Kommentar

Chemnitz: Sobotziks Rückzug zeigt eine traurige Gewissheit

Nicht mehr beim Chemnitzer FC tätig: Thomas Sobotzik.

Nicht mehr beim Chemnitzer FC tätig: Thomas Sobotzik.

Foto: dpa

Essen.  Thomas Sobotzik gibt sein Amt beim Drittligisten Chemnitzer FC nach zahlreichen Beleidigungen, Angriffen und Drohungen auf. Ein Kommentar.

Es sind beim Fußball ja meist nur einige wenige Fans, die negativ auffallen. Diese Differenzierung ist wichtig, um nicht vorschnell ungerecht zu urteilen. Daran hält sich auch Thomas Sobotzik. Wer ihn nicht kennt: Der Mann ist noch bis zum 15. September Geschäftsführer beim Chemnitzer FC. Das Wort „noch“ ist wichtig. Sobotzik gibt sein Amt auf, genauer gesagt, flüchtet er aus Chemnitz.

Die Begründung hat er jetzt nachgeliefert. Er erzählt von Beleidigungen, Drohungen und Angriffen. „Verschwinde aus Chemnitz“ ist der einzig zitierbare Satz aus einer Reihe unerträglicher Anfeindungen, die „einige Fans“ ihm entgegenschleuderten.

Der Chemnitzer FC wird von einer Gruppe Rechtsextremisten dominiert

Der Chemnitzer FC, das ist die traurige Gewissheit, wird im Block von einer Gruppe Rechtsextremisten dominiert, die die Bezeichnung Fans nicht verdienen. Die Anfeindungen gegen Sobotzik sind dabei nur der traurige Höhepunkt einer Reihe von Ausfällen.

In Chemnitz endet die Pflicht zur Differenzierung. Selbst, wenn bei dem Drittligisten wirklich nur wenige Rechtsextreme Hass und Gewalt verbreiten, finden sie auf der Tribüne zu oft Deckung.

Man macht es sich vermutlich zu einfach, von biederen Familienvätern zu verlangen, dass sie sich brutalen Schlägern entgegen stellen, aber Gewalttätern in stummer Duldung die Bühne zu bereiten, ist falsch. Auch, wenn es kein origineller Gedanke ist: Wer anständig bleiben will, kann sich nicht neben Nazis stellen – auch nicht im Stadion.

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