Buchkritik

BVB-Chef Watzke: „Rettet den Fußball für die Fans!“

Bei der Buchpräsentation in Dortmund: BVB-Chef Hans-Joachim Watzke (rechts) und Autor Michael Horeni.

Bei der Buchpräsentation in Dortmund: BVB-Chef Hans-Joachim Watzke (rechts) und Autor Michael Horeni.

Foto: Foto: Getty Images / Getty

Dortmund.  Hans-Joachim Watzkes Autobiografie „Echte Liebe“ ist seit Montag auf dem Markt. Darin wird deutlich: Der BVB-Chef will Bewährtes erhalten.

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Understatement ist nicht unbedingt die Sache von Hans-Joachim Watzke, das wusste man schon, bevor er seine Autobiografie „Echte Liebe. Ein Leben mit dem BVB“ veröffentlicht hat. „Rettet den Fußball für die Fans!“, hat der Geschäftsführer von Borussia Dortmund ein Kapitel überschrieben, in dem er in sechs Punkten nichts weniger als eine Zukunftsvision für den deutschen und europäischen Fußball skizziert: Die Bundesliga muss bleiben, wie sie ist. In Europa darf keine geschlossene Liga ohne Auf- und Abstieg entstehen. Fußball im Stadion muss bezahlbar bleiben. Die 50+1-Regel, die eine Stimmenmehrheit durch Investoren verhindert, darf nicht fallen. Die gewachsene Spieltagsstruktur muss bleiben, wie sie ist. Auch die traditionelle Fankultur muss erhalten bleiben.

Kurz gefasst: Vieles soll so bleiben, wie es ist.

Autor Horeni behält den anderen Blick

Es ist ein Manifest, das gut passt zu dem Bild von Hans-Joachim Watzke, das dieses Buch zeichnet: von einem, der manchmal fast ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt und im Fußball sein Refugium hat. Ein konservatives CDU-Mitglied, das damit fremdelt, wie Angela Merkel die Partei und das Land modernisiert hat. „Old School“, das ist die Bezeichnung von Michael Horeni. Der FAZ-Journalist hat das Buch geschrieben, er hat Watzke dazu über ein Jahr begleitet. Herausgekommen ist keine klassische Autobiografie, keine Ich-Erzählung aus dem Leben eines Fußballfunktionärs. Horeni bewahrt sich den Blick von außen, den Blick des Journalisten – was zunächst gewöhnungsbedürftig scheint, sich aber im Laufe des Buches als kluge Entscheidung erweist. Denn so kann der Autor ehrlich benennen, bei welchen Themen er Watzke nicht knackt, wo auch mal Fragen offen bleiben. Und er kann andere Meinungen, andere Perspektiven darstellen – etwa, wenn es um das Attentat auf die BVB-Mannschaft und den Dissens mit dem damaligen Trainer Thomas Tuchel geht. Watzkes Sicht ist nicht die allein gültige – und es spricht für den BVB-Chef, dass er das in diesem Buch so zugelassen hat.

Er sagt, wo es lang geht

So entsteht ein vielschichtiges Bild des 60-Jährigen: Watzke der Patriarch, der nicht nur im Klub, sondern auch in seinem „Inner Circle“, dem Kreise seiner Freunde und Vertrauten, sagt, wo es lang geht. Watzke der erfolgreiche Unternehmer, der sich einst selbstständig machte, weil er kein guter zweiter Mann ist, und seine Firma für Arbeitsschutzbekleidung zu einem Millionenunternehmen aufbaute. Watzke der Getriebene, der permanent dem Erfolg und den damit verbundenen Gefühlen aus dem Double-Jahr 2012 hinterherläuft – und für den es geradezu traumatisch war, dass ihm der FC Bayern danach die Mannschaft zerpflückte. Watzke, der stets Druck verspürt: Druck, Erster werden zu wollen, Druck, Erster zu bleiben und Druck, das nächste Spiel zu gewinnen. Seine schönste Zeit beim BVB waren deswegen auch nicht die rauschhaften Jahre 2010 bis 2012 mit den Meisterschaften und dem Pokalsieg, sondern die Hinrunde der vergangenen Saison – weil er sich da selbst verordnete, die Erfolgsserie zu genießen.

Vom Vater die Vereinsliebe geerbt

Watzke, das Papakind, der Junge, der ein außergewöhnliches Verhältnis zu seinem Vater pflegte, von dem er die Liebe zum BVB und zu Rot-Weiß Erlinghausen, seinem Heimatverein, übernahm. Watzke, der leidenschaftliche Streiter für seinen Klub, der dabei oft überzog – etwa mit seinen Angriffen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Der inzwischen ein gutes Verhältnis zu Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge pflegt, aber offen einräumt, mit Präsident Uli Hoeneß deutlich weniger anfangen zu können.

Und nicht zuletzt: Watzke der Gefühlsmensch, der Spieler, mit denen er besondere Erinnerungen verbindet, gerne zurückholt: Nuri Sahin, Shinji Kagawa, Mario Götze und Mats Hummels. Und der Jürgen Klopp derart vermisst, dass die Passagen dazu leicht ins Rührselige abgleiten. Im Trainingslager vermisse er manchmal das wiehernde Lachen Klopps, das ihm das Gefühl gab: alles in Ordnung.

Insgesamt ist Horeni ein starkes Buch gelungen, informativ und gut geschrieben. Nicht nur für BVB-Fans eine klare Kaufempfehlung.

Hans-Joachim Watzke, Michael Horeni: Echte Liebe - Ein Leben mit dem BVB. Verlag C. Bertelsmann, 288 Seiten, 20 Euro.

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