Genießen

Zu Besuch bei der Tee-Sommelière in Bislich

Thea Clostermann (im Bild mit Tochter Leslie) ist Tee-Sommelière.

Thea Clostermann (im Bild mit Tochter Leslie) ist Tee-Sommelière.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Wesel.  Auf dem im Jahr 1867 erbauten Neuhollandshof in Wesel steht ein Teehaus. Thea Clostermann hat eine Oase des Genusses geschaffen.

Tee wärmt die Seele – und das nicht nur an bitterkalten Februartagen wie diesen. Thea Clostermann schüttet in ihrem kleinen Teehaus deswegen erst einmal ein Tässchen Grünen Tee auf. Sie ist eine der ganz wenigen Tee-Sommelières in NRW. Viele kennen den Sommelier aus der Spitzengastronomie. Er gibt dem Gast eine Empfehlung, welcher Wein besonders gut zum Essen passt. Frau Clostermann ist so eine Geschmacks-Expertin für Tees und gibt sogar Seminare dazu.

Seit acht Jahren gibt es auf dem Neuhollandshof der Familie Clostermann in Wesel-Bislich ein Teehaus als Ort der Ruhe. „Unser Obstbaubetrieb und unser Hofladen bestehen ja schon lange“, erzählt Thea Clostermann, die vor 26 Jahren zu ihrem Mann auf den Hof in Bislich zog. „Der Apfel ist unser Herzstück und das Teehaus haben wir geschaffen als einen gemütlichen Ort zum Genießen und Lernen“, so Clostermann.

Teezeremonie auf japanische und chinesische Art

Gemeinsam mit bis zu 30 Teilnehmern veranstaltet die Tee-Sommelière hier Teezeremonien auf japanische, chinesische und ostfriesische Art. „Bei meinen Seminaren geht es aber überhaupt nicht förmlich zu“, erzählt die Hausherrin. Vielmehr gehe es darum, etwas über Tee zu erfahren, über seine Herkunft, seinen Anbau und verschiedene Sorten. „Tee ist ein Kulturgut“, meint Clostermann. Sie führt am liebsten die japanische Zeremonie durch, bei der der Gastgeber zuerst trinkt. Clostermann füllt dazu das Matcha-Pulver erst in eine Keramikschale, in der das Pulver mit einem kleinen Bambusbesen mit heißem Wasser angerührt wird. Beim Rühren sollte man mit dem Besen an der Oberfläche bleiben. „Je feiner der Schaum ist, desto angenehmer ist das Trinkgefühl“, erklärt Clostermann. Das Matcha-Pulver ist in Japan schon seit langer Zeit für seine positive Wirkung auf Körper und Geist bekannt.

In Clostermanns Teesalon gibt es dazu stets auch ein landestypisches Häppchen. „Scones, Croissants, Schmalzgebäck oder andere Leckereien stehen bereit“, so Clostermann. Oft werden auch literarische Fundstücke aus den jeweiligen Ländern vorgelesen. Zur ostfriesischen Teezeremonie werden Kluntjes, also Kandiszuckerstückchen, gereicht.

Die naturwissenschaftliche Seite des Tees

Das große Interesse an dem Heißgetränk entwickelte sich bei Clostermann über Jahre. „Ich wollte wissen, welche Temperatur Tee braucht, wie er angebaut wird und welche Zubereitungsvariationen es gibt.“ Clostermann informierte sich über die Ausbildung zur Tee-Sommelière und meldete sich an. „Das war wie eine Offenbarung, genau das Richtige für mich“, so die Weselerin. Eineinhalb Jahre fuhr sie zu Seminaren nach Bamberg, wo sie alles über die naturwissenschaftliche Seite des Tees lernte, aber auch die Teekultur entdeckte.

Schnell entstand gemeinsam mit ihrer Tochter Leslie und ihrem Mann Rolf die Idee zum Teehaus, wo es seitdem um „die Freude am Miteinander“ geht. „Es macht mir riesigen Spaß“, erzählt Clostermann. Wenn sie im Urlaub ist, lässt sie sich stets von fremden Teekulturen inspirieren. Ihre Erlebnisse gibt sie zu Hause an ihre Gäste weiter. Besucher sollten sich vorher ankündigen.

Vorträge und Diskussionen

Ihre Besucher können auf dem 1867 erbauten Hof ohnehin einiges erleben. Neben dem Hofladen gibt es auch noch das Kulturforum. Dort finden Vorträge zu verschiedensten historischen und philosophischen Themen statt. Professoren der Folkwang Universität Essen führen diese Diskussionen ebenso wie Rolf Clostermann selbst. „Mein Mann ist geschichtlich sehr interessiert“, erklärt Thea Clostermann. Für die Impulsvorträge können sich Interessierte jederzeit anmelden.

Und wer das alles nicht an einem Tag schafft: Bei Familie Clostermann können die Besucher auch übernachten. Das kleine Bed & Breakfast ist im Obergeschoss des Teehauses untergebracht, morgens erhalten die Gäste ein kräftigendes biologisches Frühstück. Und natürlich eine frisch gebrühte Tasse Tee.

Der Bauernhof- und Landcaféführer für den Niederrhein

Wer gerne am Niederrhein unterwegs ist, ein gutes Stück Kuchen und eine leckere Tasse Kaffee mag, dem sei unser beliebter Bauernhof- und Landcaféführer ans Herz gelegt.

Der Titel: „Hereinspaziert 2018 - Landcafés, Hofläden und Bauernmärkte am Niederrhein“, Herausgeberin: Heike Waldor-Schäfer, erschienen im Klartext-Verlag Essen.

Das Buch kostet 8,95 Euro. Enthalten sind 34 Rabatt-Gutscheine für Café-Besuche und Bauernmärkte. Mit dem Kauf unterstützen Sie soziale Einrichtungen der Region.

Erhältlich ist „Hereinspaziert 2018“ im Buchhandel sowie in unseren Leserläden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben