Jahreswechsel

Silvester ist die Zeit für einen Rück- und Ausblick

Nicht mehr lange, und 2017 ist Geschichte. Frieden, Gesundheit, füreinander da sein – das wünschen sich alle.

Foto: Kerstin Bögeholz

Nicht mehr lange, und 2017 ist Geschichte. Frieden, Gesundheit, füreinander da sein – das wünschen sich alle. Foto: Kerstin Bögeholz

Eine Begegnung in Griechenland, eine Rettungsaktion am Kiosk, mehr Platz im Kuhstall und Freude an der Teamarbeit – was die Menschen bewegt.

„So ist das Leben“ – hieß die Reportagen-Reihe der NRZ des Jahres 2017. Über das ganze Jahr verteilt hefteten sich NRZ-Reporter an die Fersen ganz normaler Menschen, begleiteten sie einen Tag (oder eine Nacht) durch ihren Arbeitsalltag und ließen sich erzählen, was sie bewegt.

Die Ortstermine fanden unter Tage oder im Krankenhaus, in der Obstplantage oder im Kuhstall, auf Streife, im Stadion oder im Friseursalon statt, wir halfen beim Fensterputzen und verkauften Kaugummi und Zigaretten am Kiosk. Jetzt, wo sich das Jahr dem Ende zuneigt, haben bei wir denen, die wir begleitet haben, noch einmal nachgefragt: Was brachte das Jahr 2017, was hat euch bewegt, gefreut und wie schaut ihr in die Zukunft?

Michael Noever (44), Stadionordner aus Mönchengladbach:

Besonders beeindruckt hat mich, dass es scheinbar wieder mehr Menschen gibt, die Rücksicht auf andere nehmen und sich um diese kümmern, wenn Hilfe benötigt wird. Der gesellschaftliche Zusammenhalt sollte wieder mehr in den Vordergrund rücken, damit das Leben für uns alle wieder einfacher und angenehmer wird.

Außerdem hat mich wieder einmal bewegt, dass ich mich auf meine Leute verlassen kann, egal in welch schwieriger Lage wir auch gerade sind.

Was ich 2018 erwarte? Wieder schöne Stunden im Kreise der Menschen, die mir wichtig sind. Weiterhin hoffe ich, dass wir als Team weiter wachsen und uns weiter entwickeln damit wir den kommenden Aufgaben stets gewachsen sind.

Heike Farrenberg (52), Friseurmeisterin aus Mülheim

Was ich für das Jahr 2018 erwarte? Na, überleben... das ist auch mein Wunsch vom letzten Jahr, und Weltfrieden natürlich! Außerdem wünsche ich mir, dass die Menschen mehr an die Umwelt denken und nicht immer nur an den Profit.

Besonders bewegt hat mich in diesem Jahr eine Begegnung im Griechenlandurlaub bei einer Bergwanderung auf der Peleponnes. Dort trafen wir auf einen etwa fünfzehnjährigen syrischen Flüchtling. Er trug total abgerissene Kleidung, kaputte Schuhe und freute sich, deutsche Worte zu hören. War er doch zuvor 18 Monate in Deutschland gewesen und hatte gut Deutsch gelernt. Aber dann musste er zurück nach Griechenland, irgendwo im Nirgendwo ist er gelandet. Ohne eine wirkliche Perspektive. Aber wahrscheinlich geht es einfach nur ums Überleben für ihn. Er war so freundlich und fröhlich. Ich konnte nichts für ihn tun. Damals habe ich mich irgendwie geschämt.

Ich wünsche mir zwar Ruhe und Gelassenheit, die könnte ich öfter mal gebrauchen. Aber eigentlich geht es uns gut – Eltern, Kindern, Katzen und natürlich dem Liebsten. Wir haben uns und sind füreinander da. Das ist doch was!

Linda Röhm (25), Krankenschwester in Kevelaer:

2017 war ein schönes und ein bewegendes Jahr. Mein persönliches Highlight war in diesem Jahr meine zweiwöchige USA-Reise an die Westküste, die war sehr spannend. Im Job war es manchmal etwas wuselig, wir hatten sehr viel zu tun, die Zahl der Patienten hat sich erhöht. Außerdem haben wir eine „Qualitätsmanagement-Qualifizierung“ gemacht, da gab es eine Menge neuer Sachen. Wir haben das aber alles als Team sehr gut hinbekommen. Wir freuen uns auf der Station auf ein weiteres schönes Jahr. Ich wünsche mir, dass alles so zusammenbleibt, wir sind wie eine Familie. Ein bisschen Zuwachs, das wäre natürlich toll.

Jessica Kowalke (40), Kioskbesitzerin in Essen-Haarzopf

Das schönste Erlebnis in diesem Jahr: Ich bin Patentante geworden. Vom kleinen Leon. Wunderbar. Ich liebe es.Einen kritischen Tag gab es aber auch. Ein Kunde stand vor meinem Kiosk, bestellte etwas und ich merkte gleich, da stimmt was nicht. Er schwankte so, der Oberkörper beugte sich merkwürdig nach hinten, er sagte dann, er wolle jetzt nach Hause. „Nimm lieber ein Taxi“, habe ich ihm geraten.

Dann fiel mir ein, er lebt allein. Was tun? Soll ich den Rettungswagen rufen oder ist das übertrieben? Ich hab dann angerufen. In dem Moment kippte er mit der Bank vor dem Kiosk um, auf die er sich gesetzt hatte.Um es kurz zu machen: Alles ging gut. Ein paar Tage später kam er wieder. Eine Lebensmittelvergiftung hatte er sich eingefangen. Wohlgemerkt: Bei mir hat er nichts gegessen! Aber ich war schon schwer erleichtert. Ich hatte am Ende das Richtige gemacht.

Für 2018 wünsche ich mir entspanntere Kunden. Einen freundlicheren Umgang ganz generell. Ich mag dieses Gestresste und Unzufriedene nicht. Wie jetzt zuletzt wieder einer: „Boh, dieser Scheiß-Schnee. Da komm ich zu spät zu Arbeit. Mecker, mecker...“.

Dann denk ich immer: Junge, lass das Gejammer, dass da ein bisschen Schnee vom Himmel fällt. Woanders sind es Bomben. Woanders haben Menschen kein Dach über dem Kopf, nichts zu essen, nichts zu trinken. Die haben ein Problem. Du nicht.

Puh, jetzt rege ich mich schon wieder viel zu sehr auf...!

Rüdiger Buers (57), Polizeihauptkommissar und Essen-Rüttenscheider Bezirksbeamter

Das Jahr 2017 war für mich als Polizist sehr turbulent und interessant. Es gab einige neue Aufgaben, die nicht samt und sonders beliebt waren. Wir hatten viele Bürgerkontakte, die teils von Angst und Unruhe geprägt waren, teils aber auch vom Dank für die Arbeit der Polizei.

Für 2018 wünsche ich mir mehr Menschlichkeit, ich wünsche mir, dass mehr miteinander geredet anstatt gestritten wird.

Michael Klümpen (23), Landwirt aus Wachtendonk

Das Jahr 2017 war für uns sehr anstrengend. Wir haben einen neuen Stall gebaut, außerdem hatten wir Krankheitsfälle. Vater hatte einen Leistenbruch, mein Geschäftspartner Andreas einen Bänderriss.

Aber am Ende des Jahres war alles gut. Der Stall ist fertig, jetzt haben alle unsere Kühe Schlaf- und Futterplätze. Wir konnten die Herde aufstocken.

2018 wollen wir bis zu 270 Kühe haben. Wir wollen unsere Leistung noch steigern und die Gesundheit unserer Kühe verbessern. Wichtig ist, dass der Frieden auf dem Hof erhalten bleibt und wir weiter Spaß an der Arbeit haben.

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