Air-Berlin-Krise

Wie die Air-Berlin-Insolvenz Kunden verzweifeln lässt

Ein Flugzeug von Air Berlin.

Ein Flugzeug von Air Berlin.

An Rhein und Ruhr.   Weil die Flüge gestrichen wurden, muss ein Paar aus Mülheim kurzfristig umbuchen – Geld zurück gibt es nicht. Die neuen Tickets kosten 1400 Euro.

Nach 100 Minuten in der Warteschleife hätte Marina Demirciyan am liebsten ihr Telefon in die Ecke geschleudert. Spätestens dann, als die Computerstimme am anderen Ende der Leitung das nie stattgefundene Gespräch für beendet erklärte. Es hätte ja ohnehin nichts genützt: Ihr Flug mit der mitten im Insolvenz-Verfahren steckenden Air Berlin ist unwiderruflich gestrichen.

Eigentlich wollte die 31 Jahre alte Mülheimerin heute mit ihrem Mann Alex in den Urlaub fliegen. Zwei Wochen USA, erst zu Freunden und Familie nach Los Angeles, dann San Francisco, Yosemite-Nationalpark und Las Vegas. „Es ist unsere erste Reise in die USA, wir freuen uns schon lange drauf“, sagt die Sozialarbeiterin.

Die Strecke wird sofort gestrichen

Am Montagmittag geht es in der Hauptstadt um die Zukunft der Fluggesellschaft, gleichzeitig wird bekannt: Bis zum 15. Oktober stellt die Airline ihr komplettes Langstreckenangebot ein, weil sich kein Interessent fand und sie ihre geleasten Flugzeuge zurückgeben muss. Eine der Ausnahmen: Die tägliche Verbindung von Düsseldorf nach Los Angeles wird mit sofortiger Wirkung gestrichen.

In diesem Flieger hätte das Ehepaar heute sitzen sollen. Bis zuletzt hatten die Mülheimer bei all den Irrungen und Wirrungen um Air Berlin darauf gehofft, dass sie doch irgendwie mit einem blauen Auge davonkommen werden. Bis Marina Demirciyan nach der Arbeit die E-Mail mit dem lange befürchteten Satz in ihrem Postfach anklickt: „Ihr Flug wurde gestrichen.“

„Wir waren erst verunsichert, später wütend und enttäuscht“, erzählt die 31-Jährige. Bei der Fluggesellschaft erreicht sie bis in den späten Abend niemanden, nach einer fast schlaflosen Nacht findet sie die Lücke in der Hotline. Die einfache Antwort: Umbuchen geht nicht – und Geld zurück gibt’s auch nicht.

Wenig Hoffnung für Verbraucher

So kommuniziert die Airline es schon seit einigen Wochen: Wer vor dem 15. August (also vor der Bekanntgabe der Insolvenz) sein Ticket gekauft hat, sieht erstmal keinen Cent. Das Unternehmen beruft sich auf „insolvenzrechtliche Bestimmungen“.

Was genau damit gemeint sein soll, wissen selbst Reiserecht-Experten wie Beate Wagner von der Verbraucherzentrale NRW nicht. „Diese Aussage ist rein rechtlich nicht zu erklären“, sagt Wagner.

Trotzdem macht die Verbraucherschützerin allen Ticket-Besitzern wenig Hoffnung. „Dass sie ihr Geld zurückbekommen, ist absolut nicht realistisch.“ Aus Verbrauchersicht sind Insolvenzverfahren immer ein riesiges Problem, denn vom übrig gebliebenen Geld müssen die Firmen erstmal ihre Gläubiger bedienen – da bleibt für den normalen Kunden am Ende in der Regel nichts mehr übrig.

Keine Einzelfälle

Das gilt vor allem für diejenigen, die direkt bei Air Berlin gebucht haben. Bei Pauschalreisen müssen die Veranstalter für einen Ersatz sorgen. Marina und Alex Demirciyan sind natürlich keine Einzelfälle. Als Air Berlin am Montag seinen Plan für die Fernflüge im sozialen Netzwerk Facebook ankündigt, schreiben hunderte Menschen in die Kommentarspalten. Viele sind wütend, wollen wissen was mit ihren gebuchten Tickets passiert.

Die gute Nachricht für das Ehepaar: Sie haben noch freie Verbindungen bei einer anderen Fluggesellschaft gefunden: Morgen geht es für sie doch in die USA. Allerdings: 1400 Euro vom Reisebudget gehen für die neuen Flüge drauf.

Auch für Hanna Maruhn aus Essen hat das Air Berlin-Desaster Folgen: Im November wird sie in Florida heiraten, längst ist klar, dass dann ihr gebuchter Flieger der Fluggesellschaft nicht mehr in die USA fliegt. Die 33-Jährige hat nun bei einer anderen Gesellschaft gebucht: 1800 Euro kostet das ihre junge Familie zusätzlich.

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