Weihnachtsmärchen

Theater Hagen bringt den Räuber Hotzenplotz zum Tanzen

Christian Kaltenhäußer als Räuber Hotzenplotz in Hagen

Christian Kaltenhäußer als Räuber Hotzenplotz in Hagen

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Was macht der Zwackelmann im Zaubermobil? Und wie war das noch mit der Kaffeemühle? Die Antworten gibt das Theater Hagen beim Räuber Hotzenplotz

Der Räuber Hotzenplotz hat einen Herzenswunsch. Er will die Kaffeemühle der Großmutter rauben, weil die so schön „Alles neu, macht der Mai“ spielt. Aus Otfried Preußlers ewig junger Abenteuergeschichte macht das Theater Hagen jetzt ein knallbuntes, temporeiches, geheimnisvolles Weihnachtsmärchen. Anja Schöne, die Leiterin der Jungen Bühne, erzählt in ihrer fröhlichen Inszenierung von der Macht der Musik – und vom Mut. Denn Kasperl und Seppel nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Am Samstag, 9. November, um 17 Uhr hebt sich der Vorhang zur Premiere des Familienstücks; wir haben die Generalprobe gesehen.

Lustige Wortspiele

Mit Namenserfindungen wie Hotzenplotz und Petrosilius Zwackelmann hat Otfried Preußler Generationen von Kindern glücklich gemacht, weil man daraus so lustige Wortspiele zaubern kann. Sein „Räuber Hotzenplotz“ vereint mehrere milieustarke Spielorte: Großmutters Häuschen, den Wald mit der Räuberhöhle; das Zauberschloss mit seiner Küche und dem schaurigen Keller und natürlich die hohe Heide, auf der die Feenblume wächst. Anja Schöne und Bühnenbildnerin Sabine Kreiter gestalten dafür einen bewusst theatralischen Einheitsraum als Gegenentwurf zur über-ausformulierten digitalen Bilderwelt. Die Bäume sind gleichzeitig Kellertüren und immer als Versatzstücke erkennbar. Häuschen, Höhle und Schloss verbergen sich in Schränken, die aufgeklappt werden können wie ein Bilderbuch. In dieser zauberhaft reduzierten Architektur kommen die Überraschungen aus der Versenkung und aus dem Schnürboden zugleich – so entsteht Theatermagie, die den Sinn des Publikums für das Wunderbare schärft und nicht abstumpft.

Dazu gehört die Märchenband um Andres Reukauf am Piano, der die Musik extra für das Stück komponiert hat, eine spannende Mischung aus Balkanpop (für den Wald und seine unheimlichen Bewohner), Neuer Deutscher Hagener Welle (für Oma und Enkel) sowie Opernkoloraturen für die verzauberte Unke, die eigentlich die Fee Amaryllis ist. Der Fluch, der auf ihr liegt, wird im zweistimmigen Gesang mit Unken-Bariton und dem glockenhellen Sopran eines übernatürlichen Wesens hörbar. Die Band ist Teil des Bühnenbildes; die Besucher können (viele erstmals in ihrem Leben) sehen und hören, dass Musik nicht aus der Steckdose kommt, sondern handgemacht werden kann.

Schlagzeug auf Rädern

Fahrmaschinen auf großen Rädern prägen das Bühnenbild, auf ihnen stehen die Kulissen, Klavier, Schlagzeug und Notenständer, sie sind Kasperls und Seppels Dreirädchen, Omas Rollator und nicht zuletzt das gefährlich blinkende Zaubermobil von Petrosilius Zwackelmann. Damit kommt eine erfrischende Steampunk-Ästhetik ins Spiel, welche die Geschichte auf eine phantastisch-surreale Ebene rückt, die ihr gut tut.

39 Vorstellungen stehen bis zum ersten Weihnachtstag auf dem Spielplan; an manchen Tagen hebt sich der Vorhang dreimal hintereinander. Dafür braucht man neben Kondition viel Begeisterung, und das Hagener Märchenensemble tanzt und singt und spielt so mitreißend lebendig, dass die Kinder mucksmäuschenstill zuschauen.

Bariton Christian Kaltenhäußer ist als Räuber Hotzenplotz ein großer Bruder von Captain Jack Sparrow, ein Schrank von einem Kerl mit einem Gemüt so weich wie Omas Pflaumenkuchen. Michael Mayer frönt als Großmutter in selbstgestrickten Capri-Hosen einer Leidenschaft für das Handarbeiten und klagt als Unke herzzerreißend aus dem Pfuhl. Sarah Cossaboon beobachtet als Spatz die Szene und kann als Fee Amaryllis in den höchsten Tönen kichern.

Grüne Sporenstiefeletten

Charlotte Welling (Kasperl) und Stefan Merten (Seppel) beweisen erfindungsreich, dass man sich auch gegen angsterregende Gegner behaupten kann. Bariton Andreas Elias Post ist als Wachtmeister Dimpfelmoser eine Zierde des Beamtenstandes und verwandelt sich als Petrosilius Zwackelmann mit grünen Sporenstiefeletten in einen Vetter des Verrückten Hutmachers: selbstverliebt, grausam und doch zu schlau, den Kartoffeln die Schale von der Knolle zu hexen.

Die Inszenierung ist verwunschen und auch ein bisschen schräg und damit für Zuschauer ab fünf Jahren geeignet - ein richtiges Familienstück, in dem Eltern und Großeltern genauso viel Spaß haben wie das junge Publikum.

Termine und Karten: www.theaterhagen.de

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