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BVB patzt in Berlin - erster Rückschlag im Titelkampf

Fassungslos: BVB-Kapitän Marco Reus.

Fassungslos: BVB-Kapitän Marco Reus.

Foto: Reuters

Berlin.  Überraschende Niederlage für Borussia Dortmund: Der BVB verlor beim Aufsteiger Union Berlin mit 1:3 (1:1) und muss die Tabellenführung abgeben.

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Sebastian Andersson kannte kein Halten mehr: Der Angreifer stürmte los, sprintete in Richtung Eckfahne, wo er unter einem ganzen Haufen an Männern in roten Trikots begraben wurde. Andersson hatte soeben tatsächlich das 3:1 für Union Berlin gegen Borussia Dortmund erzielt. Dem Aufsteiger bescherte er damit den ersten Bundesliga-Sieg der Vereinsgeschichte – und dem BVB den ersten Rückschlag im Titelkampf.

Gegen den kampfstarken Aufsteiger hatte BVB-Trainer Lucien Favre eher auf Aggressivität als auf Feinfüßigkeit gesetzt. Der zweikampfstarke Däne Thomas Delaney ersetzte Axel Witsel, der wegen eines Muskelfaserrisses in den Adduktoren fehlte – was auch bedeutete: Favre rückte nicht ab von seinem favorisierten 4-2-3-1-System, scheute gegen den Aufsteiger aus Köpenick das Risiko des offensiveren 4-3-3. Neuzugang Julian Brandt musste deswegen bei seinem Startelf-Debüt auf dem linken Flügel auflaufen, wo der an den Rippen verletzte Thorgan Hazard fehlte. Dahinter nahm überraschend Achraf Hakimi seinen Platz ein, der Nationalspieler Nico Schulz auf die Bank verdrängte.

Und es war Brandt, der die erste Duftmarke setzte: Auf den rechten Flügel gewechselt, nahm er einen langen Ball von Mats Hummels überragend mit, seine flache Hereingabe geriet dann aber etwas zu steil für Paco Alcácer und Jadon Sancho (5.).

Paco Alcacer traf für den BVB nach einem Querpass von Jadon Sancho

Die Hausherren konzentrierten sich erst einmal aufs Verteidigen, liefen die Dortmunder aggressiv und in höchstem Tempo an – und schwärmten nach Ballgewinnen zu überfallartigen Kontern aus: Christopher Trimmel flankte, niemand kümmerte sich so recht um Marius Bülter, der aber keinen Druck hinter seinen Kopfball bekam. Delaney klärte (6.). Eine weitere Flanke köpfte der Ex-Dortmunder Neven Subotic vorbei (10.).

Nach und nach schien der BVB das Spiel aber in die gewünschten Bahnen zu lenken: Marco Reus setzte einen Freistoß aus spitzem Winkel knapp vorbei (14.), Jadon Sancho verfehlte das Tor von der Strafraumgrenze (18.) und erneut Reus setzte einen Direktschuss nach einem langen Ball von Manuel Akanji über die Latte (20.).

Dann aber kam der Hallo-Wach-Effekt, den Dortmund derzeit zu brauchen scheint: Erst unterlief Delaney einen langen Ball, bügelte das mit dem langen Bein gegen Anthony Ujah aber gerade noch aus. Den anschließenden Eckball brachte Trimmel flach ins Zentrum, wo Bülter Alcácer davonlief und sicher vollstreckte (22.).

Dortmunds Antwort auf den Rückstand folgte prompt: Reus schickte Sancho, der legte quer – und Alcácer schob sicher ein (25.). Wer nun aber einen Dortmunder Sturmlauf erwartet hatte, sah sich getäuscht. Die Partie spielte sich nun vor allem im Mittelfeld ab, wo es immer wieder zu rassigen Zweikämpfen kam. So ließ die nächste Torchance lange auf sich warten: Sancho wurstelte sich durch und bediente Julian Weigl, dessen Schuss aus 20 Metern den Außenpfosten touchierte (42.). Und einen Reus-Schuss lenkte Torwart Rafal Gikiewicz um den Pfosten (45.).

Dahoud ersetzte beim BVB den verletzten Delaney

Zur Halbzeit kam Mahmoud Dahoud für den angeschlagenen Delaney – und musste erst einmal eine eiskalte Dusche für die Dortmunder miterleben: Akanji ließ einen langen Ball zu Sebastian Andersson prallen und sich dann noch von diesem austanzen. Roman Bürki rettete zwar im direkten Duell – war gegen Bülters Nachschuss aber machtlos. 1:2 nach 50 Minuten.

Ein Treffer, der die Dortmunder beeindruckte und die Berliner noch einmal anstachelte. Wie aufgedreht attackierten sie alles, was in Gelb über den Rasen lief – und weil die Gäste zu langsam agierten, ohne Ball zu wenig Laufwege in die Tiefe boten, weil ihnen jegliche Spielfreude fehlte, wurden sie kaum einmal gefährlich. Auch Trainer Favre konnte von der Bank keine Impulse setzen.

Und so kam es, wie es kommen musste: Nach einer Ecke bekamen die Dortmunder den Ball nicht weg, Sheraldo Becker flankte, Andersson drückte den Ball über die Linie (75.) – und der große Außenseiter bejubelte einen nicht unverdienten Sieg gegen viel zu pomadige Dortmunder.

So spielten Union Berlin und der BVB

Union Berlin: Gikiewicz - Trimmel, Friedrich, Subotic, Lenz - Schmiedebach (63. Gentner), Andrich, Becker, Bülter (77. Mees) - Ujah, Andersson. Trainer: Fischer

BVB: Bürki - Piszczek, Hummels, Akanji, Hakimi - Weigl (76. Guerreiro), Delaney (46. Dahoud) - Brandt, Reus, Sancho - Paco Alcacer. Trainer: Favre

Tore: 1:0 Bülter (22.), 1:1 Paco Alcacer (25.), 2:1 Bülter (50.), 3:1 Andersson (75.).

Der BVB-Ticker zum Nachlesen:

Union Berlin - BVB 3:1
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