Karneval

Von „Alaaf“ über „Helau“ bis „Zoch“ – Das Karnevals-ABC

Der Straßenkarneval in der Region steht vor der Tür.

Der Straßenkarneval in der Region steht vor der Tür.

Foto: Federico Gambarini/dpa

An Rhein und Ruhr.   Wo kann es gefährlich werden, „Helau“ zu rufen? Und wer oder was ist eigentlich ein „Hoppeditz“? Fachvokabeln zum Start der "fünften Jahreszeit".

Das Warten hat bald ein Ende: Am 20. Februar feiern wieder Alt und Jung den Start in den Straßenkarneval. Für alle Ungeübten und Unerfahrenen bedeutet das allerdings: eine stete Gefahr von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten.

Was will das Narrenvolk wirklich, wenn es „Kamelle!“ schreit? Wo kann es gefährlich werden, „Helau“ zu rufen? Und wer oder was sind „Bützje“? Ein kleines Karnevals-ABC, das sich Neu-Karnevalisten in die Taschen ihres Kostüms stecken können, um Peinlichkeiten zu vermeiden.

Alaaf: Ruf der Kölner Karnevalisten. Bedeutet so viel wie „Köln über alles“ und gibt damit das Lebensgefühl der Einheimischen wieder. Aber Vorsicht: Im Düsseldorfer und Mainzer Karneval ist dieser Gruß alles andere als willkommen.

Bützjer: Nicht wundern, wenn Wildfremde Ihnen plötzlich ein Küsschen auf die Wange drücken, denn „bützen“ gehört im Karneval einfach dazu und ist ein absolut unverfängliches Zeichen für Freude und Ausgelassenheit. Nicht wehren, sondern mitmachen.

Clown: Ein roter Punkt auf die Nase, wahlweise ein Schaumstoffaufsatz. Fertig ist das Kostüm aller Kostüme.

Dreigestirn: Regierendes Kölner Triumvirat aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Die Jungfrau wird traditionell von einem Mann gespielt. In Düsseldorf gelten da etwas andere Regeln – siehe Buchstabe P.

Elfter im Elften: Der Tag, dem die Karnevalisten jedes Jahr entgegenfiebern, denn um elf Uhr elf übernehmen sie die Regentschaft. Warum genau dann? Das weiß man nicht.

Funkenmariechen: Weibliches Wesen, das in einer Uniform aus dem 18. Jahrhundert den Körper verrenkt, vom Spagat bis zum Flickflack ist alles bei den jungen Frauen möglich.

Gleichheitsprinzip: Alle Menschen sind gleich – wenigstens im Karneval wird dieses Grundrecht auch gelebt. Herkunft, Stand und Konto spielen in diesen Tagen keine Rolle, jeder feiert mit jedem, vom Chef bis zum untersten Angestellten. Doch leider ist der Spaß ein Spiel auf Zeit – also nicht traurig sein, wenn die Vorgesetzten nach Aschermittwoch plötzlich keine schmutzigen Witze mehr erzählen.

Helau: So rufen die Narren in Düsseldorf und Mainz. Vorsicht: Wird im Kölner Raum sanktioniert.

Hoppeditz: Symbolfigur des Düsseldorfer Karnevals. Am 11.11. wird er aus dem Sarg geholt, damit er hoch vom Jan-Wellem-Denkmal auf dem Düsseldorfer Rathausvorplatz dem amtierenden Stadtoberhaupt ordentlich die Leviten lesen kann. Für jeden Karnevalisten ist es der jecke Ritterschlag, in die Rolle des Hoppeditz schlüpfen zu dürfen. Am Aschermittwoch wird er symbolisch verbrannt.

Insignien: Sobald das Dreigestirn die Insignien in der Hand hält, hat es die Macht über das Narrenvolk. Der Prinz bekommt eine Pritsche, der Bauer trägt die Schlüssel zur Stadt und die Jungfrau bekommt einen Spiegel.

Jecke: Sie wollen nur feiern und sind völlig harmlose „Verrückte“. Als jeck gilt grundsätzlich jeder, der den Karneval feiert – sei es im Kostüm oder eher ungewöhnlich als „Normalo“.

Kamelle: Ursprünglich Karamellbonbons, die aber heute niemand mehr haben will. Das Narrenvolk ruft an Rosenmontag zwar „Kamelle!“, erwartet dafür aber mindestens Schokoladentafeln, Pralinen und Blumensträuße.

Lieder: Jeder kennt sie und jeder kann sie mitsingen, die Karnevalslieder, die man im Zug, an jeder Straßenecke und auf den Veranstaltungen hört. Karneval ohne Musik wäre kein Karneval und so gehört es zum guten Ton mitzuschunkeln und in die Hände zu klatschen.

Motto: Spaß-Parole für jeweils eine Karnevalssession. Zum Beispiel: „Düsseldorf – gemeinsam jeck“.

Nubbel: Eine sehr praktische Erfindung, ideologisch in etwa mit dem Sündenablass der katholischen Kirche zu vergleichen. Auf die Strohfigur werden alle großen und kleinen Fehltritte abgewälzt, die in der Narrenzeit begangen wurden. Unter Wehklagen und mit Trauergesang wird er nach den tollen Tagen verbrannt.

Orden: Karnevalisten behängen sich damit. Einst waren sie dazu gedacht, staatliche und militärische Auszeichnungen ins Lächerliche zu ziehen. Heute werden engagierte Narren mit Orden für ihre Verdienste geschmückt.

Prinzenpaar: Was dem Kölner sein Dreigestirn, ist dem Düsseldorfer sein Prinzenpaar. Prinz Karneval und seine liebliche Venetia sind sozusagen das Chef-Doppel der närrischen Regierung und nehmen auf ihrer Tournee durch die Session die Huldigungen des närrischen Fußvolks entgegen.

Quetschbüggel: Bezeichnung für DAS Karnevalsinstrument neben der „decken Trumm“ – der großen Trommel. Die Ziehharmonika, das Klavier des kleinen Mannes, ist überall mit dabei.

Rosenmontag: Höhepunkt des Straßenkarnevals mit Umzügen, die gefühlte 24 Stunden im Fernsehen übertragen werden.

Schunkeln: Es gehört im Karneval dazu wie das Bützchen. Geschunkelt wird wenn es passt, und bei einem guten Karnevalslied macht der ganze Saal mit. Es gilt also, sich rechts und links einzuhaken und dann in beide Richtungen zu Schunkeln. Tipp: Nicht mitschunkeln kommt gar nicht infrage!

„Tuntenlauf“: Ein Düsseldorfer Event: Am Karnevalssamstag schreiten am frühen Abend als Frauen verkleidete Männer auf High Heels über die Kö. Die Spenden- und Eintrittsgelder werden zugunsten der Aids-Hilfe Düsseldorf e.V. gespendet.

Unfug: Quasi das karnevalistische Grundprinzip. Je mehr Unfug man an den tollen Tagen treibt, umso jecker ist man.

Venedig: Auch in der italienischen Lagunenstadt feiern die Menschen Karneval. Sie verkleiden sich, es gibt aber keinen Zoch durch den Canal Grande.

Weiberfastnacht: Schere nicht vergessen! Am Donnerstag vor Aschermittwoch geht’s den Männern an den Kragen. Als Symbol der Entmachtung kürzen die wilden Weiber jede Krawatte, die ihren Weg kreuzt.

Xenophobie: Fremdenfeindlichkeit hat nicht nur im Karneval nichts verloren.

Yoga: Kann helfen, die Aschermittwoch beginnende Fastenzeit spielend zu überwinden.

Zoch: Wer noch nicht mal weiß, was der Zoch (Umzug) ist, sollte vielleicht doch einen Kurzurlaub statt des wilden Treibens in Erwägung ziehen.

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