Serie: Zeitreise

Schein und Sein: Die Schätze der Römer am Niederrhein

Kennen sich aus in der einstigen Zivilstadt Colonia Ulpia Traiana, beziehungsweise dem hochmodernen LVR-RömerMuseum in Xanten: Sebastian Held, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Museums, und Dr. Louise Rokohl, wissenschaftliche Volontärin in Xanten.

Foto: Fabian Strauch

Kennen sich aus in der einstigen Zivilstadt Colonia Ulpia Traiana, beziehungsweise dem hochmodernen LVR-RömerMuseum in Xanten: Sebastian Held, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Museums, und Dr. Louise Rokohl, wissenschaftliche Volontärin in Xanten. Foto: Fabian Strauch

Xanten.   Eine Spurensuche in den Hinterlassenschaften in der einstigen Zivilstadt Colonia Ulpia Traiana - aufbereitet im Römer-Museum in Xanten

Ein Schatz ist der Definition nach eine bewegliche Sache, die so lange verborgen war, dass sich ihr Eigentümer nicht mehr ermitteln lässt. Demnach ist das Römer-Museum des Landschaftsverbands Rheinland in Xanten voller Schätze. Wir wagen eine Spurensuche in den mal mehr, mal weniger freiwilligen Hinterlassenschaften in der einstigen Zivilstadt Colonia Ulpia Traiana am Niederrhein.

„Es ist beeindruckend, was den Gottheiten alles geopfert oder den Menschen mit ins Grab gelegt wurde“, erläutert Sebastian Held, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Museums. Ringe, Armreifen, Ketten, filigran gearbeitete Figuren, Skulpturen, Broschen, Haarnadeln, Glaskaraffen – all’ das fand man im Boden in und um Xanten herum. Die Fibeln waren häufig sogar noch massiver als in Rom, das aber hatte pragmatische Gründe: Kleiderspangen mussten witterungsbedingt am Niederrhein deutlich mehr Stoff zusammenhalten als am Mittelmeer.

Bunter als gedacht

Soldaten gehörten in der Zeit kurz nach der Geburt Christi zur gut verdienenden Schicht – und zeigten dies. Gemmen, Schmucksteine für Ringe, wurden am Niederrhein besonders zahlreich gefunden. Auch gibt es dort Beweise für Bronzegießereien sowie Gold und Silber verarbeitendes Handwerk zu dieser Zeit. „Zudem waren gerade die Legionäre bei Weitem bunter und individueller gekleidet, als es heute häufig dargestellt wird - also weniger uniform“, erläutert Dr. Louise Rokohl, wissenschaftliche Volontärin des Museums. Und Farben, ob für Wände oder Stoff, waren teuer.

Auch wenn man gerne zeigte, was man hatte, zu Hause musste es beschützt werden. Fenstergitter und dicke Schlösser holten die Archäologen zahlreich aus dem Erdreich. Kein Wunder: „Es gab keine Polizei“, erläutert Held. „Und zu Gerichtsverhandlungen musste man den Angeklagten selbst mitbringen. Das war nicht immer so einfach.“

Marmor nur aufgemalt

In Gräbern wurden häufig Gefäße mit Flickstellen gefunden. Unklar ist, ob man da nur zweite Wahl mit auf den Weg gegeben hat oder nichts mehr anderes hatte. Schüsseln oder Karaffen waren für viele Menschen ja ohnehin schon kleine Schätze des Alltags. Der vielfältig verarbeitete „Kunststoff“ der damaligen Zeit, ob als Türscharnier oder Dolchgriff, war der Knochen.

Zudem gab es aber auch mehr Schein als sein: Wände, deren Bemalung Marmor nur imitierten. Auch Falschgeld, also mit minderwertigeren Metallen gemischte Münzen, wurden am Niederrhein gefunden. „In Briefen haben sich Menschen beschwert, dass Soldaten fernab von Rom hier mehr Abzeichen tragen, als ihnen zustehen würden“, so Sebastian Held. „In Rom wiederum gab es Leute, die behaupteten, Cicero hätte als Anwalt nur so viele Klienten, weil sein toller Ring alle blenden würde.“

Mediziner waren Handwerker

Die Schätze des kleinen Mannes waren Glücksbringer aus diversen Materialien, nicht selten mit einem Phallus-Symbol verziert. Überhaupt war die Darstellung von sich liebenden Paaren auf Geschirr oder Vasen damals sozial verträglich. „Allerdings hat man hier deutlich weniger davon gefunden als in anderen Provinzen“, sagt Held, der eine Deutung der unterdurchschnittlich repräsentierten Romantik in Xanten lieber schuldig bleibt.

Heute gilt die Gesundheit als das Wertvollste eines Menschen. „Mediziner waren damals Handwerker und damit nicht hoch angesehen“, so der Museums-Referent. „Viele kamen aus Griechenland, zudem dienten Sklaven als Privatärzte. Krankenhäuser gab es nur für Soldaten, nicht den zivilen Bereich.“

Grundsteine der Spielzeug-Industrie

Der größte Schatz eines Kindes ist neben den Eltern wohl das Spielzeug. Mit Tier-Figuren, Rasseln oder Mini-Ausgaben von landwirtschaftlichem Gerät wurden die Grundsteine der Spielzeug-Industrie auch in Xanten früh gelegt.

Den großen Goldschatz hat man in Xanten nicht gefunden. Aber mit den Geschichten um die vielen kleinen Schätze der Römer am Niederrhein geht man nach einem Besuch an der Siegfriedstraße reich an Wissen nach Hause. Wissen sollte man aber auch: Auf eigene Faust nach Schätzen suchen ist in den abgesperrten Gebieten in und um Xanten kein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit.

>>> Infos <<<

Das LVR-RömerMuseum ist in den Archäologischen Park Xanten eingebettet und wie dieser täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Bis zu 7000 gebuchte Führungen pro Jahr zählen Park und Museum zusammen.

Sehr beliebt ist bei Familien das Spielehaus, wo die Generationen ihre Geschicklichkeit bei römischen Spielen messen. Zudem gibt es einen Abenteuerspielplatz, einen Wasserspielplatz und einen Hüpfberg.

Die offenen Museumsführungen für Kinder beginnen sonntags um 14 Uhr und dauern eine Stunde. Treffpunkt ist am Parkeingang Stadtzentrum beziehungsweise im Museumsfoyer.

Weitere Informationen: www.apx.lvr.de

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