Infrastruktur

Wie die Niederlande Staus auf Autobahnen vermeiden will

Auf den niederländischen Autobahnen werden Baustellen nur selten tagsüber betrieben.

Foto: Imago

Auf den niederländischen Autobahnen werden Baustellen nur selten tagsüber betrieben. Foto: Imago

An Rhein und Ruhr/Niederlande.   Baustellen auf wichtigen Verkehrsachsen gibt es nur nachts und in den Ferien. Das Land investierte zudem viel Geld in die Infrastruktur.

Kann man von den Niederländern lernen, wie man lange Baustellen und damit Staus vermeidet? Johan Teunisse, der gerade die Messe „Infratech“ in Essen organisiert, kann zumindest einige Ratschläge geben. Auf Nachfrage der NRZ, was denn in unserem Nachbarland anders laufe, meint Johan Teunisse: „Die Niederlande haben von 2008 bis 2015 eine Menge Geld in Infrastruktur investiert. Damals wollte man vor allem Menschen in Arbeit bringen. Das war das Hauptmotiv.“ Doch gleichzeitig wurde die Organisation der Behörden verändert, die die Bauarbeiten planen und genehmigen, sagt er.

„So gibt es etwa keine Baustellen auf wichtigen Verkehrsachsen während des Tages. Die A15 zum Europoort in Rotterdam hat tagsüber alle Spuren geöffnet; nur in der Nacht oder am Wochenende kann eine Spur für Bauarbeiten geschlossen werden“, so Teunisse. „Außerdem haben wir uns gefragt, warum eine Baustelle immer kilometerlang sein muss, wenn doch nur stets auf einem kleinen Stück gearbeitet wird. Seitdem wird bei uns immer nur ein kleiner Teil abgesperrt. Und zwar da, wo gerade wirklich gebaut wird.“

Geht nicht um das billigste Angebot

Veränderungen habe man auch bei den Ausschreibungen auf den Weg gebracht: „Wenn etwa eine Brücke neu gebaut wird, dann sagt und verlangt unsere Behörde, welche Aspekte der Sicherheit, der Kapazitäten aber auch der späteren Instandhaltung zu beachten sind. Dann geht es nicht um das billigste Angebot, sondern um das, was nachher die geringsten Folgekosten hat. Da geht es dann um bessere Materialien, nicht um den geringsten Preis.“

Diese Aussagen sind sicher Wasser auf die Mühlen jener, die in den letzten Tagen kritisierten, dass für den Bau der neuen Rheinbrücken (A1 in Leverkusen und A40 bei Duisburg) Stahl aus China eingesetzt werden soll – obgleich Stahlwerke gleich nebenan Stahl produzieren.

Aber auch das Thema Planung und Genehmigung wird hierzulande stark diskutiert. Weil in der Vergangenheit viele Stellen in den Behörden abgebaut wurden, fehlen heute Ingenieure. Erst Anfang der Woche legte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst einen „Masterplan“ für die Fernstraßen vor: Bis 2030 sollen 20 Milliarden Euro aus Bundesmitteln für den Ausbau in NRW ausgegeben werden. Das ist sicher eine gute Investition; bedeutet aber auch: dauerhaft viele Baustellen. Wenn man hier von den Niederländern lernen könnte, würde das bestimmt nicht nur die Pendler freuen.

Auf der Messe Infratech tauschen sich Experten und Unternehmen aus, die sich mit Straßenbau, Technik, Schienennetzen, Wasserwegen und anderer Infrastruktur beschäftigen. Minister Wüst lobte bei der Eröffnung die Akteure: „Ich bin gespannt auf die technischen Innovationen für eine zukunftsfähige Infrastruktur.“

>> 218 AUSSTELLER SIND DABEI

Die Messe Infratech läuft mittlerweile zum dritten Mal in der Messe Essen. Sie ist bis zum Freitag geöffnet. Einfach unter www.infratech.de registrieren, dann erhält man eine Eintrittskarte. Auf der Infratech präsentieren sich 218 Aussteller aus allen Bereichen, meistens handelt es sich um Unternehmen des Tief- und Straßenbaus.

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