Basketball-Pokalsieger

"So tickt er": Alba-Coach Aito mit selbstloser Pokal-Freude

Aito geht es vor allem um die Entwicklung der Spieler.

Aito geht es vor allem um die Entwicklung der Spieler.

Foto: dpa

Berlin  Im sechsten Final-Anlauf feiert Alba-Trainer Aito seinen ersten Titel in Deutschland. Auch im Moment des Triumphs bleibt der Spanier seiner Linie treu. Das Ende des Endspiel-Traumas soll eine Initialzündung sein.

Zwei Minuten vor Mitternacht verließ Aito Garcia Reneses die kleine Pokalparty von Alba Berlin in der Mercedes-Benz-Arena.

Auch sein erster Titelgewinn in Deutschland führte bei dem 73 Jahre alten Trainer-Routinier nicht zu öffentlichem Überschwang. Stattdessen blieb der Spanier selbst im Moment des ersehnten Triumphs beim 89:67 gegen die EWE Baskets Oldenburg seinem pädagogischen Lehransatz treu.

"Er war super glücklich für die Spieler", sagte Sportdirektor Himar Ojeda und berichtete über Aitos Verhalten kurz vor Ende der Partie. "Er hat mir gesagt: "Wow, wie die Jungs gespielt haben!" Er hat es wie ein Fan genossen, er hat so geredet, als ob er gar nicht involviert wäre. Und das sagt viel über ihn aus, so tickt er."

Mehr als 20 Titel und Medaillen hat Aito in seiner langen Karriere als Basketball-Coach gesammelt. Doch definiert hat sich die Legende noch nie über Errungenschaften. "Das ist für mich nicht so wichtig", betonte er nun auch am späten Sonntagabend. "Ich weiß, dass es für die Menschen wichtig ist, ich freue mich für sie."

In fünf Endspiele und Finalserien in der Bundesliga, im Pokal und Eurocup hatte Aito zuvor Alba geführt, seitdem er im Sommer 2017 zum Hauptstadtclub gekommen war. Vor heimischer Kulisse überwand seine Mannschaft nun das Endspiel-Trauma und sicherte sich den ersten Titel seit vier Jahren. Mit einer Änderung der Verteidigungsstrategie gab das Trainerteam dabei nach wackliger erster Halbzeit den entscheidenden Impuls für den am Ende souveränen Erfolg.

Bereitwillig ließ sich Aito in der Kabine neben Marco Baldi mit der Hand an der silbernen Trophäe fotografieren. "Er hat einen großen Entwicklungsgeist. Er möchte, dass Dinge wachsen", charakterisierte Geschäftsführer Baldi seinen Trainer. "Er würde niemals Dinge erfinden, um einen Titel zu gewinnen, wenn er weiß, dass es morgen nicht mehr geht. Das ist seine ganz große Qualität. Er hat eine nach außen wirkende Gelassenheit. Er definiert sich nicht darüber. Was heute passiert, das verändert nicht sein Leben."

Doch aus dem insgesamt zehnten Pokaltriumph, durch den Alba mit Rekordsieger Bayer 04 Leverkusen gleichzog, erhofft sich auch Aito einen Effekt für die weitere Saison. In der Bundesliga wartet Alba bereits seit 2008 auf die neunte Meisterschaft, liegt nach gut der Hälfte der regulären Saison auf dem dritten Rang der Tabelle.

Gerade für die unerfahreneren Spieler der Berliner, die zuvor noch nie einen Titel gewonnen hatten, soll der Pokal eine Initialzündung sein. "Die Jungen gehen zum Bäcker und der Bäcker sagt: "Hey, du hast ja gewonnen und nicht schon wieder verloren." Wenn du ein Finale verlierst, hast du trotzdem verloren, obwohl du was erreicht hast", sagte Baldi. "Das spüren die jungen Spieler und das hilft ihnen. Das ist eine Bestätigung dessen, was sie tun."

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