Fußball

Der FC Barcelona und seine streikenden Profis

Verschließt die Augen vor seinen Pflichten und fehlt beim Training: Neymar.

Verschließt die Augen vor seinen Pflichten und fehlt beim Training: Neymar.

Foto: Reuters

Barcelona/Essen.  Paris-Superstar Neymar will zurück zum FC Barcelona und ergreift fragwürdige Maßnahmen. Das ist kein Einzelfall.

Fußball-Superstar? Auf jeden Fall. Brasilianisches Idol? Ebenso. Neymar ist vieles, aber sicher kein Rechtswissenschaftler. Denn Artikel 28, Absatz II der spanischen Verfassung hat er falsch verstanden. Dort festgeschrieben: das Streikrecht. Vielleicht gilt das auch für die Funktionäre des großen spanischen Klubs FC Barcelona.

Der 27-Jährige fehlte jedenfalls am Montag unentschuldigt beim Training seines derzeitigen Arbeitgebers Paris Saint-Germain. „Neymar war zur vereinbarten Zeit nicht am Treffpunkt erschienen, ohne zuvor vom Klub eine Erlaubnis eingeholt zu haben“, hieß es in einer Mitteilung des Vereins. Die Version des Brasilianers geht anders: Laut Neymars Vater sei PSG durchaus informiert gewesen, dass der Nationalspieler erst am 15. Juli zum Team von Trainer Thomas Tuchel zurückkehrt. Kein Geheimnis ist, dass Neymar darauf eh nicht so wirklich Lust hat. Am liebsten würde er wieder nach Barcelona wechseln – dort wo er schon zwischen 2013 und 2017 bereits unter Vertrag gestanden hatte, ehe er vor zwei Jahren für 222 Millionen Euro zum französischen Serienmeister ging. Und bei einem entsprechenden Angebot darf er das auch, wie der Pariser Sportdirektor Leonardo am Dienstag erklärte.

Auch Griezmann will weg aus Madrid

Der FC Barcelona profitiert vom fragwürdigen Verhalten des Superstars. Und der nächste steht schon bereit. Frankreichs Spitzenstürmer Antoine Griezmann (28) schwänzte mit Ankündigung den Trainingsauftakt seines Klubs Atlético Madrid. Er sei sogar bereit, die in seinem Vertrag festgeschriebene Ablösesumme von 120 Millionen Euro selbst zu bezahlen, um künftig das blau-rote Trikot der Katalanen tragen zu dürfen.

Immer noch präsent in Deutschland ist vor allem die Posse um Ousmane Dembélé. Der ehemalige BVB-Star war im Sommer 2017 in den Streik getreten, blieb nach der Sommerpause einfach in seiner Heimat Frankreich, um seinen Wechsel zu forcieren: zum FC Barcelona. „Was hätte ich sonst machen sollen? Barcelona ein zweites Mal absagen sollen? Das wäre für mich unmöglich gewesen“, begründete der 22 Jahre alte Dembélé in einem Interview mit der spanischen Zeitung „Sport“ sein Verhalten.

Plötzliche Verletzungen stoppen Coutinho

Und dann wäre da noch der seltsame Fall des Philippe Coutinho. Der Brasilianer stand bis Januar 2018 beim FC Liverpool unter Vertrag. Bereits ein halbes Jahr zuvor wollte der heute 27-Jährige unbedingt nach Barcelona wechseln, weil er dort bessere Chancen für einen Champions-League-Triumph sah. Das machte Coutinho auch unmissverständlich klar, als er seinem Trainer Jürgen Klopp in der Sommerpause mitteilte, nie wieder für Liverpool aufzulaufen. Er nahm sogar in Kauf, nicht für die Weltmeisterschaft in Russland nominiert zu werden, nach dem Motto: Lieber gar nicht spielen als für die Reds.

Ganz durchziehen konnte er das nicht, obwohl er noch den Saisonstart offiziell wegen Rückenproblemen verpasst hatte. In 14 Premier-League-Spielen erzielte Coutinho anschließend sieben Tore und sechs Vorlagen. Doch im Januar zwickte plötzlich die Leiste, der Brasilianer fiel für vier Spiele aus. Zufälle gibt’s: Eine Woche später durfte Coutinho für 145 Millionen Euro endlich zum FC Barcelona wechseln.

Eineinhalb Jahre später gewinnt der FC Liverpool übrigens die Champions League. Im Halbfinale verspielt Barcelona – mit Coutinho in der Startformation – noch einen 3:0-Heimerfolg aus dem Hinspiel – gegen Liverpool.

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