Pferdesport

Viele Dinslakener sind traurig über das Aus der Trabrennbahn

Früher standen hier die Massen, heute sind die Zuschauerzahlen bei den Rennen meistens überschaubar.

Foto: Jörg Schimmel

Früher standen hier die Massen, heute sind die Zuschauerzahlen bei den Rennen meistens überschaubar. Foto: Jörg Schimmel

Dinslaken.   Die Trabrennbahn ist ein Aushängeschild für die Stadt. 2022 schließt sie, es soll Wohnraum entstehen. Der Sport steckt schon länger in der Krise.

In der Wetthalle der Dinslakener Trabrennbahn hängt ein Plakat an der Wand: Es zeigt eine Szene des Großen Preis vom Niederrhein. Das Bild ist schwarz-weiß, das Rennen fand 1977 statt. Die Zuschauertribünen vor der Bahn sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine Geldsumme steht auch auf dem Plakat: 110 000 Mark konnten die Traber bei dem Rennen gewinnen. Es ist ein Bild aus anderen Zeiten, aus besseren Zeiten für den Trabrennsport.

In derselben Halle geht es auch heute noch um Geld. Zum ersten Renntag des Jahres sind rund 500 Zuschauer gekommen. Draußen scheint bei schönstem Winterwetter die Sonne. Die Fahrer hocken in ihren Sulkys und bereiten sich und ihre Pferde auf den Wettkampf vor. Drinnen sitzen Männer und Frauen an den Holztischen, fachsimpeln und füllen ihre Tippscheine aus. Auf den Röhrenfernsehern, die an der Wand hängen, werden die Startnummern für das nächste Rennen angezeigt. Die meisten wetten ein paar Euro, es geht um den Spaß, nicht um den Gewinn.

Teurer Unterhalt

Gut möglich, dass nicht wenige Zuschauer, die heute hier sind, schon 1977 auf der Tribüne vor der Halle standen und ehrfürchtig die Kraft der Pferde bewunderten. Die große Mehrheit sind Rentner, nur vereinzelt haben sich junge Gesichter unter die Besucher gemischt.

Es hat sich viel verändert im Trabrennsport. Ums große Geld geht es nicht mehr. 500 Euro bekommt ein Fahrer in Dinslaken für den Sieg. Allein der Unterhalt für ein Rennpferd kostet im Monat das Doppelte. Immer weniger Pferdebesitzer und Züchter können sich den teuren Sport erlauben. „Für einen Besitzer ist es schon sehr gut, wenn das Pferd sich selbst trägt“, sagt Klaus Bette vom Niederrheinischen Trabrennverein Dinslaken. „Geld kann man mit Trabrennen kaum noch verdienen.“

Früher gab es zwei Renntage in der Woche

In Dinslaken hat der Pferdesport Tradition, seit die Rennbahn 1954 eingeweiht wurde, ist sie für die Stadt ein Aushängeschild. Unzählige bedeutende Renntage fanden hier statt. Früher waren es zwei in der Woche, für 2018 sind insgesamt 17 geplant. In vier Jahren ist Schluss damit. 2022 wird der Pachtvertrag mit dem Rennverein vorzeitig aufgelöst, Politik und Verwaltung haben schon lange ein Auge auf das Filetgrundstück in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt geworfen. Vor ein paar Jahren fabulierten Architekten vom Wohnen am See, der hier entstehen sollte. In den neuen Plänen ist vom bezahlbaren Wohnraum die Rede.

Viele Besucher stimmt das feststehende Aus für die Rennbahn traurig. „Das ist schon schade, die Trabrennbahn gehört einfach zu Dinslaken“, sagt Angelika Bergner, die zusammen mit Freunden an einem der Tische in der Wetthalle sitzt – direkt am Fenster, mit bestem Blick auf die Rennen. „Wir kommen immer gerne hierhin und setzen ein paar Euro, es geht um den Spaß“, sagt Bergner. Manfred Ciemniak zieht die frische Januarluft der stickigen Wetthalle vor. Auch er wird die Rennbahn vermissen. „Ich komme seit 40 Jahren hierher und war noch nie woanders“, sagt der Dinslakener. „Wenn die Rennbahn schließt, höre ich auf mit den Pferdewetten.“

Live im Internet

Für Theo Lettgen wird sich im Jahr 2022 ein Kreis schließen. Schon als kleiner Junger war er dem Pferderennsport verbunden, der Dinslakener Trabrennverein wurde in der Gaststätte seiner Eltern gegründet.

Seit vielen Jahren ist Lettgen nun der Vorsitzende des Niederrheinischen Trabrennvereins. Er organisiert die Renntage und hält den Betrieb am Laufen. „Der Niedergang der Trabrennen begann in den 1990er Jahren“, sagt Lettgen. Seitdem kann aus jedem Wett­shop der Welt auf jedes Rennen gewettet werden, in Zeiten des Internets müssen die Spieler noch nicht mal mehr aus dem Haus gehen, die Rennen werden live übertragen. Die Folge: Es kommen immer weniger Zuschauer. „Früher hatten wir an vielen Tagen 5000 bis 6000 Leute hier“, sagt Lettgen. Zwar müssten Wettbüros per Gesetz einen Teil ihres Gewinns an die Trabrennvereine abführen, doch viele unseriöse Anbieter umgingen das, indem sie ihren Hauptsitz in Ländern einrichteten, in denen diese Regelung nicht gelte. „Wir können heute froh sein, wenn die Einnahmen aus einem Renntag den Betrieb der Rennbahn decken“, sagt Lettgen.

Die letzten Rennen an diesem Tag finden unter Flutlicht statt. Die Pferde trotzen der Kälte und ziehen ihre Sulkys mit Kraft und Eleganz über die Bahn – als wären sie auf Schienen unterwegs. Man spürt die Spannung unter den Zuschauern – ein bisschen so wie es im Jahr 1977 gewesen sein muss.

>> NÄCHSTER RENNTAG

Organisator Theo Lettgen will den Rennbetrieb auf jeden Fall bis zum Aus der Rennbahn aufrechterhalten. „Wir veranstalten immer noch mehr Renntage als Mönchengladbach, Düsseldorf und Mülheim zusammen und werden bis zum Schluss Rennen austragen“, sagt Lettgen.

Grundsätzlich begeistere der Trabrennsport auch heute viele Menschen. Zum Silvesterrenntag seien mehrere Tausend Zuschauer gekommen. Auch der NRZ-Familientag, der im Sommer wieder stattfindet, erlebe weiterhin großen Zuspruch. Der nächste reguläre Renntag ist am 25. Februar.

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