Ein Sieg gegen das böse Wort Krise

Mönchengladbach.  Hans Meyer hastete im Bauch des Borussia-Parks die Treppen hinunter. Zwei Stufen mit einem Schritt. Der ehemalige Trainer, der heute als Mitglied in Gladbachs Vorstand arbeitet, hatte es eilig. Nach gut 80 Minuten Spielzeit war gerade das 3:1 für die Mannschaft von Lucien Favre gefallen, und nun stürmte der wuchtige Mann durch die Glastür am Haupteingang der Arena auf einen Fahrer zu, der ihn schnellstmöglich mit seinem Wagen zum Bahnhof bringen sollte.

Mayer hatte genug gesehen, seine Borussia hatte ein ordentliches Spiel abgeliefert, und dass den Berlinern in der Nachspielzeit noch ein zweiter Treffer mit Hilfe eines Elfmeters gelungen war, als er bereits auf dem Weg in seine Heimatstadt Nürnberg war, wird an seiner Sicht der Dinge nichts geändert haben. Die ist nur zu gut bekannt: Gladbach ist auf einem guten Weg und drei Niederlagen in Folge werfen einen so gefestigten Klub nicht mehr aus der Spur.

Allerdings: Dieses 3:2 gegen Hertha BSC war ein schweres Stück Arbeit und alles andere als ein glanzvoll heraus gespielter Sieg. Trotz der von Lucien Favre so konsequent betriebenen Rotation wirkten die Borussen nach 23 Pflichtspielen in dieser Saison längst nicht mehr so wach und leichtfüßig wie noch vor wenigen Wochen.

Selbst das beruhigende 1:0 durch einen Kopfball von Tony Jantschke, begünstigt durch einen katastrophalen Stellungsfehler des Berliners Nico Schulz, vermochte nicht zu bewirken, dass die Borussen befreiter aufspielten. Es ist eine altbekannte Mixtur: Zum Mammutprogramm gesellt sich eine Verunsicherung, die nach drei Niederlagen in Folge zwangsläufig da ist und die sich bei dem einen Spieler stärker bemerkbar macht als beim anderen.

Am Donnerstag wollen die Gladbacher im eigenen Stadion gegen den FC Zürich die Gruppenphase in der Europa League erfolgreich beenden, und dass man in diese internationale Begegnung mit einem Erfolgserlebnis gehen wollte, versteht sich von selbst.

Entsprechend groß war die Erleichterung nach dem Erfolgserlebnis gegen die Berliner: „Es war wichtig, nicht in einen Negativstrudel geraten zu sein“, betonte Tony Jantschke gegenüber dem TV-Sender Sky. „Wir hatten eine doofe Serie. Das fing schon in Limassol an, wo wir uns zum 2:0 gerettet hatten. Und dann kam die Phase, wo es nicht so gut lief und wir drei Spiele verloren haben. Aber wir haben keine Träumer in der Mannschaft, wir wussten, dass sowas passieren kann. Wir sind ruhig geblieben und der Sieg heute war hochverdient.“

Und das waren die wenigen Sätze, die der Kapitän an diesem Samstag öffentlich sprach. „Das ganze Krisen-Gerede nervt mich ungemein“, hatte Jantschke vor dem Spiel geschimpft, und nach dem Sieg hatte er die schreibenden Medienvertreter, die den sonst so auskunftsfreudigen Gladbacher um eine Stellungnahme gebeten hatten, eine klare Abfuhr erteilt, als er mit einem „Nein, danke“ vorbeistapfte.

Das Reden überließ er an diesem Tag gerne anderen. Zum Beispiel Außenstürmer Patrick Hermann, der im Überschwang der Erleichterung unmittelbar nach dem Abpfiff über ein „sensationelles Spiel“ seines Teams geschwärmt hatte. „Dieser Sieg war ungemein wichtig für den Kopf.“

Und der Trainer? „Hertha ist extrem schwer zu spielen, aber wir haben es gut gemacht und verdient gewonnen“, analysierte Lucien Favre, der sich am Ende ebenfalls nicht scheute, die Medien zu kritisieren: „Sie übertreiben ein bisschen. Passen Sie auf, die Öffentlichkeit nicht zu manipulieren“, warnte der 57-Jährige. Sein Team habe drei Spiele verloren, mehr nicht. „So etwas passiert in der Bundesliga“. Es war ein Schlusswort, das tatsächlich stark an einen Ex-Trainer erinnerte: Hans Meyer hätte es nicht besser formulieren können.

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