Felix Götze

FCA-Profi Felix Götze: "Mario hat mir immer sehr geholfen"

Gut gelaunt: Felix Götze umarmt seinen Trainer Manuel Baum.

Gut gelaunt: Felix Götze umarmt seinen Trainer Manuel Baum.

Foto: dpa

Augsburg/Dortmund.  Mit BVB-Gegner Augsburg kehrt Felix Götze am Samstag nach Dortmund zurück. Ein Interview - nicht nur über den berühmten Bruder Mario

Felix Götze ist entspannt und gut gelaunt. Kein Wunder, der 20-jährige Profi vom FC Augsburg hat gerade den wohl aufregendsten Monat seiner noch jungen Bundesliga-Karriere hinter sich: Anfang September debütierte er beim 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga, wenig später folgte das erste Bundesligator: Gegen den großen FC Bayern München traf er zum 1:1. Höchste Zeit für ein Gespräch also, über Augsburg, die Ausbildung beim FC Bayern - und natürlich den berühmten Bruder Mario Götze.

Herr Götze, es gibt sicherlich schlechtere Zeiten, um Felix Götze zu sein.

Felix Götze: Ja, ich kann sehr, sehr zufrieden sein. Es macht auch einfach Spaß hier. Wir haben eine richtig geile Truppe, ich wurde super aufgenommen. Und wenn man sich so wohlfühlt, spiegelt sich das auf dem Platz wider.

Zum Beispiel mit dem Tor zum 1:1 beim FC Bayern.

Götze: (lacht) Ich hatte natürlich Glück, dass ich genau da stand, der war dann auch nicht mehr allzu schwer reinzumachen. Aber natürlich ist das eine große Sache, weil ich vorher bei den Bayern gespielt habe – und weil wir die erste Mannschaft waren, die dem Meister ein paar Punkte abluchsen konnte.

Sie haben recht verhalten gejubelt – aber auf Instagram versprochen, dass es das nächste Mal einen Salto gibt.

Götze: (lacht) Das war ein kleiner Gag. Ich kann gar keinen Salto, da würde ich mir wahrscheinlich alles brechen. Ich habe den Bayern viel zu verdanken, ich habe dort menschlich und spielerisch viel gelernt in den vier Jahren. Natürlich wollte ich mich extrem freuen, weil ich mein erstes Tor gemacht habe. Aber ich wollte eben auch ein bisschen Respekt dafür zeigen, dass sie mich so weit gebracht haben.

Das Tor haben Sie ihrem Bruder Mario gewidmet. Wieso?

Götze: Weil er mir immer sehr geholfen hat. Er ist älter, hat mehr Erfahrung und die hat er immer mit mir geteilt. Er hat sich auch immer Spiele von mir angeschaut und mir Tipps gegeben. Er hat einen großen Anteil an meiner Entwicklung, wie meine ganze Familie.

Mario hat anders als Sie derzeit keine ganz leichte Zeit. Bedauern Sie, dass sie sich am Samstag vermutlich gar nicht auf dem Platz gegenüber stehen werden?

Götze: Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Aber ich weiß, dass Mario ein geiler Spieler ist. Letztes Jahr war er in der Kicker-Rangliste einer der besten Mittelfeldspieler. Ich bin mir sicher, dass er zu alter Stärke finden wird, deswegen mache ich mir um ihn keine Sorgen. Ich freue mich einfach, zurück nach Hause zu kommen, ich habe ja 16 Jahre in Dortmund gelebt.

Wie erleben Sie Mario derzeit?

Götze: Zu mir ist er wie immer. Natürlich ist seine Situation nicht einfach, natürlich ist man traurig, wenn man nicht auf dem Platz stehen kann. Aber zwischen uns ist das nicht das große Thema.

Können Sie die Fragen nach Mario eigentlich noch hören?

Götze: Ach das gehört dazu, man gewöhnt sich dran.

Sie müssen ja schon immer damit leben, dass der Bezug zum hochtalentierten älteren Brudergezogen wird. War das eher Last oder Hilfe?

Götze: Es hat natürlich viele Vorteile, weil er mir beispielsweise Tipps geben konnte. Aber es gibt auch Nachteile – zum Beispiel Leute, die Dinge sagen wie: Der geht ja nur wegen seines Bruders zu Bayern. Das bekommt man manchmal am Rande mit und das ist natürlich nicht immer einfach. Aber ich habe in den letzten Monaten zeigen können dass ich selbst auch ganz gut kicken kann. Damit will ich einfach weitermachen, damit man meinen Namen dann auch kennt.

Die Vor- und Nachteile haben sich also die Waage gehalten?

Götze: Ich denke schon. Jeder, der ein erfolgreiches Familienmitglied hat, wird immer wieder verglichen, das gehört dazu. Da bin ich ja nicht der einzige, Rani (der Bruder von Weltmeister Sami Khedira, Anm. d. Red.) spielt ja auch in meiner Mannschaft und dem geht das ähnlich.

Auch ihr ältester Bruder Fabian war Profifußballer. Woher kommt so viel Talent in ihrer Familie? Ihre Eltern waren ja keine Leistungssportler.

Götze: Die sehen vielleicht nicht so aus, aber die haben auch sehr gut Tennis gespielt. Und sie hatten schon immer eine Liebe zum Fußball. Dann haben wir uns auch gegenseitig gepusht, dass wir alle so weit gekommen sind. Wir haben uns gegenseitig Tipps gegeben, haben gemeinsam Fußball gespielt im Urlaub. Dann kommt so etwas eben.

Sie sind jetzt in der Bundesliga angekommen, haben ihr erstes Tor gemacht. Was kommt als nächstes?

Götze: Wenn es so weiter gehen würde, wäre ich schon zufrieden. Ich weiß, dass ich noch jung bin, dass ich noch viel lernen muss. Ich muss einfach geduldig sein, muss auf meine Einsätze warten. Und wenn ich weiter Gas gebe, ergibt sich alles Weitere.

Sie haben bei den zwei größten deutschen Vereinen in der Jugend gespielt. Da klingt Augsburg erst einmal wie ein Rückschritt.

Götze: Ist es aber gar nicht. Bayern ist natürlich eine andere Hausnummer: Die Qualität ist riesig, sie haben den Druck, dass sie jedes Spiel gewinnen müssen. Hier ist alles ein bisschen entspannter. Deswegen war es für mich eher ein Schritt nach vorne: Ich habe jetzt meine ersten Spielminuten gemacht, mein erstes Tor gemacht, ich kann mich also nicht beklagen.

Trotzdem war die Zeit bei den Bayern hilfreich?

Götze: Auf jeden Fall. Ich habe dort in der ersten Zeit gar nicht gespielt in der Jugend. Das hat mich extrem weitergebracht. Ich habe gelernt, damit umzugehen, wenn es nicht läuft. Das hatte ich davor in Dortmund nicht. Irgendwann habe ich dann angefangen, regelmäßig in der U19 zu spielen, und dann ging es schnell bergauf.

Dann kam der Profivertrag sie waren Teil des Kaders und sind 2018 Meister geworden – ohne Einsatz bei den Profis. Was bedeutet ihnen dieser Titel?

Götze: Natürlich bedeutet das etwas. Nicht jeder ist Deutscher Meister. Es macht sicher einen Unterschied, ob man viel gespielt hat oder nicht. Aber schon da oben mittrainieren zu dürfen, war ein riesiges Privileg. Dafür muss man schon sehr hart arbeiten. Dass ich jeden Tag mit solchen Spielern auf dem Platz stehen konnte, und dass ich auch jetzt jeden Tag mit tollen Spielern auf dem Platz stehen kann, ist einfach nur geil.

Sie haben in Augsburg einen sehr langfristigen Vertrag über vier Jahre unterschrieben. Warum?

Götze: Ich habe gesehen, dass Augsburg jungen Spielern eine Chance gibt, ihnen hilft zu reifen und den nächsten Schritt zu gehen. Ich hatte außerdem sehr gute Gespräche mit den Verantwortlichen. Für mich hat einfach alles gepasst: Es war auch nicht zu weit von München, wo ich noch Familie und Freunde habe. Die Stadt ist etwas kleiner als München, aber trotzdem sehr schön. Es hat einfach alles gepasst, deswegen habe ich den Schritt gewagt. Und bis jetzt hat es sich ja ausgezahlt.

Gibt es Spieler, an denen sie sich orientieren? In München und in Augsburg?

Götze: Klar. Natürlich ist man immer ein anderer Spielertyp als andere. Aber man kann sich Bewegungsabläufe abschauen. Und manche Spieler haben dank ihrer großen Erfahrung ein paar gute Tipps. Ich kann hier viel von Daniel Baier lernen, der schon seit zehn Jahren im Verein ist. Eine Zeit lang habe ich Rechtsverteidiger gespielt, da habe ich versucht, mir bei Joshua Kimmich abzugucken, wie man am besten flankt.

Ist Daniel Baiers Position im zentralen Mittelfeld ihre liebste? In der U19 haben Sie oft Innenverteidiger gespielt.

Götze: Am liebsten spiele ich vor der Abwehr. Aber es hilft mir auch, dass ich viele Positionen gespielt habe. Wenn hinten rechts einer fehlt, spiele ich eben dort. Es hilft auch oft auf der eigenen Position, wenn man weiß, wie auf einer anderen gespielt wird.

Ihr Trainer Manuel Baum wirkt von außen oft etwas ungewöhnlich – beispielsweise, als er nach Fabian Giefers Patzer den Tränen nahe war.

Götze: Ich fand gut, wie er da reagiert hat. Viele von uns haben auch so gedacht. Das zeigt seine enge Verbindung zu uns Spielern. Auch wenn im Fußball viel Geld fließt, sind ja alles noch Menschen. Egal wie viel Geld man verdient, wenn man schlecht behandelt wird, belastet es einen. Viele spielen da den harten Hund, er nicht. Und das war gut.

Wird es für Sie ein besonderes Spiel gegen Dortmund?

Götze: Auf jeden Fall. Ich habe dort noch sehr viele Freunde weil ich dort ja auch zur Schule gegangen bin, bis ich 16 war. Und meine Familie ist ja auch da.

Aber es ist nicht ihr erstes Spiel in diesem Stadion, sie haben im U19-Finale dort schon gespielt. Und im verlorenen Elfmeterschießen den ersten Schuss verwandelt. Helfen solche Spiele, als Profi zu reifen?

Götze: Auf jeden Fall. Es war mit eines der geilsten Spiele die ich gespielt habe. 30.000 Zuschauer ist man als U19-Spieler ja nicht gewohnt. Wir waren ein super Team, haben uns am Ende aber leider nicht belohnt. Aber es hat mir auf jeden Fall sehr geholfen, schon mal so ein Finale und so ein wichtiges Spiel gespielt zu haben.

Zum Abschluss ein Tipp: Wie geht das Spiel gegen Dortmund aus?

Götze: 2:1 für uns. Es wäre ja schlecht wenn ich jetzt etwas anderes sagen würde (lacht).

Und sie schießen wieder das entscheidende Tor, oder darf dieses Mal ein anderer?

Götze: Ich gönne es jedem (lacht). Ich würde mich einfach nur freuen wenn wir da Punkte mitnehmen können.

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