Kommentar

Favre fehlt Feuer – das ist ein Problem für den BVB

Nichts zu machen: Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre mit Mundschutz beim mit 0:1 verlorenen Spiel gegen den FC Bayern.

Nichts zu machen: Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre mit Mundschutz beim mit 0:1 verlorenen Spiel gegen den FC Bayern.

Foto: Jürgen Fromme / firo Sportphoto

Dortmund.  Lucien Favre hat nach der verpassten Titelchance selbst die Diskussionen um seine Person entfacht. Es ist schwer, sie zu beenden. Ein Kommentar.

Lucien Favre hat, wie man so schön sagt, ein Fass aufgemacht. Ob er weiß, was diese Redewendung bedeutet? Da kann man sich bei ihm nicht sicher sein. Denn der aus dem französischsprachigen Teil der Schweiz stammende Trainer von Borussia Dortmund hat auch nach vielen Jahren Arbeit in Deutschland noch seine Mühen mit der deutschen Sprache. Es ist nicht immer leicht zu verstehen, was genau er gerade meint.

Nach der 0:1-Niederlage im Spitzenspiel gegen den FC Bayern und dem Verlust der Meisterhoffnungen äußerte er sich kryptisch, als er im TV-Interview mit Sky auf seinen Ruf angesprochen wurde, er sei kein Trainer für Titel. „Das sagt man hier seit Monaten. Ich lese die Zeitungen nicht, aber ich weiß, wie es geht“, antwortete Favre, bevor er seine Zuhörer aufschreckte: „Ich werde in ein paar Wochen darüber sprechen.“

Oha. War das ein Hinweis auf eine bevorstehende Trennung? Auf eine Abrechnung? Auf einen freiwilligen Abschied wie 2015 in Mönchengladbach? Alles denkbar nach einem solchen Satz.

BVB-Trainer Favre bringt Lawine ins Rollen

Die BVB-Chefs haben zügig versucht, die von Favre losgetretene Lawine zu stoppen. Aber nun rollt sie doch. Denn sie selbst hatten den Schweizer ja mit dem Auftrag in die Saison geschickt, um den Titel mitzuspielen – eine Vorgabe, mit der der Routinier fremdelte. Er ist der Typ täglicher Analytiker, er tüftelt und sinniert, er schaut, was sich machen lässt. Ansagen, Forderungen gar sind ihm fremd.

Gewinnt der BVB, arbeitet er gewissenhaft weiter. Verliert der BVB, arbeitet er auch gewissenhaft weiter. Eine Fußballmannschaft aber braucht auch mal etwas, das Favre entweder nicht hat oder geschickt zu verbergen versteht: Feuer. Wenn schon der Trainer Zurückhaltung ausstrahlt, wie sollen dann die Spieler mutig auftreten? Gegen die mit Selbstbewusstsein vollgepumpten Bayern fehlte den Borussen das unerlässliche Draufgängertum.

Die durch nebulöse Aussagen verstärkte Aura des Fußballexperten Lucien Favre ist auf Dauer ein Problem für den BVB, der in der nächsten Saison garantiert wieder angreifen möchte. Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc betonen, dass es aktuell keinen Anlass für eine Trainerdiskussion gebe. Das wird stimmen, gerade in der Corona-Krise inklusive ungeklärter Zukunft und fehlender erstklassiger Alternativen lässt man sich nicht spontan zu einer so schwerwiegenden Entscheidung hinreißen. Das Wörtchen aktuell aber lässt zumindest alles offen. Und das ist auch richtig so.

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