Schwimm-WM

Die Hoffnungen der Schwimmer ruhen auf dem Traumpaar

Folrian Wellbrock und Sarah Köhler

Folrian Wellbrock und Sarah Köhler

Foto: Fotos: Köhler/Instagram

Gwangju/Köln.  Sarah Köhler und Florian Wellbrock sind Weltmeister im Freiwasserschwimmen. Nun sollen sie bei der WM in Südkorea im Becken für Erfolge sorgen.

Regen von Yeosu nahm Florian Wellbrock seine Freundin Sarah Köhler freudestrahlend in den Arm und gratulierte zum WM-Triumph mit der Freiwasserstaffel. Der neue Vorzeigeschwimmer Wellbrock verzichtete nach seinem Sieg über zehn Kilometer am Dienstag ebenso auf das Glas Sekt im Teamhotel wie seine Freundin zwei Tage später nach dem goldenen Teamrennen. „Lieber nicht, erst danach“, sagte Köhler lachend.

Die 25-Jährige und der 21-jährige Florian Wellbrock gelten als das Traumpaar des deutschen Schwimmens. Und sie haben noch viel vor beim Treffen der Weltbesten in Südkorea. Die beiden Freiwasser-Weltmeister sollen nun ab Sonntag auch im Becken mithelfen, ihre Sportart aus der Krise zu führen. Hinter den deutschen Schwimmern liegen zwei Nullnummern bei Olympia und das schwächste WM-Abschneiden der DSV-Geschichte vor zwei Jahren in Budapest.

Erfolgreicher Strategiewechsel

Auch deshalb hat Sarah Köhler vor zehn Monaten einen Strategiewechsel vollzogen – und die erste Zwischenbilanz fällt positiv aus. „Ich wollte noch einmal einen neuen Reiz setzen. Und ich glaube, das ist mir mit diesem Trainerwechsel ganz gut gelungen“, sagt die 25-jährige Langstreckenschwimmerin im Gespräch mit dieser Zeitung. Im September 2018 wechselte Köhler vom Olympiastützpunkt Heidelberg in die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt. Zu ihrem Freund Florian Wellbrock, der damals bereits seit vier Jahren in Magdeburg lebte.

Alltagssorgen eine Schwimm-Paars

„Das ist ein schöner Nebeneffekt. Aber mehr auch nicht“, erwähnt die gebürtige Hanauerin, die beim ihrem Umzug im vergangenen Herbst bereits der lange Schatten von Tokio begleitete. Wegen der Wohnungsfrage, die das erfolgreiche Schwimmerpaar klären musste.

„Von 500 Kilometer Entfernung direkt auf einen Haushalt zu wechseln – und wenn es dann doch schiefgeht… Man weiß ja nie, was vor Olympia 2020 passiert. Im Zweifelsfall müsste man einen gemeinsamen Haushalt auflösen, und das wollte eigentlich keiner von uns beiden“, erklärt Köhler und erwähnt: „Wir wohnen tatsächlich getrennt. So hat jeder noch seinen Freiraum, das haben wir beide gerne. Und es kommt selten vor, dass wir die Abende getrennt verbringen.“

Gemeinsam sollen die Freiwasserschwimmer, die bei der WM zweimal Gold und zweimal Bronze gewannen, ihrem Team auch im Becken einen Schub geben. Im Blickpunkt steht vor allem Wellbrock. Der 1500-m-Europameister versucht einen historischen Spagat. Noch kein Schwimmer hat in der WM-Geschichte Gold im Freiwasser und im Becken gewonnen. „Ich habe gezeigt, dass ich beide Sachen drauf habe“, sagte der Magdeburger. Über 800 und 1500 m Freistil gehört er zu den Topfavoriten. Seinen größten Rivalen, den italienischen Olympiasieger Gregorio Paltrinieri, besiegte er jüngst über zehn Kilometer.

Nun ist wieder Ruhe eingekehrt

Die Rennen im WM-Pool überwacht Wellbrocks und Köhlers Heimtrainer Bernd Berkhahn ab Sonntag erstmals als Teamchef. Wobei der 48-Jährige in der neuen Doppelrolle aus dem Werk seines Vorgängers, dem kurz vor Weihnachten zurückgetretenen Chefbundestrainer Henning Lambertz. Nach den kurz aufeinander folgenden Rücktritten von Präsidentin Gabi Dörries und Chefcoach Lambertz im Dezember habe es „natürlich erst mal ein bisschen Unruhe“ unter den Sportlern gegeben. „Viele Athleten“, erzählt Köhler, „fragten sich: Wie geht es jetzt weiter?“ Mittlerweile sei aber wieder Ruhe eingekehrt, erwähnt die EM-Zweite über 1500 Meter Freistil von 2018 und betont: „Ich glaube, mit den jetzigen Maßnahmen sind wir auf einem guten Weg.“ (mit sid)

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