Der Ersatztorwart vom Ersatztorwart...

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Weil man es mir offenbar nicht zutraut, zusammenhängende Sätze zu schreiben, darf ich in letzter Zeit in gänzlich unbekannten Literaturmagazinen oder in Programmheften von Buchfestivals immer häufiger Fragebögen ausfüllen, bei denen nur Antworten von wenigen Worten erwartet werden. Unlängst stellte man mir dort auch die Frage: Was war Ihre größte sportliche Leistung?

Ich war versucht, mit bierernstem Stolz hinzuschreiben: „Ich war in der B-Jugend-Bezirksauswahl Wiesbaden der Ersatztorwart hinter Berthold Adeweldt, der später beim FSV Frankfurt Ersatztorwart hinter Thomas Ernst werden sollte, der zuvor sieben Jahre Ersatztorwart bei Eintracht Frankfurt gewesen war.“ Weil ich aber vermutete, der eine oder andere Programmheft-Leser könnte diese enorme Leistung nicht genug schätzen, beantwortete ich die Frage nach meinem herausragenden sportlichen Erfolg dann doch so: „Ich war Hans Meyers größte Fehleinschätzung.“

Hans Meyer, einst Bundesligatrainer in Mönchengladbach und Berlin, DFB-Pokalsieger mit dem 1. FC Nürnberg, trainierte nebenbei auch einmal die deutsche Schriftsteller-Nationalelf. Ich wollte ins Tor. Er stellte mich im WM-Finale als Sonderbewacher für einen schwedischen Kinderbuchautor ins Mittelfeld. Der Kinderbuchautor, stellte sich heraus, hieß Niclas Kindvall und hatte im früheren Leben als Profifußballer beim Hamburger SV gespielt. Wir verloren das WM-Finale 0:5. Einen Spielbericht braucht es vermutlich nicht – Sie werden ahnen, welche Rolle Kindvall spielte.

Bei der nächsten Schriftsteller-WM war Hans Meyer nicht mehr unser Trainer. Ich vermute, er hat sich selbst entlassen.

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