Bastian Schweinsteiger

Schweinsteigers Weg könnte erneut zum FC Bayern führen

Der FC Bayern wirbt um eine Rückkehr von Bastian Schweinsteiger.

Der FC Bayern wirbt um eine Rückkehr von Bastian Schweinsteiger.

Foto: Reuters

München.  Bastian Schweinsteiger hat sein Karriereende verkündet. Der Weltmeister von 2014 wird als einer der ganz Großen in Erinnerung bleiben.

Das ganz große Bohei um seine Person war Bastian Schweinsteigers Sache nie, und so geriet auch sein Abschied von der Bühne der aktiven Fußballer vergleichsweise unprätentiös. Dienstagvormittag war es in Chicago, als der 35-Jährige sein Karriereende via Twitter verkündete. „Nun ist die Zeit gekommen“, wurde die Mitteilung eingeleitet, ehe es nach den Danksagungen an seine Fans, Frau Ana Ivanovic und Familie sowie an seine Wegbegleiter beim FC Bayern, bei Manchester United, Chicago Fire und der Nationalmannschaft um seinen Abschluss eines langen Lebensabschnitts ging. „Mein Abschied als aktiver Spieler stimmt mich ein bisschen wehmütig“, schrieb er, „aber ich freue mich auch auf die spannenden Aufgaben, die mich bald erwarten.“

Konkreter wurde es nicht, nur so viel wurde in der Mitteilung verlautbart: „Dem Fußball werde ich treu bleiben.“ Wie aus seinem Umfeld schon vor einiger Zeit zu vernehmen war, soll Schweinsteiger zusammen mit seiner Frau die Rückkehr nach Europa planen, möglicherweise verbunden mit einer Aufgabe beim FC Bayern. Karl-Heinz Rummenigge hatte schon mehrfach um Schweinsteiger geworben. „Die Tür für ihn steht sperrangelweit offen“, sagte der Vorstandschef am Rande von Schweinsteigers Münchner Abschiedsspiel im August 2018 und ergänzte im März dieses Jahres: „Der FC Bayern ist immer interessiert, wichtige ehemalige Spieler an den Klub zu binden. Ich würde mir zum Beispiel auch Bastian Schweinsteiger bei uns wünschen.“ Zugleich erzählte Rummenigge: „Ich habe zu Basti relativ viel Kontakt, wir texten regelmäßig und telefonieren auch mal. Ich habe ihm gesagt, er soll sich mal gedanklich damit auseinandersetzen, ob das eine reizvolle Option für ihn ist.“

Schweinsteigers ehemaliger Mitspieler, der frühere Torwart Oliver Kahn, 50, wird vom 1. Januar 2020 im Vorstand des FC Bayern eingearbeitet und soll zwei Jahre später Rummenigge beerben. Mit Kahn verbindet Schweinsteiger ein enges Verhältnis. „Wahnsinnig sehr“ schätze er die Avancen der Münchner, hatte Schweinsteiger im Juni in einem seiner seltenen Interviews gesagt, sich aber alles offen gehalten für die Zeit nach dem eigenen Kicken. Schon kurz bevor er nun sein Karriereende verkündete, hatte Bundestrainer Joachim Löw ihn als „Persönlichkeit“ gewürdigt, „wie sie der deutsche Fußball nicht oft erlebt hat“. Schweinsteiger sei „einer der größten Spieler, die Deutschland hatte“, sagte Löw und warb ebenfalls um ihn: „Für ihn haben wir immer einen Platz bei uns.“

Als Schweinsteiger vor gut einem Jahr beim Gastspiel von Chicago Fire in München offiziell verabschiedet wurde, „hatte ich direkt wieder dieses Heimatgefühl“, sagte er damals, mehr als drei Jahre nach seinem stillen Servus, nach seinem Abschied vom FC Bayern im Juli 2015 – durch die Hintertür Richtung Manchester United. Ende März 2017 zog er weiter zu Chicago Fire in die USA.

Welchen Stellenwert Schweinsteiger noch immer in München genießt, war schon vor seinem Abschiedsspiel zu erkennen gewesen. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil, darunter auch jene des Vereins, der den Weltmeister von 2014 und mit 20 Titeln erfolgreichsten deutschen Fußballer in die Hall of Fame aufnahm. Allein schon wegen seiner 17 Jahre, 500 Spiele, acht deutschen Meisterschaften, sieben Pokalsiegen und des Champions-League-Titels 2013 für den FC Bayern, aber auch wegen seines Charakters.

Als 13-Jähriger war er nach Stationen bei seinem Heimatklub FV Oberaudorf und dem TSV 1860 Rosenheim zum deutschen Branchenführer gewechselt, sein Profidebüt gab er am 13. November 2002 gleich in der Champions League, als er im Spiel gegen den RC Lens für Mehmet Scholl eingewechselt wurde. Kleine Jugendsünden als „Schweini“ im Münchner Nachtleben oder mit einer angeblichen Cousine im Entmüdungsbecken der Bayern steigerten seine Popularität eher, als dass sie ihr schadeten. Das galt ebenso, als er 2012 im sogenannten „Finale dahoam“ der Champions League zur tragischen Figur wurde, weil er im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea den Pfosten traf.

Es ist jene Szene, die auch er als erste mit seiner Zeit beim FC Bayern verbindet, noch vor dem Triple-Gewinn 2013. Die Niederlage 2012 sei „vielleicht der bitterste Abend meiner Karriere“ gewesen, sagte Schweinsteiger. Am Morgen nach dem verlorenen Finale versuchte er bei einem Spaziergang durchs Münchner Glockenbachviertel, an der Isar entlang und über den Viktualienmarkt seine Gedanken zu ordnen. Wie ihn die ebenfalls enttäuschten Fans auf der Straße damals aufbauten, habe ihn „sehr berührt“, erzählte Schweinsteiger. „Die Unterhaltungen hatte ich das ganze Jahr im Kopf. Das war eine Basis dafür, dass wir 2013 das Triple und 2014 die WM gewonnen haben.“

Die Bilder, wie Schweinsteiger im WM-Finale von Rio des Janeiro im Gesicht blutete und sich dennoch in jeden Zweikampf warf, haben das Bild von ihm ebenso geprägt. Es ist das Bild eines gereiften Charakterspielers, der nach der EM 2016, nach 121 Länderspielen und 24 Toren, aus der Nationalmannschaft zurücktrat. Und zu dem es passte, dass er nach dem WM-Fiasko 2018 appellierte, beim Neuaufbau wieder verstärkt auf die sogenannten „deutschen Tugenden“ zu setzen.

Als Schweinsteiger 2015 ohne Verabschiedung zu Manchester United wechselte, hing in der Arena etwas verloren nur ein Banner mit einem Fangruß an ihn. „Servus Fußballgott“, stand auf weißem Grund in roten Buchstaben. Vielleicht gilt das ja bald wieder, diesmal zum Wiedersehen.

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