An Rhein und Ruhr.

Wenn die Schweigepflicht zur Last wird

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An Rhein und Ruhr. Die zahlreichen Opfer von häuslicher Gewalt zu entdecken und ihnen zu helfen, ist schwierig. Denn nur selten kommen die Misshandlungsopfer mit frischen Verletzungen in eine Notfallpraxis. Dann gelte es, den Vorfall so zu dokumentieren, dass die Befunde später vor Gericht verwertbar sind. Oft jedoch sind die Folgen -- zumal von psychischer Misshandlung – weit schwerer zu entdecken. Denn statt des berühmten Veilchens und der Blutergüsse, die angeblich entstanden sind, weil das Opfer die Treppe heruntergefallen ist, kommen viele Betroffene mit unklaren Symptomen zum Arzt: Unterleibsbeschwerden, Ängste, Depressionen, Schlaf- und Appetitlosigkeit. Nur eine sensible und ohne Terminhetze vorgenommene Befragung gebe den Traumatisierten die Chance, sich zu öffnen, erklärten Experten gestern in Düsseldorf.

Diskutiert wird derzeit in Ärztekreisen, inwieweit die Schweigepflicht Fluch oder Segen ist. Klar ist: Besteht Gefahr für Leib und Leben, darf der Arzt die Polizei benachrichtigen. Und er darf das Jugendamt verständigen, wenn er davon ausgehen muss, dass einem Kind erhebliche Misshandlungen zugefügt werden. Teile der Ärzteschaft plädieren dafür, die Schweigepflicht zumindest so weit zu lockern, dass Medizinerkollegen auf den Verdacht von Misshandlungen aufmerksam gemacht werden dürfen.

Marion Steffens, Leiterin des NRW-Kompetenzzentrums Frauen und Gesundheit in Bochum, sprach sich hingegen gegen jede Aufweichung der Schweigepflicht aus. Gerade misshandelte Frauen müssten die Erfahrung machen, dass sie selbstbestimmt entscheiden können. Um die Situation der Opfer von Gewalterfahrungen dennoch zu verbessern, läuft in fünf Regionen NRWs derzeit ein Modellversuch, in dem Hilfsorganisationen, Therapeuten, Behörden und Mediziner gemeinsam Angebote für Betroffene bündeln und so für schnelle Hilfe sorgen wollen. Erste Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen.

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