Schach-WM

Duell der Köpfe bei der Schach-WM in London

Magnus Carlsen und sein Gegner Fabiano Caruana

Magnus Carlsen und sein Gegner Fabiano Caruana

Foto: pa/dpa

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Hamburg.  Vor genau einem Monat hatte Magnus Carlsen in Hamburg seinen letzten öffentlichen Auftritt vor der Schach-Weltmeisterschaft, die heute um 16 Uhr in London beginnt. Der Norweger spielte auf Einladung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ gegen zwölf Gegner simultan und erledigte seinen Job kurz und schmerzlos. Nach gut einer Stunde war das denkende Dutzend mattgesetzt.

In London stehen für den 27 Jahre alten Weltmeister in den nächsten drei Wochen erneut zwölf Partien auf dem Programm, diesmal aber nur gegen einen Gegner. Und der hat es in sich: Der Italo-Amerikaner Fabiano Caruana (26), in Miami geboren und in New York aufgewachsen, liegt in der Weltrangliste fast gleich auf mit dem Titelverteidiger, bloß drei sogenannte Elo-Punkte trennen die beiden vor dem mit 900.000 Euro dotierten Duell der Köpfe.

Bilanz spricht für Carlsen

Die aktuelle Formkurve favorisiert den Herausforderer. Caruana gewann dieses Jahr vier Weltklasseturniere, darunter im März in Berlin das Kandidatenturnier zur WM, Carlsen nur zwei. Die persönliche Bilanz wiederum spricht für den in seiner Heimat als Superstar gefeierten Multi-Millionär. In zehn von 33 Duellen siegte Carlsen, Caruana triumphierte lediglich fünfmal, 18 Partien endeten remis. Auch in den drei diesjährigen Begegnungen griff Carlsen dreimal nach Caruanas wankendem König, konnte diesen jedoch nur einmal erobern.

Die besten Spieler stehen im Finale der Schach-WM

Dass sich beim WM-Kampf die beiden stärksten Spieler der Welt gegenübersitzen ist aufgrund des verkürzten Ausscheidungsmodus, der auch Außenseitern gute Chancen einräumt, inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr. Zuletzt war das vor zehn Jahren der Fall, als sich der Inder Viswanathan Anand und der Russe Wladimir Kramnik in Bonn bekämpften. Anand gewann damals und verlor seinen Titel 2013 an Carlsen. „Diesmal gibt es kein Lamentieren über den Wert des WM-Wettkampfes, die Nummer eins und zwei der Welt treten gegeneinander an, mehr geht nicht“, sagt Carlsen.

Caruana ist Carlsens bisher stärkster Kontrahent in seinem jetzt vierten WM-Match. Aber gerade diese Tatsache könnte ihm den Job erleichtern. Während sich vor zwei Jahren der Russe Sergej Karjakin gegen ihn fast ausschließlich aufs Verteidigen beschränkte und damit fast Erfolg gehabt hätte, – Carlsen siegte erst in der Verlängerung –, geht Caruana gern selbst in die Offensive. Er ist auf der zeitraubenden Suche nach dem besten Zug, während sein Gegner schon mal praktische Lösungen bevorzugt. „Ich gehe meine Partien eher vom wissenschaftlichen Standpunkt an, auch wenn das viel Kraft kostet“, beschreibt Caruana seinen anspruchsvollen Spielstil.

Carlsen dagegen vertraut seinem hervorragenden Positionsgefühl, setzt auf sein unnachahmliches strategisches Gespür für das Zusammenspiel seiner Figuren. Gerade in der Endphase der Partien, wenn nur noch wenige Steine auf dem Brett sind, bringt er seine Qualitäten am besten ein. Und Carlsen kann sich bei den oft fünf bis sechsstündigen Auseinandersetzungen auf seine starke Physis verlassen. Alle Weltklasseschachspieler absolvieren heute ein intensives Fitnessprogramm, für den Norweger ist das jedoch kein notwendiges Übel. Er spielt leidenschaftlich Fußball und Volleyball, bei Turnieren, an denen er teilnimmt, müssen für sein persönliches Wohlbefinden stets ein paar Fußballspiele organisiert werden.

Vorbereitung mit Pizza und Fußball

Auf den WM-Kampf habe er sich mit Pokern, Pizza und Premier-League-Spielen vorbereitet, verbreitete Carlsen unlängst in den sozialen Medien seine „3P-Formel“. Caruana entlockte das nur einen süffisanten Kommentar: „Die meisten Topspieler sind sehr selbstbewusst, manche sogar arrogant. Für Magnus ist es besonders schwer, dass ihm sein unglaublicher Erfolg nicht zu Kopf steigt.“ Seine Kollegen könnten sich deshalb mit dem Ende der Ära Carlsen arrangieren.

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