Nationalhymne

Von Sprache und Geschlechtern in der heutigen Gesellschaft

Fans der Nationalmannschaft singen voller Leidenschaft die deutsche Nationalhymne.

Fans der Nationalmannschaft singen voller Leidenschaft die deutsche Nationalhymne.

Foto: Rene Tillmann/dpa

Essen.   Die Forderung die Hymne zu ändern, entzündet eine kontroverse Debatte. Ein Sprachwissenschaftler und eine Gleichstellungsbeauftragte äußern sich.

Das hat gescheppert. Vermutlich ist Kristin Rose-Möhring, die Gleichstellungsbeauftragte des Bundesfamilienministeriums, über die heftige Resonanz auf ihren Vorschlag doch überrascht. Immerhin, die Forderung nach Änderungen im Text der Hymne hat eine breite Diskussion ausgelöst. Und sie hat auch kompetente Befürworter.

Etwa Petra Hommers, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Wesel: „Ich finde es richtig, dass Frauen und Männer gemeinsam angesprochen werden sollten, da es um beide geht.“ Generell ist sie dafür, altes Kulturgut zu überprüfen und die Texte bei Bedarf in geschlechtergerechte Sprache umzuwandeln.

Rollenbilder müssten überdacht werden

Durch die maskulinen Schreibformen entstünden häufiger festgeschriebene Rollenbilder: „Der Mann als Held und die Frau, die gerettet werden muss“, sagt Hommers. Das müsse überdacht werden. „Aber natürlich darf durch Änderungen nichts verfälscht werden, es muss geschichtlich nachgewiesen sein“, betont Hommers.

Selbst setze sie sich als Gleichstellungsbeauftragte sehr für die geschlechtergerechte Sprache ein. „Vor rund zehn Jahren wurde in der Kreisverwaltung ein Leitfaden erstellt“, so Hommers. Darin ist festgehalten, dass möglichst oft Frau und Mann direkt angesprochen oder aber geschlechterneutrale Begriffe benutzt werden.

Zum Beispiel werde nicht mehr das Wort Teilnehmerliste verwendet, sondern Teilnahmeliste. Auch werde häufiger mit Schrägstrichen gearbeitet, wie bei Mitarbeiter-/innen. Alle Dokumente seien in geschlechtergerechte Sprache verfasst.

Forderung werde dem Zeitgeist nicht gerecht

Eine ganz andere Meinung als Petra Hommers hat da aber der Linguist Professor Peter Eisenberg aus Potsdam: „Mit der Forderung tut Frau Möhring so, als hätte Deutschland keine Geschichte“. Es werde dem damaligen Zeitgeist nicht gerecht. „Wir sollten uns darauf konzentrieren, die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft zu erreichen. Das passiert nicht durch die Manipulation der deutschen Sprache.“

Die generische Maskulinform mit „-er“ sei eine elegante Lösung, um alle anzusprechen, wie bei dem Plural „Künstler“. Jeder wisse, dass damit alle gemeint seien. Dabei sei die generische Maskulinform nicht mit der männlichen Form gleichzusetzen. Es ändern zu wollen, „ist ein Angriff auf die Grammatik!“ Auch könne durch neutrale Begriffe die Bedeutung verzerrt werden: „Trinkende bedeutet etwas anderes als Trinker.“

Mehrheit lehnt geschlechterneutrale Sprache ab

Auch die Mehrheit der Erwachsenen lehnt die geschlechtergerechte Sprache in Deutschland ab. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur aus dem Herbst 2017. So gaben knapp ein Drittel(32 Prozent) aller Befragten an, „nie“ geschlechtsneutrale Wörter im Schriftverkehr zu benutzen. „Selten“ sagen 37 Prozent, „häufig“ 14 Prozent. Etwa fünf Prozent würden es „immer“ tun.

Beim Binnen-I oder Sternchen(StudentenIinnen, Schüler*innen) verweigern sich 19 Prozent komplett, 23 Prozent „eher“. Dafür sind 14 Prozent „voll und ganz“ dabei, 23 Prozent befürworten es „eher“.

>>>INFO: Entscheidung über die Änderung der Hymne

Weder der Text noch die Melodie der Nationalhymne sind urheberrechtlich geschützt, da das Recht 70 Jahre nach dem Tod erlischt. Weil keine gesetzlichen Regelungen zum Lied existieren, ist die Zuständigkeit über die Änderung des Textes durch Gerichte bisher nicht geklärt. In der kontroversen Diskussion setzt sich die Mehrheit dafür ein, dass der Bundespräsident eine Änderung vornehmen darf.

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