Fußball

Toni Schumacher wird beim 1. FC Köln zum Symbol der Spaltung

Abgelöst beim 1. FC Köln: Toni Schumacher.

Abgelöst beim 1. FC Köln: Toni Schumacher.

Foto: dpa

Köln.  Toni Schumacher wurde bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln als Vizepräsident abgelöst. Der Kulttorwart verließ die Bühne unter Tränen.

Als der Moment des endgültigen Abschiedes nahte, wischte Toni Schumacher sich mit einem Taschentuch durch die Augen, die große Ikone des 1. FC Köln trauerte. Der Double-Gewinner von 1978, der Europameister, der einstmals beste Torhüter der Welt hat am Sonntagabend unter Umständen die Bühne der Mitgliederversammlung seines geliebten Effzeh verlassen, die etwas Tragisches hatten. Schumacher geht als Symbol der Spaltung seines Vereins. Zwar votierten nach über sechs Stunden hitziger Diskussionen 80 Prozent der anwesenden Mitglieder für den neuen Vorstand mit dem Präsidenten Werner Wolf, der einstmals die Bitburger-Brauerei führte, und den Stellvertretern Eckhard Sauren und Jürgen Sieger. Aber die Versammlung war wieder einmal geprägt von Streit, von gekränkten Egos und Argwohn, nachdem Schumacher und der Karnevalsfunktionär Markus Ritterbach ihre Vizepräsidentenposten räumen mussten. Der ehemalige Präsident Werner Spinner war bereits im Frühjahr zurückgetreten. Die Wunden der Vergangenheit sind tief.

Schumacher: "Ich spüre keinen Groll und Zorn"

Er wolle „mit Sachlichkeit, Bodenhaftung und Demut“ ein „Miteinander und ein Füreinander in diesen Verein bringen“, sagte Wolf, räumte aber umgehend ein, „dass das nicht einfach“ werden wird. Auf der Mitgliederversammlung waren Schumacher und Ritterbach erheblich emotionaler aufgetreten als das neue Präsidium, sie blickten zurück auf gute Jahre, unter ihrer Mitwirkung ist aus einem von der Insolvenz gefährdeten Chaosklub ein Europa League-Teilnehmer geworden. Für seinen Anteil an dieser Auferstehung wurden Schumacher ausschweifend gewürdigt, woraufhin er behauptete: „Ich spüre kein Groll und Zorn, das tun nur schwache Menschen“, doch die Kränkung schimmerte immer wieder hervor in seiner Rede. „Fußballkompetenz im Vorsand bedeutet für mich, dass man Erfahrung und Gefühl für einen Fußballverein mitbringt und genau das habe ich getan“, sagte er. Den neuen Vorstände fehlt diese Qualität, sie kommen aus der Wirtschaft.

Irgendwann warnte Schumacher die Mitglieder sogar vor der neuen Klubführung: „Passt gut auf, es ist nicht alles so, wie es scheint, manche verwechseln Ursache und Wirkung und begeben sich gerne in die Opferrolle“. Dafür wurde er von einem Teil der Anwesenden ausgebuht, es war der Eindruck entstanden, dass Schumacher sich selbst in die Opferrolle hinein begeben hat. Spätestens mit dieser Rede, hat er sich für eine neue Funktion im Klub, die ihm in Aussicht gestellt worden war, disqualifiziert. Denn sie glich einem Akt der Spaltung. Eigentlich hätten Schumacher und Ritterbach ja gerne selbst noch einmal kandidiert, doch beim 1. FC Köln gibt es ein machtvolles Gremium namens Mitgliederrat, der von den Mitgliedern gewählt wird und satzungsgemäß den Auftrag hat, zu den Vorstandswahlen genau ein Kandidatentrio zu nominieren. Dieses Gremium, das in einigen Wortmeldungen heftig kritisiert wurde, entschied sich für Wolf, Sauren und Sieger. Zwischenzeitlich erwogen Schumacher und Ritterbach eine Kampfkandidatur, verzichteten dann aber, um die angespannte Lage nicht noch weiter zu eskalieren.

Die Gräben beim 1. FC Köln sind tief

Denn die Gräben sind tief und wurden zu einem prägenden Element der Versammlung. Wenn Schumacher und Ritterbach ihre Spitzen gegen den Mitgliederrat und den nach Spinners Rücktritt aus diesem Gremium entsendeten Interimspräsidenten Stefan Müller-Römer setzten, pfiffen und buhten die einen, während die anderen klatschten. Die Wortmeldungen der Mitglieder waren hoch kontrovers, seit vielen Jahren bekämpfen sich zwei Strömungen im Klub: die Traditionalisten, die gerne in den Erinnerungen an die großen Erfolgszeiten schwelgen, die aus dem Fußball kommen, die alte Helden wie Wolfgang Overath, Stephan Engels oder Schumacher würdigen wollen, die das Spiel emotional betrachten. Und die von Müller-Römer angeführte Fraktion, die rhetorisch und strategisch geschickter agiert, die großstädtischer und gebildeter ist. Die sich um eine Wiederaufnahme des Dialoges mit dem problematischen Teil der Fanszene bemüht, die einen Stadionneubau am Stadtrand ablehnt und sich klar für die 50+1-Regel einsetzt, Wolf sagte: „Wir wollen zu den Topmannschaften in der Fußball-Bundesliga gehören, die ohne Investoren auskommen.“

In der guten Zeit, als dem Klub mit dem Sportdirektor Jörg Schmadtke und dem Trainer Peter Stöger die einzige Europapokalqualifikation dieses Jahrtausends gelang, waren beide Kräfte in den Führungspositionen vertreten, es waren Jahre der Versöhnung. Diese Ausgewogenheit ist verloren gegangen, „gemeinsam gewinnen alle“, war zwar das Motto von Wolf und seinen Mitstreitern, aber an diesen Tag haben ganz sicher nicht alle gewonnen beim 1. FC Köln.

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