfelder.

Induktive Ladesysteme auch für heimische Garage

Also bewährte Technik?

Es ist schon etwas komplizierter: Die Zahnbürste ist sehr nah dran am Ladeteil. Bei Autos haben wir einen großen Luftspalt zwischen Unterboden und Fahrbahn, und der fällt je nach Modell unterschiedlich aus.

Für Autos gibt es solche Systeme noch nicht?

Doch: BMW bietet ein induktives Ladesystem für die heimische Garage an. Das arbeitet allerdings nur mit 3,2 Kilowatt, während wir 22 Kilowatt Ladeleistung anbieten wollen.

Weil das Taxi eben nicht viele Stunden in der Garage steht?

Genau. Am Taxistand haben wir Wartezeiten von ein paar Minuten bis zu einer halben Stunde.

Und das reicht?

Aus zwei Gründen. Erstens brauchen Sie keine Station, die das Fahrzeug voll auflädt. Taxis fahren normalerweise nur wenige Kilometer. Und zweitens sind 22 Kilowatt eine sehr ordentliche Größe. Eine Batterie mit 60 Kilowattstunden aufzuladen, würde damit knapp drei Stunden dauern. In einer Viertelstunde komme ich somit auf ungefähr 5 Kilowattstunden. Das reicht für etwa 30 Kilometer.

Prototyp soll in Mülheim getestet werden

Wieviel gibt denn eine normale Steckdose ab?

Maximal 3,6 kW. Und das auch nur für kurze Zeit, dann fliegt Ihnen die Sicherung raus. Die meisten Schnellladeanschlüsse sind für ungefähr 50 kW ausgelegt.

Aber 22 kW sind auch schon viel?

Das ist dann schon ein großer Unterschied zur Zahnbürste. Wir hier in Wuppertal untersuchen die Magnetfelder in Hinsicht auf die Konformität mit Gesetzen und Normen. Da gibt es Grenzwerte, die eingehalten werden müssen.

Wie läuft das Projekt denn ab?

Wir bauen einen Prototyp, der bei einem Taxiunternehmen in Mülheim/Ruhr getestet wird. 2021 soll eine Pilotanlage in Köln aufgebaut werden mit sechs Ladeplätzen in einer Warteschlange.

Man braucht spezielle Autos?

Bestehende Fahrzeuge müssen nachgerüstet werden. So eine Ladespule ist kein Standard. Die ganze Technologie ist derzeit relativ teuer, doch ich bin optimistisch, dass sie sich durchsetzt und viel günstiger wird.

Dieselabgase der Taxis belasten Luft in Städten

Für Taxis lohnt sich das eher, weil sie viel fahren?

Einerseits das, andererseits tragen die Dieselabgase von Taxis einen guten Teil zur dicken Luft in den Städten bei.

Könnten Sie sich vorstellen, Induktionsschleifen generell in Straßen zu verlegen, um Elektroautos anzutreiben?

Technisch wäre das realisierbar. Das würde ähnlich funktionieren wie bei einer elektrischen Straßenbahn, wäre aber außerordentlich kostspielig. In ferner Zukunft könnte ich mir vorstellen, dass Hauptstrecken elektrifiziert werden, aber induktive Ladetechnik dürfte schon in wenigen Jahren in Parkhäusern sowie auf Supermarkt- oder Autobahnparkplätzen vorhanden sein. Dazu wollen wir mit unserem Projekt beitragen.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt „Taxi-Lade-Konzept für den öffentlichen Raum“ (TALKO) wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit zwei Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind neben der Bergischen Universität die Uni Duisburg/Essen, die Stadt Köln, der Ingenieurdienstleister INTIS, RheinEnergie, Taxiruf Köln sowie LEVC, ein englischer Hersteller von Taxi-Elektrofahrzeugen.

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