Geburt

Von der A 45 in den Kreißsaal: Mit Wehen in der Vollsperrung

Erleichterte Eltern: Jens Schüller und Dominique Baurhenn mit ihrem Sohn Justus David. Auf dem Weg ins Krankenhaus war das Paar in eine Vollsperrung geraten.

Erleichterte Eltern: Jens Schüller und Dominique Baurhenn mit ihrem Sohn Justus David. Auf dem Weg ins Krankenhaus war das Paar in eine Vollsperrung geraten.

Foto: Linda Sonnenberg

Lüdenscheid.  Es ist eine Horrorvorstellung für Eltern: Kurz vor der Geburt mit Wehen in eine Vollsperrung geraten. Ein Paar berichtet von seinem Erlebnis.

Mitten auf der Autobahn steigen Dominique Baurhenn und ihren Freund Jens Schüller aus ihrem blauen Ford aus. Sie sind in eine Vollsperrung auf der A 45 geraten. Die nebenstehenden Autofahrer bemerken, dass die 32-Jährige hochschwanger ist und rufen ihr lachend zu: „Stellt euch mal vor, jetzt setzen die Wehen ein.“ Doch genau das war schon passiert.

Das Paar aus Gummersbach befindet sich auf dem Weg in die Lüdenscheider Berglandklinik. „Da haben wir eigentlich nur noch auf die versteckte Kamera gewartet, so surreal war die Situation“, erinnert sich Jens Schüller.

Einzige Sorge: Stau

Drei Tage später sitzt er mit seiner Freundin auf dem Krankenbett. Sie lachen viel, schauen sich verliebt an und betrachten noch verliebter ihren kleinen, neugeborenen Sohn. Wer die kleine Familie beobachtet, kommt nicht auf die Idee, was für eine Aufregung hinter den frischgebackenen Eltern liegt.

Das Paar aus Gummersbach war sich schnell sicher, wo die Geburt ihres ersten Kindes stattfinden sollte: „Ich bin gebürtige Lüdenscheiderin und schon in der Berglandklinik geboren worden, ebenso wie meine Schwester. Und meine Mutter war auch schon zur Behandlung hier“, erinnert sich Dominique Baurhenn.

So überredete sie auch ihren Freund, dessen einzige Sorge bis zum Schluss die Anfahrt war: „Ich kenne die Strecke über die A 45 gut. Da war mir klar, dass wir Zeit einplanen müssen." Doch weitere Gedanken machte sich auch der 43-Jährige nicht: „Wird schon alles gut gehen.“

Verzögerung von Beginn an

Am vergangenen Sonntag setzten die Wehen ein, fünf Tage vor dem errechneten Termin. „Wir waren schon aufgeregt, aber nicht übermäßig. Wir haben noch viele Scherze gemacht und sind dann langsam aufgebrochen“, sagt Jens Schüller. Die erste Baustelle wartete dann kurz nach dem Beginn der Fahrt. „Da haben wir schon angefangen zu lachen“, sagt Dominique Baurhenn. Nach der Autobahn-Auffahrt meldete sich dann das Navi und zeigte eine Verzögerung von zehn Minuten an.

Kurze Zeit später dann das denkbar schlimmste Szenario: Durch einen Unfall mit einem Motorradfahrer war die Autobahn voll gesperrt. „Um das ganze Worst-Case-Szenario noch perfekt zu machen hatten wir auch nur noch ungefähr ein Viertel im Tank“, erzählt Jens Schüller. Die Reaktion der werdenden Eltern: schallendes Gelächter. „Das war genau das, wovor mein Freund Angst gehabt hat und dann ist es eingetreten. Aber er hat mir keinerlei Vorwürfe gemacht.“

Als dem Paar klar wird, dass die Sperrung noch länger dauern wird, wenden sie sich an die Polizeiverwaltung. „Alle waren ausgesprochen freundlich. Kurz danach rief uns dann die Feuerwehr zurück und schickte einen Krankenwagen“, erzählt Dominique Baurhenn, während ihr Freund sich erinnert: „Als wir ausstiegen, haben uns direkt viele Menschen angesprochen, ob sie irgendwie helfen können. Alle waren sehr freundlich.“

Mutter im Krankenwagen - Vater bleibt auf der Autobahn zurück

Während die werdende Mutter mit dem Krankenwagen nach Lüdenscheid in die Berglandklinik gefahren wurde, blieb Jens Schüller auf der Autobahn zurück. „Wir standen noch etwas über eine Stunde, bevor es weiter ging.“

Verpasst hat er allerdings nichts: Erst am nächsten Morgen um 7.47 Uhr wurde der kleine Justus David Baurhenn geboren. „Schon vor seiner Geburt hat er für sehr viel Trubel gesorgt“, lachen die Eltern, während sie gemeinsam auf dem Krankenbett sitzen, ihren Sohn zwischen sich. Und die Erinnerungen wollen sie aufbewahren: „Die ersten Seiten in seinem Buch werden mit den Zeitungsartikeln über ihn zugeklebt.“

Für ein nächstes Kind würden die Gummersbacher noch einmal eine solche Fahrt auf sich nehmen: „Wenn ich noch einmal schwanger bin, möchte ich auf jeden Fall auch hier in Lüdenscheid entbinden. Alle sind lieb, nett und es ist einfach nur toll hier“, steht für Dominique Baurhenn fest, während ihr Freund schnell ergänzt: „Dann würden wir allerdings eher anreisen.“ Nochmal wollen die beiden die Aufregung nicht erleben.

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