Games-Kritik

Der Dämonen-Jäger des Shoguns

Lernt im feudalen Japan den Umgang mit Katana, Magie und Geistwesen: der britische Immigrant William Adams im Action-Mix "Nioh".

Lernt im feudalen Japan den Umgang mit Katana, Magie und Geistwesen: der britische Immigrant William Adams im Action-Mix "Nioh".

Monster-Häscher im alten Japan: Koei Tecmo und Team Ninja interpretieren die bekannte "Shogun"-Geschichte sehr frei.

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Leben und sterben wie bei "Dark Souls", kämpfen und fluchen wie bei "Ninja Gaiden", Beute sammeln wie bei "Diablo" und ein Held, der dem "Witcher" ziemlich ähnlich sieht: Koei Tecmo und Team Ninja interpretieren die bekannte Geschichte des britischen Samurai William Adams als bunt zusammengewürfeltes Fantasy-Gemetzel - sehr frei nach Akira Kurosawa und James Clavell. Das Ergebnis: "Nioh", ein komplexer Genre-Mix, der bereits 2004 angekündigt wurde und nun endlich für PS4 erscheint.

Um 1600 herum wird der britische Navigator William Adams an die japanische Küste gespült: Anfangs fremdelt der Engländer noch in seiner neuen Heimat, doch bald avanciert er zum ersten westlichen Samurai und persönlichen Berater von Shogun Tokugawa. Adams Leben war das Vorbild für James Clavells historisch inspirierten Erfolgs-Roman "Shogun", Meister-Regisseur Akira Kurosawa ("Die Sieben Samurai") war es ein unvollendetes Film-Skript wert. Das wiederum diente Koei Tecmo und den Action-Spezialisten von Team Ninja als Inspirationsquelle für "Nioh": Der Action-Titel ist über zehn Jahre nach dem Projektstartschuss nun fertig - allerdings wurde aus dem mutmaßlichen PS3-Starttitel inzwischen ein PS4-exklusives, beinhartes Samurai-Geschlitze mit frustrierend hohem Schwierigkeitsgrad.

Auch im Spiel wird Seebär William an die japanische Küste gespült, um sich zunächst zaghaft mit den Kampfkünsten der Samurai vertraut zu machen und schließlich Missionen für Shogun Tokugawa zu erledigen. Damit haben sich die Parallelen zur historischen Figur aber schon erschöpft: Team Ninjas blonder Samurai kämpft sich nicht nur durch Horden von einheimischen Banditen, sondern zieht in erster Linie gegen miefende Untote und Dämonen-Gesocks zu Felde. Dabei ist der Kampf gegen die infernalischen Bewohner des Inselreichs eine einzige, knallharte Herausforderung.

Fällt Held William zum Beispiel dem Ansturm seiner säbelrasselnden Feinde zum Opfer, hinterlässt er all seine gesammelten Habseligkeiten am Ort des Ablebens. Mit dabei: die von toten Feinden gewonnene "Amrita"-Energie - harte Spiel-Währung, die gegen neue Charakter-Stufen und verbesserte Fähigkeiten getauscht wird. Will der Schwertschwinger die mühsam erkämpfte Beute zurückerobern, muss er sich nach seinem Wiedereintritt sputen - sonst verflüchtigen sich die Besitztümer wieder.

Besser also, der Spieler macht sich so schnell wie möglich mit dem komplexen Kampfsystem vertraut: So muss der wackere Kämpfer den Einsatz von drei verschiedenen Grundhaltungen trainieren, das richtige Ausweichen meistern, den Umgang mit Fernkampfwaffen wie Bogen oder Zunderbüchse erlernen und obendrein den Umgang mit "lebendigen Waffen" verinnerlichen - Spezial-Attacken, bei denen die herkömmliche Klinge mit einem mächtigen Geistwesen gekoppelt wird.

Wer all das in mühsamen Stunden perfektioniert und den richtigen Rhythmus zwischen Ausdauer-Verbrauch sowie -Regeneration findet, überlebt vielleicht lange genug. Doch trotz des happigen Schwierigkeitsgrades gilt: "Nioh" ist um einiges verzeihlicher als das große Vorbild - versierte "Dark Souls"-Spieler finden sich deshalb schnell zurecht.

Leider bleibt Team Ninjas Dämonen-Jagd inszenatorisch hinter dem großen Vorbild zurück: Die PS3-Herkunft sieht man "Nioh" deutlich an, sogar die PS4-Pro-Fassung mit einem Extra-Modus für verbesserte Grafik leidet unter groben Texturen und detailarmen Schlauch-Level. Obendrein erweist sich die Kamera gerade in engen Räumen als extrem behäbig und widerspenstig. Hier verschaffen hoffentlich baldige Updates Abhilfe.

Ausgehungerte Fans der "Dark Souls"- und "Bloodborne"-Gangart freuen sich über das komplexe Kampfsystem und die damit einhergehende Herausforderung. Wer allerdings frustriert das Gamepad in die Ecke pfeffert, weil ein, zwei Streiche eines Bossgegners reichen, um ein "Game Over" zu provozieren, sucht lieber das Weite.

Spielname Nioh
Hersteller Tecmo Koei
Vertrieb Sony
Genre
Erhältlich ab 08.02.2017
Bewertung Gesamt gut
System PS4
Provider teleschau