Gericht

Tod eines Kindes (1): Pflegevater legt Teilgeständnis ab

Ein Pflegevater aus Plettenberg gesteht seine Teilschuld beim Tod des Einjährigen aus Gelsenkirchen: Er habe ihn aus Verzweiflung geschüttelt.

Ein Pflegevater aus Plettenberg gesteht seine Teilschuld beim Tod des Einjährigen aus Gelsenkirchen: Er habe ihn aus Verzweiflung geschüttelt.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Hagen/Gelsenkirchen/Plettenberg.  Gestresst und verzweifelt will er den Einjährigen geschüttelt haben: Ein Pflegevater aus Plettenberg räumt die Vorwürfe gegen ihn zum Teil ein.

Er habe den Einjährigen in einem Moment der Überforderung geschüttelt: Es ist ein erstes Teilgeständnis, das der 30-jährige Sauerländer aus Plettenberg am Freitag vor Gericht einräumt, wie ein Sprecher auf Nachfrage erklärte. Angeklagt ist der Pflegevater wegen Totschlags und Misshandlung Schutzbefohlener vor dem Schwurgericht Hagen.

Der Anklage zufolge soll der Pflegevater den körperlich behinderten Jungen aus Gelsenkirchen mit diagnostizierter Entwicklungsverzögerung in seiner Wohnung geschlagen und geschüttelt haben. Das Herz des eineinhalb Jahre alten Kleinkindes hörte in Folge dieser Behandlung am frühen Morgen des 3. Januar auf zu schlagen. Zu diesen Vorwürfen äußerte sich der Pflegevater nun – und gestand seine Schuld zum Teil.

Absolute Stresssituation

Er habe sich in einer absoluten Stresssituation befunden, erklärte er vor dem Landgericht Hagen. Auf der Arbeit wäre es nicht gut gelaufen und auch das Kind zu Hause sei sehr stressig gewesen. Es habe schlecht gegessen und viel gequengelt. Daraufhin habe er das Kind hochgehoben, um es zu beruhigen. Dabei sei ihm der Einjährige aus geringer Höhe runtergefallen, verletzt habe sich der Junge aber nicht. Der Sauerländer habe ihn beruhigen können und sei wieder ins Erdgeschoss gegangen, um mit den Hausarbeiten fortzufahren.

Nach dem Staubsaugen habe er dann gehört, dass das Kind oben erneut geschrien habe. Der Angeklagte sei daraufhin wieder hochgegangen und habe das Kind dieses Mal geschüttelt. Das räumte der Pflegevater nun ein und berief sich dabei nach Angaben des Sprechers immer wieder darauf, dass er sich in einer Ausnahmesituation größter Überforderung befunden habe.

Verfahren wird nicht abgekürzt

An den Rest könne er sich nicht mehr erinnern. Seine Erinnerung setze erst zu dem Zeitpunkt wieder ein, als der Notarzt eingetroffen ist und das Kind krampfend am Boden gelegen hat. Zu dem Anklagepunkt, nach dem er dem Kind mit einem Gegenstand geschlagen haben soll, habe er sich nicht geäußert. „Er hat es weder geleugnet, noch bestätigt“, sagte der Sprecher.

Abgekürzt wird das Verfahren durch das Teilgeständnis des Pflegevaters allerdings nicht, bestätigte das Landgericht. Am 21. August gehe die Beweisaufnahme weiter, dann werden unter anderem ein Kinderarzt und ein in die Geschehnisse involvierter Pathologe in den Zeugenstand gerufen.

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