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BVB kritisiert Polizeieinsatz rund um Spiel bei Union Berlin

Unschöne Szenen gab es am Samstagabend während des Spiels 1. FC Union Berlin gegen Borussia Dortmund.

Unschöne Szenen gab es am Samstagabend während des Spiels 1. FC Union Berlin gegen Borussia Dortmund.

Foto: firo

Dortmund/Berlin.  Der BVB hat die Ereignisse rund um das Auswärtsspiel bei Union Berlin aufgearbeitet – und findet deutliche Worte in Richtung Polizei.

Das Auswärtsspiel bei Union Berlin wirkt bei Borussia Dortmund noch immer nach. Nicht nur wegen des Geschehens auf dem Rasen, wegen des schwachen Auftritts und der hochverdienten 1:3-Niederlage beim Aufsteiger, sondern auch wegen der Ereignisse abseits des Platzes: Während der ersten Halbzeit hatten Fans des Aufsteigers eine Choreo gezeigt, die teils vom Stadiondach herabgelassen werden musste. Ihr Weg vom Dach herunter führte sie über den Gästeblock, wo es zu Provokationen zwischen den Fanlagern kam. Eine direkte Auseinandersetzung wurde durch die Zaunanlage verhindert.

BVB kritisiert Einsatz der Berliner Polizei

Zudem schritt die Polizei ein und stürmte den Block der BVB-Fans, um die Kontrahenten zu trennen. Dieser Einsatz wurde am Montag vom BVB scharf kritisiert: „Borussia Dortmund toleriert keine Fan-Gewalt, auch keine reaktive!“, schreibt der Klub zu Beginn seiner Mitteilung. „Nachweislich gewalttätige Fans grenzen wir aus!“ Was dann aber folgt, sind bemerkenswert deutliche Worte, wie es sie zuvor im deutschen Fußball nicht oft gegeben hat. Kritik an der Polizei erfolgt selten, und wenn, dann meist in äußerst vorsichtigen Worten. Nicht in diesem Fall: Man wünsche sich „auch von der Berliner Polizei eine kritische Analyse“, schreibt der BVB.

Die Dortmunder kritisieren, dass die Polizei gar nicht erst versucht habe, deeskalierend zu wirken, sondern sofort Reizgas eingesetzt und damit panische Reaktionen ausgelöst habe. „Aus Sicht des BVB erfolgte der Reizgas-Einsatz aus nicht nachvollziehbaren Gründen und zum Teil von Positionen, die es nicht erlaubten, die wenigen gewaltbereiten Fans vom Gros der Unbeteiligten zu separieren“, bemängelt der Klub. 99 Personen mussten rund um die Partie vom Sanitäts- und Rettungsdienst behandelt werden, bei 23 von ihnen war Reizgas die sichere Ursache – so hat es die Berliner Polizei dem BVB mitgeteilt. Zu den übrigen 76 gibt es keine Angabe.

Berliner Polizei nimmt Dortmunder Vorwürfe "zur Kenntnis"

Augenzeugen berichten, dass viele Familien mit Kindern betroffen waren, weil diese in der Regel weiter hinten im Block stehen, wo es nicht so laut ist – und weil Polizisten teils ohne Sicht von hinten Reizgas in den Block gesprüht hätten. „Aus unserer Sicht nicht akzeptabel: BVB-Fanbeauftragte und Fanprojekt-Mitarbeiter wurden mitunter an ihrer Arbeit gehindert und körperlich angegangen“, so der BVB. „Interventions- und Konflikt-Arbeit war so kaum möglich.“ Im Gespräch mit dieser Redaktion berichteten Zeugen auch, dass sich die Polizei geweigert habe, Anzeigen durch BVB-Fans wegen Körperverletzung aufzunehmen. „Im Sinne der vielen unbeteiligten Verletzten wünschen wir uns auch von der Polizei eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen – aus unserer Sicht nicht schlüssigen – Strategie“, fordert der Klub nun.

Bei der Berliner Polizei hat man die Dortmunder Vorwürfe „zur Kenntnis genommen“, wie ein Sprecher auf Nachfrage dieser Redaktion mitteilte. Man werde die Vorwürfe nun prüfen, an die entsprechenden Dienststellen weiterleiten und sich erst nach Abschluss der Untersuchung dazu äußern. Ansonsten habe man der bisherigen Darstellung nichts hinzuzufügen.

Polizei leitete 64 Strafermittlungsverfahren ein

Den Polizeiberichten zufolge hatten während des Spiels etwa 300 Berlin-Fans versucht, in den Gästeblock zu gelangen, und dabei auch Polizisten angegriffen. Später hätten dann BVB-Fans versucht, den Zaun zum Spielfeld zu übersteigen und dazu Sitzschalen aus den Verankerungen gerissen und in Richtung Spielfeld geworfen. Nach Spielende sei es außerdem zu körperlichen Angriffen auf Polizisten gekommen, unter anderem durch das Werfen von Flaschen oder mit Bier und Sand gefüllten Bechern. Insgesamt wurden 64 Strafermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Widerstands, Sachbeschädigung und Beleidigung.

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