Energiewende

Stromautobahn A-Nord kreuzt den Niederrhein

Projektleiter Klaus Wewering stellte den Vorzugskorridor für die Gleichstromverbindung A-Nord n Wesel  vor.

Projektleiter Klaus Wewering stellte den Vorzugskorridor für die Gleichstromverbindung A-Nord n Wesel vor.

Foto: Markus Weissenfels

Am Niederrhein.   Netzbetreiber Amprion stellt den Wunschverlauf für die Erdleitung vor, die ab 2025 Ökostrom von der Nordsee ins Binnenland bringen soll.

„Das wird eine der Hauptschlagadern für die Energiewende in Deutschland“, sagt Jonas Knoop von Netzbetreiber Amprion. Die etwa 300 Kilometer lange unterirdische Leitung A-Nord soll möglichst ab dem Jahr 2025 Energie aus Windkraft von der Nordsee an den Niederrhein bringen. Ein Teil des Stroms soll die Menschen im Rhein-Ruhr-Ballungsraum versorgen, ein anderer weitergeleitet werden nach Baden-Württemberg. Gestern stellte Amprion seinen „Vorzugskorridor“ nebst Alternativen für die geplante Stromautobahn vor.

A-Nord soll vom niedersächsischen Emden bis nach Meerbusch-Osterath führen. Sechs Kabelstränge sollen zwei Meter (bei Hindernissen tiefer) in die Erde gelegt werden. Amprions bevorzugter Trassenkorridor kommt im münsterländischen Ochtrup auf NRW-Gebiet. Den Niederrhein würde er im Norden Hamminkelns erreichen, bei Rees-Haffen in einem Tunnel den Rhein unterqueren und über Kalkar, Uedem, Sonsbeck, Kevelaer, weiter zwischen Geldern und Issum über Kerken und Tönisvorst führen. Kalkuliert wird mit Baukosten von fünf Millionen Euro, wohlgemerkt: pro Kilometer.

Siedlungsgebiete und Gewerbe meiden

Amprion hat auch andere mögliche Trassen ausgemacht. Am Niederrhein gibt es aus Firmenssicht aber nur eine ernsthafte Alternative, die bei Schermbeck und Hünxe die Region erreicht, weiterführt bei Voerde und Wallach unterm Rhein durch – über Kamp-Lintfort, Kerken und Tönisvorst. Die laut Jonas Knoop wesentlichen Aspekte: Die Trasse soll Siedlungen und Gewerbegebiete meiden, Naturschutzflächen möglichst schonen und da entlang führen, wo schon andere Leitungen sind.

Entscheiden müssen nun andere. Amprion will die Pläne im März bei der Bundesnetzagentur einreichen. Zuvor sind Bürgerinfos in den betroffenen Kommunen entlang der Strecke geplant. Amprion hofft auf eine Entscheidung der Netzagentur in 2019 und darauf, dass ab 2022/23 gebaut werden könnte. Experten gehen davon aus, dass es auf einen Mix aus Vorzugskorridor plus passagenweise Alternativrouten hinausläuft.

Widerstand zeichnet sich dem Vernehmen nach insbesondere bei Bauern im Kreis Borken ab. Während Bau und Rekultivierung können Landwirte betroffene Flächen ein bis drei Jahre nicht nutzen, sie sollen für Ertragsausfall entschädigt werden. Die Bauern sorgen sich aber, dass weiteres Ackerland durch gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen (z. B. Neubewaldung) verloren geht.

>>> GENUG STROM FÜR ZWEI MIO MENSCHEN

Bei einer Spannung von 400 000 Volt soll die Verbindung „A-Nord“ bis zu zwei Gigawatt Strom transportieren können. „Das ist genug, um zwei Millionen Menschen zu versorgen“, sagt Jonas Knoop von Netzbetreiber Amprion.

Die Energie soll in A-Nord als Gleichstrom weitergeleitet werden, so ist ein nahezu verlustfreier Transport über weite Strecken möglich. Am Ziel Osterath muss ein Konverter gebaut werden, der die Energie in Wechselstrom umwandelt, damit sie genutzt werden kann. Der Konverter allein kostet rund 500 Mio Euro. Rechnet man dies, den Bau und sonstige Kosten zusammen, so wird A-Nord laut bisheriger Planung insgesamt zwei Mrd Euro teuer.

Die Bauabschnitte sollen so klein sein, dass sich regionale Anbieter beteiligen können. Das wäre seitens der Bauern wünschenswert. „Gehen Sie davon aus, dass wir Leute auf dem Bagger haben, die den Boden kennen“, heißt es bei Amprion.

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