NRZ-Klimaserie

Urlaub: Wie wir umweltfreundlicher verreisen können

Flugreisen sind schön - aber schädlich fürs Klima.

Flugreisen sind schön - aber schädlich fürs Klima.

Foto: Daniel Bockwoldt

An Rhein und Ruhr.   Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres, aber das Klima leidet unter unserem Vergnügen. Tipps von einem Experten zum umweltfreundlichen Reisen.

Urlaub, die schönste Zeit des Jahres. Egal, ob wir am Strand liegen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, in den Bergen radeln, wandern oder Ski fahren, bei einem Städtetrip eine pulsierende Metropole oder eine gemütliche Altstadt entdecken oder einfach ein paar Tage wegfahren und die Beine hochlegen: Aber unser Verhalten hat oftmals einen negativen Einfluss auf unsere Umwelt – besonders im Urlaub.

Denn während im Alltag die Bereitschaft steigt, sich klimafreundlicher zu verhalten und mehr auf die Umwelt und den eigenen Verbrauch zu achten, wollen viele im Urlaub davon nichts mehr wissen, sagt Prof. Dr. Dirk Reiser, Professor für Nachhaltiges Tourismusmanagement an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve. „Reisen sind ein einmaliges Event im Jahr. Die meisten sind in dieser Zeit nicht bereit, auf etwas zu verzichten.“ Wie wir klimafreundlicher verreisen können, erklärt der Hochschullehrer im Expertengespräch.

Die Anreise

Häufig ist schon der Start in einen Urlaub mit klimaschädlichem Verhalten verbunden. Eine lange Autofahrt mit vollem Kofferraum oder ein Flug in die sonnige Urlaubsregion verursachen hohe Co2-Emmissionen. So fallen etwa bei einer Flugreise von Düsseldorf nach Palma de Mallorca und zurück in einem normalen Linienflieger schon rund 480 Kilogramm Co2 pro Person an, wie sich auf der Webseite der Klimaschutz-Organisation „atmosfair“ berechnen lässt. Ein großer Teil der 2300 Kilogramm, die als klimaverträgliches Co2-Jahresbudget pro Person gelten.

Wer trotzdem nicht auf eine Flugreise verzichten kann oder will, aber seinen Klima-Fußabdruck möglichst klein halten will, der kann seine Emissionen kompensieren, so Reiser. „Es gibt die Möglichkeit, für den eigenen Co2-Ausstoß zu bezahlen und damit Klimaschutzprojekte an anderen Orten zu unterstützten.“ Auf Webseiten wie "Atmosfair" oder "MyClimate" lassen sich die anfallenden Emissionen von Reisen per Rechner ermitteln und direkt an Klimaprojekte überweisen. Für den Flug von Düsseldorf nach Palma und zurück wären das gerade mal um die 15 Euro. Generell gelte bei Flugreisen die Faustformel: Je weiter der Flug, desto länger sollte der Aufenthalt vor Ort sein, um in einem vertretbaren Verhältnis zu stehen. Bei Mittelstreckenflügen seien das sieben Tage, Langstrecke mindestens 14 Tage.

Generell, so Reiser, sei natürlich ein Urlaub per Rad oder zu Fuß am klimafreundlichsten – etwa in der eigenen Region. Wer aber mit dem Auto fährt, könne eine bessere Klimabilanz vorweisen, je mehr Personen mitfahren. „Der Auslastungsfaktor ist bei allen Transportmitteln wichtig.“ Deshalb seien Mitfahrzentralen, Fernbusse und Zugreisen eine klimafreundliche Alternative. Welche davon aber die beste für das Klima ist, das könne man nicht pauschal sagen, so Reiser.

Verhalten am Urlaubsort

Im Urlaub lässt man gerne die Seele baumeln, genießt gutes Essen und Trinken und die schönen Seiten des Lebens. Klimafreundlich ist das selten. Denn in dieser Zeit neige man dazu, deutlich mehr zu verbrauchen, allen voran im Bad: „Im Urlaub ist unser Wasserverbrauch in der Regel deutlich höher. Man geht beispielsweise wesentlich öfter unter die Dusche.“ Aber auch die Swimmingpools und die blühenden Gartenanlagen vieler Hotels sind große Wasserschlucker. Das führe zu großem Wassermangel in vielen Urlaubsregionen, gerade am Mittelmeer, so Reiser.

Neben dem gesteigerten Verbrauch ist auch der hohe Konsum ein Klimafaktor. Beim All-In-Buffet schlagen wir gerne noch ein zweites und drittes Mal zu. Auf dem Speiseplan: Leckereien aus aller Welt, viel Fleisch, viel Fisch – klimafreundlich ist das oft nicht.

Auch die örtliche Natur leidet unter Touristenströmen. „Wir bekommen einen privilegierten Zugang zur Natur, wo wir eigentlich nicht hingehören“, sagt Reiser. Das führe vor allem zu Naturzerstörung und einer großen Müllproblematik. Was viele nicht bedenken, so Reiser: kleine Pflanzensamen, die von Touristen an deren Kleidung in fremde Vegetationen eingeschleppt werden. Die langfristigen Folgen davon seien noch nicht abzusehen.

Eines der prominentesten Beispiele für massive Umweltverschmutzung sei die italienische Lagunenstadt Venedig, die täglich von Abertausenden Touristen besucht werde, so Reiser. Hier gebe es nicht nur ein großes Abwasserproblem verursacht durch den Besucheransturm. Auch die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe, die fast täglich die Stadt anlaufen, hinterlassen nicht nur Dreckwasser, sondern erzeugen hohe Wellen, die den Häusern zu schaffen machen.

Also was tun?

Generell, so der Hochschullehrer, ist es wichtig, dass man sich vor einer Reise Gedanken macht, wenn man möglichst klimafreundlich verreisen will. „Ich muss mich selbst als Person fragen, ob ich will, dass die Welt ein besserer Ort ist oder dass das Leben für viele Menschen schlechter wird.“ So könne man etwa beim Buchen einer Reise auf Nachhaltigkeits-Zertifizierungen achten und sein Verhalten am Urlaubsort ändern. „Viele unserer Gewohnheiten gehen auf Kosten anderer. Es ist nicht schwer, diese zu ändern“, so Reiser. Denn auch kleine Schritte können einen Unterschied ausmachen.

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