Nationalmannschaft

Bundestrainer Löw stemmt sich gegen Hummels-Debatte

BVB-Star Mats Hummels im Zweikampf mit Berlins Sebastian Andersson.

BVB-Star Mats Hummels im Zweikampf mit Berlins Sebastian Andersson.

Foto: Getty

Belfast/Hamburg.  Nachdem die deutsche Abwehr gegen die Niederlande enttäuscht, entflammt die Diskussion um Hummels neu. Eine Rückkehr ist für Löw keine Option.

Die 2:4 (1:0)-Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die Niederlande war erst wenige Minuten alt, da twitterte Mats Hummels ein Foto, dass ihn bei einer gelungenen Grätsche zeigte. Dazu der Text: „Toller Test heute in Cottbus bei einer besonderen Atmosphäre.“ Da das Freundschaftsspiel in Cottbus zu diesem Zeitpunkt fast drei Stunden her war, da Mats Hummels im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen seine Tweets selbst in die Welt sendet, war der zeitliche Zusammenhang wohl eher kein Zufall. Es sah zumindest so aus, als wolle der Weltmeister von 2014 nach der teilweise desaströsen Abwehrleistung seiner Nachfolger daran erinnern, dass es ihn ja auch noch gibt.

Die Erinnerung hätte es allerdings nicht gebraucht, natürlich brach fast umgehend eine Hummels-Diskussion los: War Bundestrainer Joachim Löw zu voreilig gewesen, als er Hummels und seinen Abwehr-Kollegen Jerome Boateng im März aus der Nationalmannschaft aussortierte? Hätte man einen wie Hummels nicht dringend gebraucht gegen die Niederlande?

Die von Löw gewählte Dreierkette hatte gegen die Niederlande reichlich Anlass geboten, diese Fragen zu stellen: Insbesondere Jonathan Tah erlebte einen desaströsen Abend: Beim 1:1 irrte er orientierungslos durch den Strafraum, beim 1:2 beförderte er den Ball gleich selbst ins eigene Tor. Matthias Ginter verursachte das 2:3 mit einem Fehlpass ohne jede Bedrängnis. Und der eigentlich so souveräne Niklas Süle leitete das 2:4 durch einen Ballverlust im Mittelfeld ein.

Gegen die starken Niederländer war die deutsche Defensive an diesem Abend überfordert – da könnte man einen wie Hummels, der nach seiner Ausbootung die beste Rückrunde aller deutschen Abwehrspieler zeigte, doch eigentlich gut gebrauchen. Bundestrainer Löw stemmte sich dennoch energisch gegen sämtliche Diskussionen um Hummels ebenso wie gegen grundsätzliche Zweifel an seinen jungen Abwehrspielern: „Qualitätsmängel haben wir keine“, erklärte er. „Das stellen die Spieler Woche für Woche unter Beweis.“

Auf höchstem internationalem Niveau fehlt dieser Beweis allerdings bislang, Tah und Ginter offenbarten nicht zum ersten Mal Probleme in der Nationalmannschaft. Eine Hummels-Rückkehr aber wird es mit Löw nicht geben, diese Blöße wird sich der Bundestrainer nicht geben. Er setzt weiterhin darauf, dass sich seine jungen Spieler weiterentwickeln, auch durch Niederlagen wie jene gegen die Niederlande. Außerdem werden die international erfahreneren Antonio Rüdiger vom FC Chelsea und Thilo Kehrer von Paris Saint-Germain nach Verletzungspausen bald wieder zur Verfügung stehen und seine Optionen in der Defensive erweitern.

Hummels-Rückkehr muss kein Allheilmittel sein

Zudem wird auch darauf verwiesen, dass Hummels ja zu jener Dortmunder Abwehr gehörte, die beim 1:3 gegen Union Berlin drei Gegentore kassierte, dass er außerdem beim 0:3 und beim 2:2 gegen die Niederlande in der jüngeren Vergangenheit ja auch auf dem Platz gestanden hatte – kurz: dass eine Rückkehr nicht zwingend ein Allheilmittel sein muss.

Im Land des nächsten Gegners wurde die aufgeregte Debatte offenbar nicht überall zur Kenntnis genommen. „Am Montagabend ist Deutschland in Belfast zu Gast“, schrieb das Internet-Portal des „Belfast Telegraph“ am Sonntag – und zeigte dazu ein Bild von: Mats Hummels.

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